Presse

Presse | Theaterverlag Hofmann-Paul

Presse - Bengt Ahlfors

Presse nach Stücken

Presse nach Autoren

Weitere Informationen

Autor

Presseartikel nach Stücke

Presse - Bengt Ahlfors

Der Liftverweigerer – www.meinbezirk.at

24. Oktober 2016

Klagenfurt am Wörthersee: Volxhaus |

Was ursprünglich als Szenische Lesung geplant war, entwickelte sich durch das Engagement des Schauspielers Herbert Murero zu einer charmanten One-Man-Darstellung mit einfühlsamer Klavierbegleitung durch die Pianistin Sabine Chantzaras.

von Christina Jonke

Das Leben ist kostbar, egal wie viel Zukunft man noch vor sich hat - soweit die Botschaft des Solotheaterstücks DER LIFTVERWEIGERER mit Herbert Murero.

Die kleine, feine Inszenierung der ARGE Bühne K versteht die im Stück so markant eingesetzten Treppen als Symbol für das Leben: es geht aufwärts und dann auch wieder hinunter. Mal schwerer, mal leichter - mal schneller, mal langsam. Ein Lift als einfache Lösung steht nicht immer zur Verfügung.
In dieses Umfeld stellt der finnlandschwedische Starautor Bengt Ahlfors seinen vereinsamt in der Wohnung im obersten Stock eines Hochhauses lebenden Protagonisten samt dessen Erinnerungen.
"Vereinsamung ist ein brandaktuelles Thema quer durch alle Generationen - die Liebe auch. Sie ist es, die sich auf den Treppen des Stiegenhauses in das Denken des einsamen Mannes schleicht und schließlich siegt", erklärt Regisseurin Christina Jonke die Stückwahl.
Das Stück macht Mut sich umzusehen und das eigene Leben selbstverantwortlich in die Hand zu nehmen. Auch wenn die Zukunft überschaubar scheint. Jeder Tag zählt!

Zahme Vögel fliegen nicht – Badische Zeitung

19. Januar 2015

Rundum gelungene Premiere von "Die letzte Zigarre" auf der Emmendinger Maja-Bühne.

 

Von Georg Voss

 

Emmendingen. Man wühlt nicht in anderer Leute Schränke. Dies trifft auch auf das Leben zu. Was gibt es dort zu entdecken? Viel Doppelbödiges, viele Geheimnisse, die der Lebenspartner dem anderen vorenthalten hat. Doch auf jeden Fall liegt etwas anderes hinter der Fassade verborgen. Vielleicht auch Träume, die nie gelebt wurden. Das Leben ist nicht so, wie es scheint oder wie man es den anderen vorspielt. Und plötzlich ergibt sich eine Chance, genau dann, wenn der Arzt einem nur noch drei Wochen zu leben gibt und man sein Gnadenbrot, das bisher verwehrt wurde, bekommt.

 

Genau dorthin in die Schränke, in das Leben schaut der finnisch-schwedische Dramatiker Bengt Ahlfors mit seinem Theaterstück "Die letzte Zigarre", die das Theater im Steinbruch nun auf der Maja-Bühne vor ausverkauftem Haus aufführte. Und die Premiere ist rundum gelungen. Ragnar, bravourös gespielt von Roland Seidl, ist pensionierter Schuldirektor und kommt nach Hause. Er legt seinen Feldstecher ab und schaut nochmal zum Fenster heraus, von wo er die Schule gut sehen kann. Es ist letzter Schultag.
 

"Welch wunderbares Gefühl von Freiheit", kommt ihm über die Lippen. Zudem beobachtet er gerne die fliegenden Vögel und möchte am liebsten hinterher. Doch sein Leben ist weniger von Freiheit geprägt. Er will zwar noch eine Zigarre rauchen. Aber dann kommt seine Frau Anneli – wunderbar gespielt von Simone Allweyer − nach Hause. Er drückt seine Zigarre aus, da er nicht rauchen darf, sei es, dass er krank ist, sei es, dass es seine Frau ihm verbietet. Mit Anneli ist er mehr als 35 Jahre mehr oder weniger unglücklich verheiratet. Sie streiten sich über belanglose Dinge, wegen eines Zahnstochers. Er versucht seine Dinge vor ihr zu verheimlichen und wünscht sich nichts Sehnlicheres als zu rauchen, zu trinken und einen Schweinebraten mit Kartoffeln aber ohne Gemüse.

 

Dahinter steckt die Sehnsucht nach Freiheit, der Wunsch, das Leben noch einmal von vorne zu beginnen. Er sinniert über sein Leben, muss an seine frühere Schulfreundin Regina denken und schwärmt von ihr. Das Leben hätte auch ganz anders verlaufen können. Er hätte Seemann werden können, die ganze Welt wäre ihm offengestanden. Sein jetziges Leben hat er so satt.

 

Doch Ragnar hat auch um sich eine Fassade aufgebaut, die aber nach und nach eingerissen wird. So kommt die Meldung des Arztes, dass er nur noch wenige Zeit zu leben hat, sehr entgegen. Die vermeintlichen Bücher im Regal entpuppen sich als Behältnisse für Zigarren und Cognac. Anneli riecht den Qualm, wühlt auch im Kleiderschrank und findet zudem einen Revolver und dann auch einen Karton mit Pornoheften. Aber nicht nur Ragnar führt ein Doppelleben. Auch Anneli. Sie wirkt zufrieden, regelt den Haushalt und hat dennoch ein Geheimnis. Nur dass Ragnar ihre Schränke nicht durchwühlt.

Dann kommt Ragnars bester Freund zu Besuch. "Born to be Wild" von Steppenwolf ertönt und Helge, unnachahmlich gespielt von Christian Fuhrmann, kommt in Motorradkluft vorbei. Ragnar bittet Helge um Hilfe. Er will, dass Helge für ihn Zigarren besorgt, weil er nicht mit dem Rauchen aufhören will. Und so langsam resümiert Ragnar sein Leben und gesteht Helge, der auch Priester ist, dass er oft phantasiert, dass Anneli tot ist. Die Phantasie sei angenehm. Doch Helge warnt ihn: "Phantasie kann gefährlich werden."

 

Helges Tochter Monika (Christina Menner) kommt ebenfalls zu Besuch und unterhält sich mit Anneli. Sie bringt ebenfalls ein Paket mit, da auch sie im Kleiderschrank gewühlt hat. Darin liegt eine rote Peitsche. Wer gräbt, wird immer fündig. Hinter der biederen Fassade lauern das wahre und wilde Leben, die Sehnsüchte, die Phantasien und Träume. Das macht auch den Reiz dieser Komödie aus, die mit diesem doppelbödigen Witz spielt und Lachen provoziert. Es ist nie zu spät, sein Leben in die Hand zu nehmen. Denn nur die zahmen Vögel verspüren Sehnsucht. Die wilden fliegen.

 

Die letzte Zigarre - nicht trinken, nicht rauchen – Therapie: Das Lifestylemagazin

27. Mai 2014

Wenn Beziehungen in die Jahre kommen, ist nicht immer alles eiteler Sonnenschein. So auch bei Ragnar und Anneli, die sich nicht mehr viel zu sagen haben. Joachim Meurer und Ingrid Wanske spielen das alternde Ehepaar im Düsseldorfer Theater an der Luegallee. Wie so oft im Leben ist auch in diese Beziehung nicht alles so, wie es auf den ersten Blick scheint. Das führt zu tragischen und komischen Momenten und ermöglicht den Gästen einen interessanten Theaterabend, der für Gesprächsstoff sorgt.

Rauchen – nur heimlich. Alkohol – wird versteckt. Ragnar fühlt sich von seiner Frau kontrolliert und bevormundet. Die will eigentlich nur das Beste für ihn und vergnügt sich doch heimlich mit seinem besten Freund. Der ist der Priester der Kleinstadt und zugleich sein Ansprechpartner für die wichtigen Fragen des Lebens. Als er von einer Untersuchung mit der Botschaft zurückkommt, dass er nur noch drei Wochen zu leben hat, setzt er damit einiges in Gang. Während seine Frau sich auf die neue Freiheit freut, will sein bester Freund nicht mehr mit der Heimlichkeit leben und ihm alles sagen. Und auch der Sterbenskranke genießt die neue Freiheit. Plötzlich darf er rauchen und trinken und bekommt sogar seinen geliebten Schweinebraten. Zudem erfährt er die Wahrheit über seine Frau und seinen besten Freund. Doch wie geht ein Sterbenskranker damit um, dem kein irdisches Gericht mehr zur Rechenschaft ziehen kann? Der Schulleiter im Ruhestand findet seinen ganz eigenen, ungewöhnlichen Weg, mit der Situation umzugehen. Und überrascht damit nicht nur seine Frau, sondern auch das Publikum, das zum Ende des Abends eine interessante Wendung erfährt. Die hat nicht nur damit zu tun, dass plötzlich eine geladene Pistole im Spiel ist.

 


Zum Seitenanfang