Neuigkeiten | Theaterverlag Hofmann-Paul

Presse

Presse nach Stücken

Presse nach Autoren

Aktuelle Presse

DIE PUPPE gefährlich programmiert als logische Frau – www.kulturundwein.com

Zum Stück: Die Puppe
11. März 2020

Eine besinnliche Komödie über die Paarung Roboter und Mensch

Er hat sie quasi gewonnen. Ein Mann in den schwierigsten Jahren, also um die Vierzig, den seine Freundin kürzlich verlassen hat, zieht das große Los. Eine von zehn ganz besonderen Puppen wurde ihm zugeteilt. Sie sieht exakt aus wie ein Mensch, besser gesagt wie eine Frau, die sich ein Normalo nur in seinen kühnsten feuchten Träumen vorstellt. Sie ist scharf wie eine Rasierklinge, die einzig und allein erschaffen wurde, ihn glücklich zu machen und ihm jeden Wunsch zu erfüllen. Dabei ist sie pflegeleicht, benötigt kein Essen und Trinken, nicht Gewand und nicht Schmuck, sogar alle die üblichen Schönheitsmittelchen der Weiblichkeit sind vom Hersteller dauerhaft angebracht und verursachen keine weiteren Kosten. Vor allem kann sie wunderbar kochen. Er scheint also ein Glückspilz zu sein, wäre da nicht ein Haken. Programmiert wurde der steile Homunkulus von einer Frau, einer hochintelligenten Wissenschaftlerin. Nachdem daher auch die Puppe logisch denkt, wird das Zusammenleben mehr und mehr zu einer Auseinandersetzung mit seiner hilflos emotional gesteuerten Männlichkeit.

Der kroatische Bühnenautor Miro Gavran räumt in seiner Komödie „Die Puppe“ (übersetzt von Tihomir Glowatzky) mit einem uralten Herrenwunsch nach einer ganz und gar ergebenen Frau gründlich auf. Der Mann konnte sich zwar gegen die menschliche Freundin durchsetzen, indem er ihr Ehe und Kinderwunsch versagt hat, gegen das von einer geheimnisvollen Elektronik gesteuerte Hirn hat er jedoch nicht die geringste Chance. Sie konfrontiert ihn gnadenlos mit seinen Schwächen, sogar im Schachspiel könnte sie ihn, wenn er es nur wollte, gewinnen lassen und ihn auch auf diesem Feld erniedrigen. Dennoch gesteht Gavran sogar dieser Maschine Gefühle zu, aber das wie und was wird hier nicht verraten. Das muss sich jeder selbst anschauen...

Hubsi Kramar hat dieses Zweipersonenstück für „Die Theaterküche“ im Saal 2 des Theater Center Forum als amüsante Komödie mit moderatem Tiefgang inszeniert. Ort der Handlung ist eine Wohnung, in die der Karton mit dem bewussten Inhalt und eine dicke Gebrauchsanweisung geliefert werden. Christian Strasser ist deren einsamer Bewohner, der sich zum Erwecken seiner neuen Mitbewohnerin schön macht. Zuerst tauchen die Beine auf, mit roten High Heels an den Füßen. Erst dann erhebt sich der Androide, lässt sich Stella taufen und raubt ihm den Atem. Mit stahlblonder Perücke und  SM-Lederkluft macht sie vom ersten Moment an klar, worum es in den nächsten Wochen gehen soll. Adriana Zartl wird dabei zum perfekten mechanischen Menschen.

Und das sowohl in den leicht ruckartigen Bewegungen als auch beim Reden mit künstlicher Stimme, die an die vom Computer generierten Befehle des Navys erinnert. Freilich springt er darauf an, rechnet aber nicht, nachdem er sein bestes Stück nach wildem Einsatz mit einer Bierflasche abgekühlt hat, dass er einem Ranking ausgesetzt war und dabei als Liebhaber gerade noch einen achtzigjährigen Tester abhängen konnte. Es darf also gelacht werden bei dieser gottlob noch utopischen Begegnung zwischen Maschine und Mensch, bei der es um in viel Wortwitz gut verstaute Themen wie Einsamkeit, Egoismus und viele andere sehr humane Schwächen geht.

Die Androidin zeigt, welche Fehler wir Männer machen – Kurier AT

Zum Stück: Die Puppe
06. März 2020

Der Autor von „Die Puppe“, Miro Gavran, im Gespräch mit dem Kinder-KURIER - nach der Premiere der österreichischen Erstaufführung.

von Heinz Wagner

Der 59-jährige hat mehr als zwei Dutzend Stücke, etliche Romane, Novellen, Jugend- und Kinderbücher geschrieben und in der kroatischen Hauptstadt mit seiner Familie auch ein Theater gegründet. Seine Werke in bislang gut 40 Sprachen übersetzt. Seine Stücke feierten schon 350 Premieren – von Buenos Aires, Rio de Janeiro, New York, Los Angeles und Washington über Paris, Prag, Wien, Bratislava, Riga, Vilnius und Krakau bis Moskau und Mumbai (Indien) und Sydney (Australien).

Gavran begann, wie er dem Kinder-KURIER erzählt, mit antiken Dramen, die um Machtfragen zirkulieren, in die er nicht selten aktuelle politische intrigen- und Korruptionsfälle einarbeitete. Leben in totalitären Systemen war immer wieder auch ein Thema. „Ich hab nur Tragödien geschrieben, aber als der Krieg in Jugoslawien (Anfang der 90er Jahre) begann, konnte ich nichts mehr Tragisches schreiben. Das Leben war viel tragischer, so begann ich humorvolle Texte zu verfassen. Die Menschen sollten trotz allem auch etwas zum Lachen bekommen.“

Aber „Die Puppe“ ist trotz des Humors über weite Strecken, trotz vieler herzhafter Lacher, im Kern doch auch eine tragische Geschichte?
Gavran: Nach dem Krieg hab ich dann begonnen Trauriges und Lustiges zu mischen.

Stand für Sie in „Die Puppe“ eher die Frage des Verhältnisses Mensch/Maschine und künstliche Intelligenz oder die Beziehung Mann-Frau im Zentrum, als sie begonnen haben, dieses Stück zu schreiben?
Egal ob Android oder nicht, es geht um den Umgang zwischen Männern und Frauen. Durch die Puppe wird gezeigt, wo die Hauptfigur Fehler im Umgang mit Frauen gemacht hat und macht. Immerhin lebt er mit der „Puppe“ ja schon sechs Monate zusammen.
Die Androidin ist dazu da, zu zeigen wo wir Männer Fehler machen, die Puppe steht stellvertretend für alle Frauen.

„Herr“lich witzige Macho-Demaskierung – Kurier AT

Zum Stück: Die Puppe
06. März 2020

„Die Puppe“, ein großartiges Stück von Miro Gavran, erlebte eine grandiose österreichische Erstaufführung im Theater-Center Forum.

von Heinz Wagner

„Ich rieche wie eine 30-jährige Frau, die vor 15 Minuten aus der Dusche gekommen ist…“, sagt die aus der langen Schachtel entstiegene Stella dem noch nicht ganz 40-jährigen Mark. Der hat die hochmoderne Puppe Nr. 7 bei einem Wettbewerb der Herstellerfirma gewonnen – aufgrund seines Lebenslaufes und Motivationsschreibens.

Extrem menschenähnlich was Konsistenz der Haut, Muskulatur, kurz des ganzen Körpers betrifft. Sie ist aber auf mehr als auf Dienerin im Haushalt und Bett programmiert. Kann auf Gespräche eingehen. Und das im wahrsten Sinn des Wortes. „Ich bin darauf programmiert, auf meinen menschlichen Partner einzugehen, nicht dümmer, aber auch nicht gescheiter zu sein und das von ihm wissen zu wollen, was auch er mich fragt.“

Spiegel vorsprechen

Sie spiegelt ihn also. „Die Puppe“ von Miro Gavran, einem weltweit berühmten, nur bislang in Österreich viel zu wenig bekannten Autor, ist ein hochintelligentes und wirklich sehr, sehr witziges Macho-Demaskierungs-Stück. Seine heimische Erstaufführung erlebte es kurz vor dem Internationalen Frauentag im Theater-Center Forum (Wien-Alsergrund), Mitte April wird es beim Eggenburger Kulturfrühling (Niederösterreich) gespielt (Regie: Hubsi Kramar).

Ge-ni-ales Schauspiel

Adriana Zartl spielt diese Puppe, kein leichtes Unterfangen, ge-ni-al – als über weite Strecken glaubhafte Androidin – sowohl von den zwischen maschinell und menschlich angesiedelten Bewegungen als auch von der Sprache, einer deutlichen Weiterentwicklung diverser Navi-akustischer Ansagen, aber doch noch mit einer Spur Computerton.

Christian Strasser gibt glaubhaft den kürzlich von seiner langjährigen Freundin verlassenen Typen, der sich zunächst sehr über die Fähig- und Fertigkeiten seiner neuen Errungenschaft freut. Aber zu pendeln beginnt zwischen dem Checken, dass ihm doch echte Gefühle abgehen und der zunehmenden Genervtheit, dass ihm die künstliche Frau allein durch das Spiegeln immer stärker seine eigenen Defizite deutlich macht.

Begeisterter Autor

Der Autor, der in Zagreb auch ein eigenes Theater (mit-)leitet und schon etliche Aufführungen dieses vor acht Jahren geschriebenen Stücks in verschiedenen Sprachen erlebt hat, zeigte sich nach der Wien-Premiere in dem kleinen Theater im Alsergrund (geniales Bühnenbild auf der Mini—Fläche: Markus Liszt) gegenüber dem Kinder-KURIER sehr begeistert: „Nicht die künstliche Intelligenz, sondern das Mann-Frau-Verhältnis war für mich zentral. Und das haben die beiden Schauspieler_innen und der Regisseur wunderbar umgesetzt. Vor allem gab es so eine Einheit zwischen dem Spiel auf der Bühne und dem Publikum – das war wie ein Geist und eine Seele. Das ist etwas, was man am Theater immer haben möchte. Aber leider klappt das nicht immer sow wie es heute hier der Fall war. Das Publikum muss dafür emotional betroffen sein. Ich finde, ein Stück ist nur dann gut, wenn es unsere Emotionen trifft.“