Der Wolf und die sieben Geißlein

Der Wolf und die sieben Geißlein, von Katharina Brankatschk

oder Weihnachtschaos im Geißenheim

Veganer Wolf im Märchenwald: Die alleinerziehende Mutter Geiß ist mit ihren 6 quirligen Adoptivkindern und ihrer Schichtarbeit in der Käsefabrik ausgelastet. Doch trotzdem nimmt sie das Flüchtlingskind Hilmar auf, das ein Zuhause sucht. Um ihre Kinder vor dem Bösen in der Welt zu schützen, mahnt sie, die Tür niemandem zu öffnen. Die Kinder haben keine Lust auf Ermahnungen und nur die bald sturmfreie Bude im Auge. So rollen die sieben Geißlein gelangweilt mit den Augen, als ihre Mutter vor Arbeitsantritt die Geschichte vom bösen Wolf erzählt. Kaum ist Mutter Geiß aus dem Haus, steigt die große Party. Als der Wolf am Haus der Geiß vorbeikommt, wird er sofort vom jüngsten Geißlein entdeckt. Die Geschwister freuen sich, dass der Bösewicht endlich da ist und Acton in die Feier bringt – »Au ja!« Ruft da die Geißenschar – »Jetzt kann der Spaß beginnen!«

Doch anders als Grimms Märchen ist der Wolf in Katharina Brankatschks moderner Fassung ganz und gar nicht fresslustig: Er befindet sich mitten in einer Krise, fühlt sich als Bösewicht vom Dienst sehr einsam und ist seit kurzem Veganer. Anstatt die sieben Geißlein zu verschlingen, würde er viel lieber Freundschaft schließen. Das gefällt den Geißlein ganz und gar nicht - denn was soll das für ein Märchen werden, wenn der Wolf keine Lust mehr auf Fleisch hat?

Katharina Brankatschk schafft eine neue Fassung voller Humor, moderner Anspielungen und Sprachwitz des Kinderzimmer-Dauerbrenners. Familie Geiß ist hypersozial und multikulturell aufgestellt, Mutter Geiß emanzipiert und selbstbewusst und der Wolf geprägt und genervt von seiner Rolle als ewiger Feind. Die adoptierten Geißlein selbst können unterschiedlicher kaum sein - vom rebellischen Punker-Geißlein bis zur glamourösen Geiß-Schwester. Und alle sieben halten zusammen wie Pech und Schwefel, wenn es darauf ankommt - und tragen so bei zum Happy End.

Eine schnelle, witzige und moderne Version des Märchen-Klassikers, dass spielerisch Themen wie das der Patchwork-Familie aufgreift, die Frage nach Gut und Böse stellt - und zeigt, dass jeder seinen Platz finden kann, wenn alle zusammenrücken. 

Eine rasante Auffrischung des Märchenklassikers. MZ

  • 29. November 2019
    Thalia Theater, Halle (Saale)
    Regie: Katharina Brankatschk
    UA (Uraufführung)

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