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Presse - Rainer Furch

Tänzchen mit Gevatter Tod – Augsburger Allgemeine

06. Mai 2015

Warum keine Diagnose für einen Hypochonder die schlimmste Diagnose ist

Von Toni Kutscherauer

„Glaubst du mir jetzt?“ So erträumt sich der Hypochonder, der eingebildete Kranke, seine Grabinschrift. So ironisch-satirisch wie dieser Spruch greift das Stück „Hand aufs Herz“, das am Wochenende in der Schauspielmanufaktur im ausverkauften Rotochsenkeller Premiere hatte, ein in unserer von Gesundheits- und Fitnesswahn geprägten Gesellschaft verbreitetes Phänomen auf.

Die Szenerie spielt im Behandlungsraum einer Arztpraxis, wo Bernd (Wolfgang Krebs), ein viriler Mann in den Fünfzigern, auf Doktor Schmidt warten muss. Ein stechender Schmerz in „drei hochsensiblen Nervenbahnen“ und ein bedrohliches Augenzucken haben ihn hergeführt, bestimmt ist es der Rücken – „und Rücken ist immer Psycho!“ Aber selbst wenn der Arzt nichts finden sollte, ist der Patient sich sicher: „Was muss das für eine schlimme Krankheit sein, die vom Arzt nicht diagnostiziert wird!“

 

Während der Wartezeit räsoniert Bernd über sein von Gesundheitsbewusstsein geleitetes Leben: Magnesium und Zink, Bierhefe und Bilsenkraut – alles im täglichen Programm. Stress versucht er tunlichst zu vermeiden und auch am Liebesleben fehlt es nicht: „Sex soll ja gesund sein – obwohl er Spaß macht!“ Sogar das Rauchen hat er schweren Herzens aufgegeben, wobei er sich hier im Zwiespalt befindet: „Wir jammern, wenn wir rauchen – und wir jammern, wenn wir nicht rauchen!“ Als Gesundheitsfanatiker sieht Bernd sich jedoch keineswegs und distanziert sich von den Trainingsbesessenen in der Mucki-Bude („animierte Käfighaltung“) oder den Mountain-Bikern und Nordic Walkern, die „für einen späten Tod schwitzen“ und sich an ihren „erlegten Kilometern“ ergötzen. Allerdings könnte auch er selbst noch viel mehr für seinen Köper tun: Edelsteinbalance, Yoga, Schüßler-Salze, Wellness-Painting …

 

Theaterleiter Nico Jilka hat den kabarettistischen Monolog „Hand aufs Herz – aus dem Leben eines Hypochonders“ des für die Schauspielmanufaktur mit reichlich Esprit und Hintersinn in Szene gesetzt. Dabei wird mit dem allgegenwärtigen Thema Gesundheit („Das Schweigen der Organe“) nicht nur eine omnipräsente Zeitgeist-Erscheinung satirisch beleuchtet, sondern auch das Begleitphänomen des von allen nur denkbaren Krankheiten befallenen Hypochonders mit viel Ironie und Sarkasmus karikiert. Dies gibt in der Summe eine witzige und intelligente kabarettistische Komödie, die auch bisweilen einen tieferen Blick in die menschliche Psyche gewährt – Wiedererkennungswert inklusive.

 

Für den Protagonisten Wolfgang Krebs ist es bereits die elfte Produktion in der Schauspielmanufaktur, an der er beteiligt ist. Mit „Novecento“ und „Allein in der Sauna“ hat er bereits in Ein-Mann-Stücken überzeugt. Und auch in „Hand aufs Herz“ zeigt Krebs, welch facettenreicher Schauspieler er ist. Wenn seinem Bernd die Augen zucken oder er vor Schmerz das Gesicht verzerrt, leidet man als Zuschauer fast mit. Zudem bieten der Kampf mit dem Gymnastikband oder das Tänzchen mit Gevatter Hein komödiantische Höhepunkte. Am Ende der Vorstellung sparte das Publikum nicht mit Beifall für eine gelungene Premiere, die einmal mehr zeigte, dass auch ein Ein-Personen-Stück einen unterhaltsamen und kurzweiligen Theaterabend garantieren kann.

Taltontheater: Jens Kalkhorst kämpft gegen den Fitnesswahn – WZ newsline WESTDEUTSCHE ZEITUNG

22. September 2013

Jens Kalkhorst ist morgen in einem Solo-Stück zu erleben.

Wuppertal. „Hand aufs Herz“: Das Taltontheater nimmt den kabarettistischen Kampf gegen fanatische Fitnessgläubige auf. Blutdruck messen, Kalorien zählen, Puls fühlen - wer sich zu sehr um seine Gesundheit sorgt, wird krank. Bernd ist fest davon überzeugt – ein Hypochonder will er aber auch nicht sein.

In seiner Komödie stellt Autor Rainer Furch den Gesundheitswahn auf den Prüfstand. Bitter-ironisch redet sich sein Protagonist um Kopf und Kragen. Schauspieler und Regisseur Jens Kalkhorst nimmt diese sportliche Herausforderung an. „Hand aufs Herz“ heißt das Programm, mit dem er morgen Premiere feiert.

Herr Kalkhorst, treiben Sie Sport?

Jens Kalkhorst: Eine gute Frage. Ich sollte. Ach was: müsste. Wer die dreißig überschritten hat, kommt um Bewegung gar nicht herum. Es sei denn, er hängt alle Spiegel in seiner Wohnung ab. Allerdings scheitern meine ambitionierten Sportpläne leider äußerst häufig an dem biblischen Zitat: Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.

Hand aufs Herz: Sind Sie ein Hypochonder?

Kalkhorst: Hypochonder vielleicht nicht. Aber eine ausgeprägte Wachsamkeit auf das Ziehen und Pochen im Körper kann ich dann doch bei mir beobachten. Denn jeder Mensch, der die zwanzig hinter sich hat, weiß es ja eh schon: „Wer gesund ist, ist nur noch nicht ausreichend untersucht.“

Ihre neue Produktion dreht sich passenderweise um den Fitnesswahn. Was erwartet das Publikum?

Kalkhorst: Einen erfrischenden Monolog, der mit viel Lebensweisheit nicht nur unseren heutigen Fitnesswahn auf die Schippe nimmt. Die Hauptfigur lässt sich auch voller Humor über Gesundheit, Krankheit, Ernährung, Rauchen, Trinken, das Leben, den Tod und den ganzen Rest aus. Aber man muss jetzt keine Sorge haben, dass der Abend eine Kalauer-Parade wird, denn der Text bietet auch Momente der Besinnlichkeit und der Nachdenklichkeit. Kurz gesagt: Den Zuschauer erwartet ein runder Abend über den täglichen Wahnsinn, den wir das Leben nennen.

Können Sie – wie es ganz offensichtlich die Botschaft des Stücks rät - über sich selbst lachen? Wenn ja: Wann am liebsten?

Kalkhorst: Ein berühmter Komiker hat einmal dazu geraten, sich selbst als Entertainer zu sehen, der sich jeden Tag selbst mit einer tollen Show überrascht. In diesem Bild sehe ich mich am besten in meiner täglichen Küchenshow. Die Star-Köche Lafer und Mälzer würden erblassen, denn ich biete, glaube ich, eine Menge Lachpotenzial auf dem Weg zum perfekten Dinner.

Zurück zum Stoff: Ein Monolog ist eine ganz besondere Herausforderung. Sie müssen den Applaus am Ende zwar nicht teilen, andererseits richten sich alle Blicke ausschließlich auf Sie. Spornt das umso mehr an – oder sind Sie nervöser als vor einer „normalen“ Premiere?

Kalkhorst: Es ist natürlich eine Herausforderung, alleine dafür Sorge zu tragen, dass man sein Publikum 90 Minuten lang gut unterhält. Aber diese Aufgabe steht für mich im Fokus einer jeden Aufführung, ob alleine oder mit Partnern. Und so denke ich, dass der wesentliche Unterschied zur „normalen“ Premiere der sein wird, dass es vor Vorstellungsbeginn wesentlich ruhiger in der Garderobe sein dürfte.

Das Gespräch führte Martina Thöne


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