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Presse - Bengt Ahlfors

Die Einsamkeit des Alters – Augsburger Allgemeine

06. Juni 2011

Zur Inszenierung „Der Liftverweigerer“ am Landestheater Schwaben, Stadttheater Memmingen
P: 30.04.2011; R: Peter Kesten, D: Peter Hoeschler

 

Die Einsamkeit des Alters. Ein-Mann-Stück schafft beklemmende Stille
Von Bärbel Knill

Landsberg. Alter und Einsamkeit sind nicht gerade Themen, zu denen man sich als Theaterbesucher hingezogen fühlt. Dennoch kamen einige standhafte Zuschauer, um sich mit dem Stück „Der Liftverweigerer“ des Schweden Bengt Ahlfors in der deutschen Erstaufführung durch das Landestheater Schwaben im Landsberger Stadttheater mit diesen Tabus konfrontieren zu lassen.

Mit viel Gespür und Liebe fürs Detail ist die Bühne als Wohnzimmer eines alten Menschen gestaltet –manchmal grenzt es fast schon ans Klischeehafte. Geschmacklose Lampen verströmen den Muff vergangener Tage, dunkle Möbel aus den Dreißigerjahren zeugen von der deprimierenden Gleichförmigkeit der Zeit, die der Bewohner hier verbracht hat und noch immer verbringt. Die geräusch- und wortlose Anfangsszene schafft eine zunehmend beklemmende Stille im Saal, und der Zuschauer wagt kaum zu atmen, während Peter Höschler in der Rolle des alten Mannes mit den vorsichtigen Bewegungen des Alters in der Wohnung herumnestelt. Dann beginnt ein Monolog, der in seiner phasenweisen Langatmigkeit die Ödnis und Einsamkeit des Lebens seines Erzählers widerspiegelt, der dem Publikum aber auch einiges an Geduld und Durchhaltevermögen abverlangt. Peter Höschler verkörpert den alten Mann als noch rüstig in den Bewegungen – manchmal fast allzu rüstig –, im Sprachfluss die meiste Zeit monoton resigniert, bis am Ende Leben in ihn kommt, als er Besuch erwartet. Die Monotonie des Monologs, einerseits bedingt durch die Figur des alten Mannes, birgt andererseits die Gefahr in sich, dass die Konzentration des Zuschauers stellenweise nachlässt.

Die Geschichten aus dem Leben, die der alte Mann erzählt, sind wenig spektakulär, handeln von der Mutter, dem Hund, den Nachbarn, dem Lift, den Ereignissen aus der Kindheit, den Zufällen des Lebens. Sie ähneln den Geschichten, die jeder Mensch am Ende seines Lebens erzählen kann, und die uns dennoch angesichts der Frage nach dem Sinn des Ganzen ratlos zurücklassen. „Wir reisen allein durch die Nacht, ohne zu wissen, warum.“ Dieser Satz kommt zwei Mal im Stück, und darin ist wohl auch die Quintessenz des Stücks zu sehen. Autor Bengt Ahlfors hat sich gnädigerweise dafür entschieden, das Publikum am Ende nicht ganz ohne Hoffnungsschimmer zu entlassen, denn der alte Mann lernt noch einmal einen anderen Menschen kennen, und das Klingeln der Türglocke und das Auftreten eines freundlichen Hundes bilden den Schluss.

Die Inszenierung durch Peter Kesten ist auf das Wesentliche beschränkt. Das hat seine Berechtigung im Thema und in der Figur des alten Mannes. Für den Zuschauer ist sie dadurch etwas ermüdend.

 

Über Liebe und Triebe im Alter – Altmark Zeitung

02. Februar 2009

Zum Gastspiel des TdA in Bad Bevensen


 „Die letzte Zigarre“: Nachdenkliches vom Theater der Altmark im Kurhaus Bad Bevensen von Christine Kohnke
Bad Bevensen. "Ich denke, so Leidenschaften hätten nur junge Leute." Meint die Tochter, eine junge Frau noch, einigermaßen erstaunt über die Begierden, die Onkel, Tante und Vater aus heiterem Himmel - wenn auch nicht ganz freiwillig - offenbaren. Eigentlich war sie nach Hause gekommen, um ihre eigene Beziehungskrise zu bewältigen - und findet sich unvermittelt in einem Beziehungsdrama wieder, das es so eigentlich gar nicht geben dürfte.


Darf der Pfarrer mit der Frau seines besten Freundes ein Verhältnis haben? Darf eine Frau, die längst Großmutter sein könnte, ihre Leidenschaften mit Peitsche und Handschellen ausleben? Dürfen Menschen jenseits der 60 überhaupt noch Leidenschaften haben?
Fragen, die Bengt Ahlfors, Autor des Schauspiels "Die letzte Zigarre", dargeboten am Samstagabend vom Theater der Altmark im Kurhaus Bad Bevensen, so eigentlich gar nicht stellt - er beschreibt sie eher. Denn es gibt ohnehin nur die eine Antwort: Menschen haben Leidenschaften, Triebe, Wünsche - egal, wie alt sie sind. Was sich mit den Jahren ändert, oder besser gesagt außerordentlich reduziert, ist lediglich die Toleranz der Öffentlichkeit.
"Die letzte Zigarre" ist ein nachdenkliches, auch beängstigendes und gleichzeitig humorvolles Theaterstück über das Zusammenleben. Der schwedische Autor erzählt darin, wie Fürsorge zur Tyrannei werden kann und Pflichtbewusstsein zum Gefängnis; wie zwei, die sich einmal liebten, sich das Leben zur Hölle machen und doch nicht auseinander gehen mögen. Und er erzählt über die Liebe im Alter.
Die vier Protagonisten des Theaters der Altmark (Rainer Karsitz als Ragnar, Kathrin Becker als Anneli, Reinhard Riecke als Helge und Raphaela Crossey als seine Tochter Monika) haben Ahlfors' Stück eindrucksvolle Gesichter gegeben. Kein Charakter bleibt eingleisig, in jedem Tun ist das Für und Wider zu spüren.
Da ist Ragnar, der wegen seiner Krankheit nicht rauchen soll, von seinen geliebten Zigarren jedoch nicht lassen möchte. Der all den verpassten Gelegenheiten seiner Jugendzeit nach-trauert, aber - anstatt sie als Antrieb zur Veränderung zu nehmen - darüber in Frustration versinkt.
Und seine Frau Anneli, die mit schauerlichem Spürsinn alle mit List und Tücke versteckten Zigarren auffindet, ihren Mann als personifizierter Vorwurf malträtiert - und nicht zögert, ihre Leidenschaften auszuleben. Und schließlich Freund Helge, der Pfarrer, der zwar jede Menge pastoralen Sermon absondert, aber ansonsten recht menschlich ist. Dazwischen agiert Tochter Monika, die über der Beziehungskiste der Alten ganz eigene Erkenntnisse gewinnt.
Mit Lust und Können - das minimalistische Bühnenbild steigert die Wirkung des Geschehens noch - hat das Theater der Altmark auf Einladung des Kulturvereins Bevensen für ein eindrucksvolles Theatererlebnis gesorgt.

 

Die Spielfreude wird belohnt – Altmark Zeitung

19. Januar 2009

Zur Premiere am Theater der Altmark, Stendal, 17.01.2009


Die Spielfreude wird belohnt. Viel Beifall für Autor und Ensemble in der Premiere „Die letzte Zigarre“


Sichtlich bewegt nahm der Autor des Stücks "Die letzte Zigarre", Bengt Ahlford am Sonnabendabend im Kleinen Haus des TdA den herzlichen Dankesapplaus im Kreis des Darstellerensembles zum Schluss der Premiere seines Stückes entgegen.
Es war der Abend des Rainer Karsitz, es war der Abend eines spielfreudig aufeinander abgestimmten Ensembles mit Katharina Becker als Gattin des pensionierten Schuldirektors Ragnar, mit Reinhard Riecke als Freund und Pfarrer und dessen Tochter Monika, von Raphaela Crossey dargestellt. Die Regie führte Eberhard Köhler.
In Zeiten, wo recht häufig in der Theatersphäre Konflikte in den Stücken oberflächlich auf äußere Effekte abgestellt und ebenso oft unter der Gürtellinie ablaufenden Ereignissen basieren, wirkt Ahlfords Stück ausgewogen, erheiternd und zugleich auch nachdenkenswert und durchaus nicht immer leichtlebig im Wortsinn.
Ragnar - Karsitz lebt sein Pensionärsleben, überdurchschnittlich beobachtet und überwacht durch seine nörgelnde Frau. Sie tut das "nur aus Sorge um seine Gesundheit". Er darf weder rauchen - das tut er heimlich - oder Kognak trinken oder gar an Liebesstunden denken.
Seinem Freund gesteht er sogar mitunter wünschte er sich, seine Frau wäre tot - theoretisch nur, natürlich. Aber kann man mit über 60 noch ein neues Leben anfangen?
Hier weiß er noch nicht, dass eben dieser Freund, Pfarrer Helge, ihn seit sechs Jahren mit seiner Frau betrügt. Die Liebesszene zwischen Pfarrer und Geliebter wird lebensecht von zwei alternden aber liebenden Persönlichkeiten ohne jede Peinlichkeit gestaltet. So geht der Alltag im Stück dahin, er nörgelt, sie bewacht und betrügt ihn zugleich, der Freund geht in der Familie ein und aus. Bis - ja, bis Ragnar eines Tages mit triumphierend ausgestreckten Armen in der Tür steht und siegesfreudig verkündet: "Alles ist aus. In drei Wochen bin ich ein toter Mann. Jetzt will ich leben. Frau: Einen Kognak!" Hier haben Spielweise der Darsteller und Stückvorlage etwas von der Tiefe der Religionsphilosophie eines Kierkegaard: "Durch Furcht und Zittern zur Erlösung!" Was nun folgt, ist ein furioses Presto-Finale: Der Freund gesteht die Liebe zur Frau des Freundes. Der will beide erschießen, dann bloßstellen. Ereignisse überstürzen sich.
Die Zuschauer sind unmittelbar einbezogen in die Konflikte der Bühnenfiguren auf nunmehr schwankendem Untergrund. (Ein spielförderlicher Einfall von Dirk-Steffen Göpfert in dessen mitunter auch spielhinderlichem halb abstrakten halb realen Bühnenbild). Das Ganze löst sich komödiantisch auf.


Die Darsteller um Rainer Karsitz haben mit Spielwitz ihrem Kollegen einen würdigen Abschied vom aktiven Bühnenleben geschenkt.