Die Tür

Die Tür, von Folker Banik

Kiefer, Eiche oder Stahl: Türen können zu Schutzschilden werden, hinter denen man sich retten aber auch verkriechen kann. Stephan, ein junger Mann, ist ein Verlierertyp: joblos, perspektivlos, ohne Freundin, der noch bei seiner Mutter lebt. Er ist isoliert, ein westlicher Hikikomori, ein Neet. Sein Kinderzimmer ist sein Zufluchtsort, hinter der Tür ist er sicher. Draußen ist die Welt mit ihren Erwartungen, die er nicht erfüllen kann. Sein Bett wird immer mehr zur Festung ausgebaut, seine Privatsphäre samt Gummipuppen und Mangas gilt es vor dem Außen zu verteidigen. Und vor seiner Mutter. Die ist übermächtig und kann ihn mit einem Wort, einem Satz zerstören – oder loben. Alleine in seinem Zimmer-Kosmos, mit seiner Wut, seinen Trieben, Ängsten und seiner Sehnsucht nach Liebe und Anerkennung, steigert er sich immer mehr in seinen Hass hinein. Bis er die Tür seines Zimmers öffnet – und zuschlägt.  

Christchurch, El Paso, Halle, Hanau - das Stück von Folker Banik zeigt, dass rechte Radikalisierung schleichend und durch Isolierung erfolgt. Es ist das Psychogramm eines jungen Mannes, der exemplarisch für viele steht, deren Unfähig zur Selbstreflexion und Selbstkritik in Kombination mit Perspektivlosigkeit zu Hass wird. Er steht für die jungen Männer, die sich nur noch online in Foren austauschen und aufstacheln, vereint in ihrer Wut gegen alle, denen sie Schuld an ihrer Misere geben: Frauen, Homosexuelle, Muslime, Juden. Hinzu kommt in dem Stück eine krankhafte Mutter-Sohn-Bindung, die darin gipfelt, dass er in seiner gekränkten Männlichkeit Anerkennung in Gewalt-Phantasien findet, die er schließlich umsetzt. Und – zum Glück – wieder versagt. An einer Tür.  

Ein Stück, das zeigt, wie Verlierertypen zu Terroristen werden können und dass Radikalisierung im Verborgenen erfolgt, in Kinderzimmern, Jugendzimmern und Chatrooms.  

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