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Presse - Erpho Bell

Aufstand in Buttland – NRZ

30. Oktober 2009

von Gabi Gies

Geld und Macht machen nicht glücklich und deshalb lassen sich aufrechte Buttianer schon gar nicht mit Kuscheltieren ködern: „Wir sind das Volk” krähte es gestern bei der fulminanten Premiere des Schlosstheatermärchens zur Wirtschaftskrise „Vom Fischer und seiner Frau” doch tatsächlich aus dem jungen Publikum. Das nutzte die Chance zur Revolution gegen das zu Kanzlerkönig und -königin mutierte Fischerehepaar ausgiebig, belohnte dafür aber die mit Kraft und Witz agierenden Katja Stockhausen (Sibylle) und Patrick Dollas (Peter) am Ende mit reichlich Zugaberufen.


Mitgehangen, mitgefangen: Bühne und Zuschauerraum in der Theaterhalle sind wie eine Arena (Bühne: Christoph Rasche) aufgebaut, zusammengehalten von einem riesigen Butt und einem Fischernetz. So spielen die Zuschauer von Anfang an mit. Sie sind das Meer, auf das Fischer Peter hinausfährt und dem verzauberten Butt begegnet. Es kommt, wie es tagtäglich und allerorten so kommt: Pisspott – nein Danke, Sibylle will mehr vom Leben, „ein bisschen Luxus ist erlaubt”: Haus, Garage, Flauscheteppich, Cabrio, Fernsehwand und Swimmingpool schafft der Butt herbei. Wie aber diesen Luxus vom Fischergehalt finanzieren?


Peter fährt wieder auf's Zuschauermeer hinaus. Ganz so freundlich schaut er nicht mehr drein. Das Meer allerdings auch nicht. Schmutzig ist es geworden – egal. Fischer Peter kann mit den 500 Millionen vom Butt die Fische demnächst woanders auf der Welt einkaufen. Aber Geld allein macht nicht glücklich – Kanzlerkönig aller Buttanier, das wär doch was.


Merkel und Westerwelle? Sibylle und Peter steigen wie Popidole auf das Dach ihres Pisspotts, liefern eine souveräne Bühnenshow, verteilen Fähnchen und Geschenke, um vom Volk geliebt zu werden. „Wir sind Meister im 100jährigen Tiefschlaf, im Tischlein-Deck-Dich”, wirbt Sibylle mit Wortwitz für das Vakuum ins Mikro: „Ihr seid eure Zukunft!” Allein – Buttland ist nach 100 Tagen pleite, das Volk ist sauer. Vorbei mit säuselnden Zuschauerwellen, es regnet Protest in Form von Plüschtieren. Der Butt lässt sich nicht mehr blicken, das Meer kocht über.


Die Erkenntnis, dass Glück etwas anderes als Geld und Macht sein muss steht am Ende dieses fesselnden Kinderstückes, an dem auch Erwachsene reichlich Spaß haben. Slapstick und Tanzeinlagen, ein fantastisches Bühnenbild und zwei Schauspieler, denen die Interaktion mit dem Publikum manches Mal eine Menge abverlangte – „Vom Fischer und seiner Frau” ist intelligentes Theater mit hohem Spaßfaktor. Auch weil Autor Erpho Bell und Regisseur Julius Jensen dabei auf Zeigefinger und Patentlösungen verzichten.