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Presse - Marzena Ryłko

Viel Kult um Brust und Bauch – Märkische Oderzeitung

23. Februar 2018

von Eva-Martina Weyer
Uckermärkische Bühnen ziehen mit neuem Stück in Schulen und machen Schönheitswahn zum Thema
Schwedt (MOZ) Die jüngste Premiere der Uckermärkischen Bühnen Schwedt hat im Klassenzimmer stattgefunden. "Pro An(n)a" ist ein Stück über Essstörungen und hatte am Donnerstag zur besten Unterrichtszeit Premiere am Gauß-Gymnasium. Das Urteil der Schüler: Das war schockierend, bringt uns zum Nachdenken.

Schon immer haben sich die Schwedter Theaterleute aktuellen Themen gewidmet. Jetzt haben sie ein gesellschaftliches Problem auf die Bühne geholt, das manche Mütter, Väter und Lehrer nachts nicht schlafen lässt. Es geht um Essstörungen im Jugendalter. Kinder magern ab, sind nur noch Haut und Knochen. Und das aus freiem Willen. Carla Buchholz ist Direktorin am Gauß-Gymnasium. Sie weiß aus dem Schulalltag: "Auch bei uns gibt es Schüler, die unter dieser Krankheit leiden, und zwar richtig stark. Es ist schwer für sie, Hilfe anzunehmen."

"Pro An(n)a" beleuchtet diesen Konflikt. Das Stück stammt von der polnischen Autorin Marzena Rylko und spielt mit den Buchstaben. Anna ist der Name der etwa 16-Jährigen in diesem Ein-Personen-Stück. "Ana" ist aber auch die Abkürzung der Sucht, der Anna verfallen ist - Anorexie. Anna ist ihr krankhaft ergeben. Ihr Alltag, ihr ganzes Leben dreht sich nur noch ums dünn sein. Im Internet unterhält sie sich mit Gleichgesinnten, denen es ums Hungern geht.

Anna, eindringlich gespielt von Sabrina Pankrath, eifert einem beängstigenden Schönheitsideal nach. Sie liebt es, wenn die Schlüsselbeine weiter hervorstehen als die Brüste. Körperfett ist ekelhaft. Essen sowieso. Annas Wahn lautet: "Schlanksein ist keine Krankheit, sondern eine Wahl, die man trifft."

Direkter als mit einem Stück im Klassenzimmer kann man als Schauspieler sein Publikum nicht ansprechen. Sabrina Pankrath gibt zu, dass sie "Respekt, wenn nicht sogar Angst" vor dieser Aufgabe hatte. Als Anna agiert sie zwischen Bankreihen und Tafel, spricht die Schüler mit ihrem Spiel genau an und lässt sie so zum Teil der Handlung werden.

Die Zuschauer fragen sich: Wie würde ich handeln? Finde ich so dünne Mädchen schön? Denn plötzlich enthüllt Anna ein Seidentuch. Sie hat es gerade über den Versandhandel erhalten. Auf dem Tuch ist in Lebensgröße ihr Ideal abgebildet - ein abgemagertes Mädchen, scheinbar wie aus dem KZ.

Leider bringt Sabrina Pankrath mit zu häufigen Pulloverwechseln viel Hektik in die Aufführung. Das wirkt wenig nuanciert. Dennoch macht sie mit steigendem Spannungsbogen glaubhaft, wie Anna ihrem Selbsthass erliegt. Wenigstens einmal will sie der Nabel der Welt sein. In ihrer Hysterie sieht sie nur einen Ausweg: Sie muss sich diese Anna vom Hals schaffen: "Zeit zu sterben, fette Anna." Die Zuschauer erleben das mit. Das schockiert und macht ratlos.

Mit diesem Stück gehen Sabrina Pankrath und Regisseurin Christine Bossert jetzt an die Schulen.

Falle Körperkult - Theaterstück an der Schule – Amt Mittleres Nordfriesland, www.amnf.de

20. März 2017

von F. Middendorf
Bredstedt. Um krankhaften „Körperkult“ drehte es sich es im Klassenzimmer-Theaterstück „Pro An(n)a“, das sich kürzlich die achten Jahrgänge der Bredstedter Gemeinschaftsschule ansehen konnten. Darin führt Hauptfigur Anna einen Blog, in dem sie sich mit ihren „Followern“ über das freiwillige Abmagern austauscht.

Darstellerin Alexandra Pernkopf zog die Schülerinnen und Schüler rasch in ihren Bann. Sehr Glaubhaft verkörperte sie Annas Wahn vom „Schlüssel zum Glück“. Extremes Dünn-Sein, so ihre Idee, verhelfe ihr zu Anerkennung und wahrer Liebe.
Doch der Weg zum Ziel erfordert besondere Disziplin. Wenig bis nichts zu essen ist eine tägliche Herausforderung für Anna, zumal sie sich immer wieder „Fressattacken“ erwehren muss. Ihr gepeinigter Körper schreit in solchen Momenten förmlich nach Hilfe. Doch Annas Wille ist stark und sie überwindet ihre „Schwächen“ voller Stolz.  Erst nach und nach kommen ihr Zweifel und sie fragt sich kaum erkennbar, ob sie tatsächlich die Kontrolle über ihr Leben hat... Annas Zerrissenheit zwischen Hoffnung und Verzweiflung ist deutlich erkennbar. Wie es mit ihr weitergeht bleibt im Stück offen.

Die Gefahr von Magersucht, die vermeintliche Geborgenheit einer Internet-Gruppe und weitere heikle Themen fasste das Ein-Personen-Stück mutig an. In der Diskussion der Mädchen und Jungen mit Theaterpädagogin Janina Wolf war Stimmung sehr gedrückt. Ob und wie Betroffenen geholfen werden könne, hänge vor allem davon ab, ob sie selbst gesund werden wollen, erläuterte die Pädagogin. Freunden von Betroffenen riet sie, in erster Linie nicht wegzusehen: „Als Außenstehender hilflos mit ansehen zu müssen, wie sich die/der Betroffene immer weiter kaputt macht, ist nicht einfach. Doch offene Gespräche können helfen, so lange sie ohne Schuldzuweisung erfolgen und deutlich wird, dass man helfen und da sein möchte.“ Nächste Schritte wären laut Janine Wolf dann etwa Kontaktaufnahme zu einem Arzt, Therapeuten, einer Klinik oder einer Selbsthilfegruppe.

Vom Hunger nach Liebe – Ostsee Zeitung

11. April 2015

von Johanna Hegermann

„Pro An(n)a“ feierte Freitag im Volkstheater Premiere. Mit einem starken Spiel überzeugte Cornelia Wöß in ihrer Rolle als magersüchtige Jugendliche.

Rostock. Sie rennt über die Bühne, redet sich in den Wahn und schreit markerschütternd, nur um danach vor Schwäche fast umzufallen. Denn Anna – gespielt von Cornelia Wöß – leidet an Anorexia nervosa, kurz „Ana“. Die etwa 16-jährige Jugendliche hat sich bereits von 60 auf 50 Kilogramm runtergehungert und will noch weiter abnehmen. Unterstützung sucht sie bei den Anhängern ihres Pro-Ana-Blogs. Ein Ort im Internet, an dem sich ihre „Schmetterlinge“ über die Vorteile von Magersucht austauschen. Dabei lebt sie nach dem ABC der Magersucht. Es geht von A wie Anorexie bis zu Z – „Zeit zu sterben, fette Anna“.

Das Monodrama „Pro An(n)a“ der polnischen Autorin Marzena Rylko wurde am Freitag im Volkstheater Rostock zum ersten Mal in deutscher Sprache aufgeführt. Cornelia Wöß schafft es in ihrer Rolle spielend, alle Augen auf sich zu konzentrieren. Obwohl sie alleine auf der Bühne steht, interagiert sie mit den Zuschauern, die ihre Internet-Community darstellen sollen. So findet sie einen direkten Zugang zum Publikum. Die Verzweiflung, Wut und der innere Kampf sind damit beinahe direkt spürbar. Locker trifft die 25-jährige Schauspielerin den Ton einer Schülerin, ohne anbiedernd oder aufgesetzt zu wirken.

Die Inszenierung von Sonja Hilberger richtet sich besonders an Jugendliche und soll als Produktion des mobilen Klassenzimmers auch in Schulen aufgeführt werden. Doch mit dieser unmittelbaren Darstellung des Themas Magersucht, ist „Pro An(n)a“ auch für Zuschauer außerhalb des Schulalters zu empfehlen.

 


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