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„Herr“lich witzige Macho-Demaskierung – Kurier AT

Zum Stück: Die Puppe
06. März 2020

„Die Puppe“, ein großartiges Stück von Miro Gavran, erlebte eine grandiose österreichische Erstaufführung im Theater-Center Forum.

von Heinz Wagner

„Ich rieche wie eine 30-jährige Frau, die vor 15 Minuten aus der Dusche gekommen ist…“, sagt die aus der langen Schachtel entstiegene Stella dem noch nicht ganz 40-jährigen Mark. Der hat die hochmoderne Puppe Nr. 7 bei einem Wettbewerb der Herstellerfirma gewonnen – aufgrund seines Lebenslaufes und Motivationsschreibens.

Extrem menschenähnlich was Konsistenz der Haut, Muskulatur, kurz des ganzen Körpers betrifft. Sie ist aber auf mehr als auf Dienerin im Haushalt und Bett programmiert. Kann auf Gespräche eingehen. Und das im wahrsten Sinn des Wortes. „Ich bin darauf programmiert, auf meinen menschlichen Partner einzugehen, nicht dümmer, aber auch nicht gescheiter zu sein und das von ihm wissen zu wollen, was auch er mich fragt.“

Spiegel vorsprechen

Sie spiegelt ihn also. „Die Puppe“ von Miro Gavran, einem weltweit berühmten, nur bislang in Österreich viel zu wenig bekannten Autor, ist ein hochintelligentes und wirklich sehr, sehr witziges Macho-Demaskierungs-Stück. Seine heimische Erstaufführung erlebte es kurz vor dem Internationalen Frauentag im Theater-Center Forum (Wien-Alsergrund), Mitte April wird es beim Eggenburger Kulturfrühling (Niederösterreich) gespielt (Regie: Hubsi Kramar).

Ge-ni-ales Schauspiel

Adriana Zartl spielt diese Puppe, kein leichtes Unterfangen, ge-ni-al – als über weite Strecken glaubhafte Androidin – sowohl von den zwischen maschinell und menschlich angesiedelten Bewegungen als auch von der Sprache, einer deutlichen Weiterentwicklung diverser Navi-akustischer Ansagen, aber doch noch mit einer Spur Computerton.

Christian Strasser gibt glaubhaft den kürzlich von seiner langjährigen Freundin verlassenen Typen, der sich zunächst sehr über die Fähig- und Fertigkeiten seiner neuen Errungenschaft freut. Aber zu pendeln beginnt zwischen dem Checken, dass ihm doch echte Gefühle abgehen und der zunehmenden Genervtheit, dass ihm die künstliche Frau allein durch das Spiegeln immer stärker seine eigenen Defizite deutlich macht.

Begeisterter Autor

Der Autor, der in Zagreb auch ein eigenes Theater (mit-)leitet und schon etliche Aufführungen dieses vor acht Jahren geschriebenen Stücks in verschiedenen Sprachen erlebt hat, zeigte sich nach der Wien-Premiere in dem kleinen Theater im Alsergrund (geniales Bühnenbild auf der Mini—Fläche: Markus Liszt) gegenüber dem Kinder-KURIER sehr begeistert: „Nicht die künstliche Intelligenz, sondern das Mann-Frau-Verhältnis war für mich zentral. Und das haben die beiden Schauspieler_innen und der Regisseur wunderbar umgesetzt. Vor allem gab es so eine Einheit zwischen dem Spiel auf der Bühne und dem Publikum – das war wie ein Geist und eine Seele. Das ist etwas, was man am Theater immer haben möchte. Aber leider klappt das nicht immer sow wie es heute hier der Fall war. Das Publikum muss dafür emotional betroffen sein. Ich finde, ein Stück ist nur dann gut, wenn es unsere Emotionen trifft.“

Die Kissinger lieben ihren Hiasl auch modern – Friedberger Allgemeine

Zum Stück: Heute Hiasl
18. Februar 2020

von Heike John

Theater Zurück zu den Wurzeln kehrte der Räuberhauptmann für eine Aufführung von Sebastian Seidels Stück „Heute Hiasl“. Das Heimspiel des Volkshelden bescherte dem Sensemble Theater noch größere Begeisterung als in Augsburg

Gute Kritiken erhielten Sebastian Seidel und sein Team vom Sensemble Theater für die moderne Inszenierung „Heute Hiasl“, die auch durch die Gemeinde Kissing gefördert wurde. Der innovative Umgang mit dem historischen Stoff faszinierte das Publikum in Augsburg, und die gut 15 Aufführungen waren alle so gut wie ausverkauft. Anfang Februar fiel der Vorhang zum letzten Mal für das Stück. Zum Abschluss gastierte die Truppe nun auch im Kissinger Pfarrsaal.

Dort gab es zwar noch einige freie Plätze, aber das Heimspiel des charismatischen Helden sorgte bei den Anwesenden für Begeisterung. Bei Kissings Zweiter Bürgermeisterin Silvia Rinderhagen etwa, die bereits im Herbst anlässlich der Pressekonferenz der Regio Augsburg Tourismus einen Ausschnitt der modernen Inszenierung von Sebastian Seidel sah. „Der Stoff passt doch wie die Faust aufs Auge auch in unser heutiges Leben“, sagte sie. Zufrieden über die große Resonanz zeigte sich der Vorsitzende des Historischen Fördervereins Bayerischer Hiasl Ronald Kraus. Denn nachdem seit Mitte vergangenen Jahres klar ist, dass der gebürtige Kissinger Matthäus Klostermayr keine Bleibe im Marxenwirt finden wird, ist er froh um jedes Event vor Ort, mit dem das Andenken an den Fürsten der Wälder aufrechterhalten werden kann.

Gespannt auf die Inszenierung äußerte sich im Vorfeld der Vorstandsvize Reinhard Mayr. „Ich war bei der Uraufführung in Augsburg im November dabei und bin jetzt neugierig, wie es hier in Kissing auf mich wirkt.“ Für Sebastian Seidel und sein 13-köpfiges Schauspielteam war das Gastspiel in der Paargemeinde in der Tat eine Herausforderung. „Unser Bürgerchor hat nur ganz knapp auf dieser deutlich kleineren Bühne Platz, und auch was die Technik betrifft, mussten wir improvisieren“, erklärte er. Durch eine geschickt inszenierte Bühnenpräsenz zwischen den „Heute Hiasl“-Großbuchstaben und einer Unmenge an Aktenordnern konnte der wortgewaltige Hiasl-Darsteller Florian Fisch das Publikum schnell für sich gewinnen.

Petra Scola, Büchereileiterin aus Kissing, hatte vor allem Augen für die wandlungsfähige Schauspielerin Sarah Hieber. „Ihre diabolische Art als Staatsanwältin fasziniert mich ungemein“, schwärmte sie. Es ging nicht allein um die Frage „Verbrecher oder Volksheld“, sondern auch um die aktuelle Utopie einer gerechteren Gesellschaft. „So modern hab ich das nicht erwartet“, gab Gemeinderatsmitglied Johann Oberhuber zu. „Das ist schon anders als der Stoff, den man bisher kennt, aber mir hat’s prima gefallen.“ Regelrecht überwältigt zeigte sich Leni Zieglmeir aus Mering. Seit Jahren führt sie Regie bei den Theateraufführungen des Meringer Trachtenvereins. In den Anfängen des dortigen Laienspiels wurde auch einmal „Der boarische Hiasl“ auf die Bühne gebracht. Schauspieler Olaf Ude, der auf der Bühne den Richter verkörperte, wundert sich immer wieder: „Sebastian Seidel hat das Stück schon vor knapp zwei Jahren geschrieben und nun ist es mit der „Friday for future“-Bewegung oder den Protesten der Landwirte so aktuell wie nie.“ Der Richter mit der Glatze, der im Verlauf des Stückes öfter seine würdevolle Perücke absetzte, war von der Reaktion des Publikums angetan. „Auch in Augsburg kam das Stück gut an, aber beim Kissinger Publikum sprang der Funke beim Schlussplädoyer noch viel stärker über.“ Der örtliche Bezug mache die Rezeption des Stücks auf jeden Fall emotionaler, glaubt er.

Eine Person fehlte aus zeitlichen Gründen im Zuschauerraum und bedauerte dies sehr. Katrin Freund, die als Vereinsmitglied dem Bayerischen Hiasl in Marionettenform Leben einhauchte. Mit ihrem Räuberhauptmann an Fäden und ihrem vielseitigen und historisch fundierten Hiasl-Programm ist sie nicht nur vereinsintern aktiv, sondern bei vielen öffentlichen Anlässen wie dem Brunnenfest oder dem Neubürgerempfang präsent. „Man sollte das Hiasl-Thema wieder stärker ins Bewusstsein rücken“, findet sie. Der Hiasl-Stoff im Theater sei ein spannendes Thema. „Ich schreibe gerade einen Essay darüber, denn der Hiasl war der beliebteste Puppenspielstoff des 19. Jahrhunderts noch vor Faust und Don Juan und das nicht nur in Deutschland.“

Weitere Aufführungen „Heute Hiasl“ wird am Samstag, 9. Mai im Aichacher Kreisgut, Am Plattenberg 12, im Rahmen der Bayerischen Landesausstellung gespielt. Vorverkauf über den Wittelsbacher Land Verein. Am Samstag, 10. Oktober, lädt die Kissinger Bücherei zu einer szenischen Lesung. Dies ist der Auftakt zu einer Veranstaltungsreihe mit fünf Abenden rund um den Bayerischen Hiasl im Rahmen der jährlichen Paarkunst.

Premiere beim Neuen Theater in Burgau – Augsburger Allgemeine

Zum Stück: Annabelle
17. Februar 2020

Beim Stück "Annabelle" des Neuen Theaters Burgau geraten eine resolute Mutter und ein atheistischer Lehrer aneinander.

VON MARTIN GAH

Das Publikum spielt mit im Stück „Annabelle“ des Neuen Theaters Burgau. Am Freitag wurde Premiere gefeiert. Die Zuschauer übernehmen die Rolle der Klasse 2B in einer Grundschule irgendwo in Bayern. Dort platzt Frau Doktor Scherkampf (Vera Hupfauer) in den Unterricht, weil sich ihre Tochter Annabelle weigert, in die Schule zu gehen.

Sie werde von ihren Mitschülern belästigt, so der Vorwurf. Doch Lehrer Herr Mielke (Florian Fisch) macht der Störenfriedin klar, dass sich Annabelle durch ihr Verhalten keine Freunde mache. Denn sie übernimmt von ihrer Mutter die diskriminierenden Sprüche gegenüber jüdischen und muslimischen Mitschülern.

Religiöser Fanatismus
Aber so schnell gibt die Tigermama Scherkampf nicht auf. So entstehen weitere verbale und körperliche Auseinandersetzungen zwischen der Frau, deren katholische Lebenseinstellung an religiösen Fanatismus grenzt, und dem Lehrer, einem überzeugten Marxisten. So geht sie zum Beispiel in die Zuschauerreihen, um einige „Schüler“ direkt anzusprechen, wer hinter den Attacken auf ihre Tochter stecke. Der Lehrer zieht sie wieder raus. „Schmeiß doch die Alte raus!“, ruft einer der „Schüler“ im Publikum dem Lehrer zu. Dieser entgegnet: „Kinder, mischt euch nicht ein!“. (Sonst würde aber auch das Stück nicht weitergehen.)

Während des Stückes bröckeln auch die Fassaden. Einmal kommt es bei der resoluten Mutter zu einem weinenden Zusammenbruch. Ehrlich mitgenommen erzählt sie von den Panikattacken ihrer Tochter. Außerdem bereut die geschiedene Frau, dass sie aufgrund ihrer zahlreichen Geschäftstermine im In-und Ausland immer Leute für die Beaufsichtigung ihrer Tochter bezahlen muss.

Eine Ohrfeige normalisiert die Situation
Der Lehrer versucht die meiste Zeit über, eine kontrollierte Fassade aufrechtzuerhalten. Aber als die Mutter den Raum verlässt, um nach der Tochter im Auto zu sehen, hält er den Schülern in aggressivem Ton eine flammende Rede darüber, warum Religion nach Karl Marx Opium für das Volk sei. Er selbst lobt dabei seine atheistische Erziehung in der ehemaligen DDR. Am Ende des Stückes normalisiert eine Ohrfeige die Situation.

Das Publikum spendet den Schauspielern tosenden Applaus. Außerdem durften die Regisseurin Gianna Formicone sowie Sebastian Seidel, der zusammen mit Christian Krug das Stück schrieb, für die Ovationen danken. Der Autor fand die Darstellung des Burgauer Ensembles sehr intensiv. Die Streitsituation habe sich eindrucksvoll gesteigert, so Seidel.