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Presse - Arlette Namiand

Immer wenn es Nacht wird – Norddeutsche Rundschau

06. Juni 2013

Eindringliches Spiel mit schweren Bäuchen

ITZEHOE "Ich habe Angst" - "Ich auch". Sie wiederholen es immer wieder, bestärken sich aber auch im Durchhalten, streiten sich und gleiten in Fantasiewelten ab. Drei schwangere 16-Jährige stehen im Mittelpunkt der Inszenierung "Immer wenn es Nacht wird", die der Jugendtheaterclub unter der Regie von Theaterpädagogin Britta Schramm auf die Studiobühne brachte.

Die jungen Frauen revoltieren, verdrängen, beschönigen und beschwören immer wieder eine heile Welt, die ihnen fern steht. Monika, Gil und Samia stellen sich auch in drastischer Sprache die Qualen der Geburt vor, die körperlichen Eingriffe, haben Angst vor Narben.

Was wäre, wenn sie das Kind doch nicht zur Adoption frei gäben? Wenn der flüchtige Kindsvater sich zum Traumprinzen wandelte und seine neue Familie ins traute Heim holte? Monikas Vision: "Ich mache Schluss mit dem Leben davor, will eine richtige Familie." Am Ende stehen sie ohne vorgeschnallten Bauch auf der Bühne, aber auch ohne Illusionen und mit neuem Mut, der sie aus dem Heim für junge Mütter weg führt.

Die Rollen der introvertierten Gil (Lea Karwoth), der romantischen Monika (Lena-Cathrin Hinichsen) sowie der schrill-fordernden Samia (Lena Lobitz) forderten ihren jungen Spielerinnen, die selbst nur wenig älter sind, viel Einfühlungsvermögen ab. Alle drei sind seit eineinhalb Jahren beim Jugendtheaterclub und haben sich dieses ambitionierte Stück mit Britta Schramm gemeinsam erobert. Es sei gar nicht so einfach gewesen, sich in jugendliche Schwangere hineinzuversetzen, meinten alle drei. Als sie den Stoff ausgesucht hatten, habe sie auch im Alltag plötzlich viele jüngere schwangere Mädchen wahrgenommen, berichtete Lea Karwoth. Das völlig andere Milieu reizte sie an dem Stück, der soziale Kontrast, die krasse Sprache und auch die Unmittelbarkeit der Auseinandersetzung. "Man läuft und sitzt ganz anders mit dem falschen Bauch, er ist schwer, obwohl er kein Gewicht hat", schilderte Lena-Cathrin Hinrichsen. Britta Schramm freute sich über den Erfolg - und auch über den Anspruch, den die drei selbst eingefordert hatten. gab

Zerfetzte Eidechsen, brennende Kreuze – Generalanzeiger Bonn

12. Dezember 2004

Ein französisches Kammer-Weltspiel wird in Bonn deutsch erstaufgeführt: Tintenaugen von Arlette Namiand

Von Eva Schäfers

Bonn. Du steckst nicht in meinem Kopf, um zu wissen, was da vor sich geht! sagt Nina. Gott sei Dank, ich würde vor Langeweile sterben, versetzt Mathilde ungerührt. Die verängstigte Nina (gespielt von Nina V.Vodopyanova) und die verbitterte Mathilde (Tatjana Pasztor) sind Schwestern, gefangen in einer symbiotischen Beziehung aus Hass und Abhängigkeit. Die Abhängigkeit von Mathilde drängt sich auf Anhieb stärker auf: sie ist blind und daher angewiesen auf ihre Schwester, die ihr erzählt, was sich „draußen“ abspielt. Ihr winziger Weltausschnitt ist der Schulhof vor dem Fenster. Es sind Bilder der Gewalt, um die Nina zwanghaft kreist: Kinder, die Rieseneidechsen zerfetzen, ein junges Mädchen, das in einem Kamikazeanschlag gegen eine Mauer fährt; kleine Jungen, die sich mit Planierraupen blutige Schlachten liefern. Ein Junge von draußen, von dem stämmigen Raphael Rubino etwas ungelenk in Szene gesetzt, erscheint tatsächlich und sorgt für überraschende Wendungen. Die zentrale Frage lautet nämlich: Ist es die Wahrheit, die Nina ihrer Schwester ausmalt?

Am Ende transponiert ein Video (Timo Amling) Ninas visionäres Kopftheater in die medial vermittelte Wirklichkeit – schnelle Schnitte zwischen brennenden Kreuzen und Leichenbergen: apokalyptische Bilder von Krieg und Zerstörung.

Armselig leere Gerippe sind wir, sagt Mathilde, unnütze Fleischfetzen, so wenig lebendig! In der Tat, Mathilde und Nina bleiben bis zum bösen Ende seltsam unwirkliche Wesen, und auch ihre behaupteten Gefühle um Schuld und Verrat bleiben in der Schwebe, weil die familiäre Geschichte nur angedeutet wird. Tintenaugen der Französin Arlette Namiand (das 1990 in Frankreich uraufgeführt wurde) spielt auf zwei verschiedenen Ebenen, wobei die real-psychologische von der symbolischen fast erdrückt wird. Dem Dialog, den die mutige Regie in Bonn mit quälenden Pausen durchsetzt hat, ist etwas Konstruiertes eigen, zu angestrengt bemüht um Transzendenz und Bedeutung. Der poetische Titel Tintenaugen trägt die Essenz dieses Kammer-Weltspiels: das Sehen und das vermittelte Sehen; die Wirklichkeit und die durch Sprache und Medien behauptete Wirklichkeit.

Der junge Regisseur Ingo Berk, dem das Bonner Schauspiel die Deutschsprachige Erstaufführung anvertraute, hat sich gleich dafür entschieden, die psychologische Dimension in den Hintergrund zu rücken und zielstrebig die symbolische Ebene anzuvisieren. Das gelingt ihm gut, und zwar auch mit Hilfe einer konsequent reduzierten Bühnenausstattung (Gesine Kuhn), die mit wenigen bildstarken Requisiten auskommt. Auf einem stählernen Stuhl vor dem schmalen Fensterschlitz, der einen Folterkeller oder eine gynäkologische Praxis assoziieren lässt, schnallen sich die Schwestern abwechselnd gegenseitig fest. Am Ende fällt Schnee – zumindest behauptet das Nina - und auf der Zimmerrückwand erscheint anthrazit-silberfarbenes Geflimmer: eine schöne surreale Verfremdung. Und eine intelligent eingesetzte Geräuschdramaturgie setzt behutsam Akzente im heruntergekühlten Spiel der beiden Darstellerinnen – dem man im Fall der verhärteten Mathilde etwas mehr Farbe und Nuancenreichtum gewünscht hätte. Auch die Rolle der Nina zeigt keine große Skala an Gefühlen, aber ihre irgendwie schlafwandlerische Unterwerfung hat etwas Bezwingendes in der Darstellung.

Die Regisseurin Andrea Breth hat kürzlich beklagt, dass neue Autoren mitsamt ihren neuen Stücken so schnell von der Theater-Spielfläche wieder verschwinden. Das habe auch mit den Medien selbst zu tun, die nur Ur- und Erstaufführungen ihre Aufmerksamkeit schenken wollen. Und auch wenn das Stück Tintenaugen zu deutlich um Bedeutung bemüht ist : Es wäre schade, wenn es nach der Uraufführung gleich wieder in Vergessenheit geraten würde.

Die behutsame Inszenierung konzentriert sich auf die symbolische Ebene des psychologischen Kammerspiels, das um Wirklichkeit und medial vermittelte Wirklichkeit kreist.

Tintenaugen vom Schauspiel Bonn in der Werkstatt, 12., 22., 29. Dezember 2004

Deutschsprachige Erstaufführung am Mainfranken Theater Würzburg

23. September 2000
"Immer wenn es Nacht wird" von Arlette Namiand
aus dem Französischen von Anne-Marie Chatelier und Ulrike Hofmann

Zur Deutschsprachigen Erstaufführung am Mainfranken Theater Würzburg, 23.09.2000

„MP-VB-SW Tageblatt“, 26.09.2000

„Interesse an extremen Situationen: Die französische Autorin Arlette Naminad zu Gast am Würzburger Theater. Freude und Erleichterung sind ihr ins Gesicht geschrieben. „Ich bin sehr glücklich“, sagt Arlette Namiand unmittelbar im Anschluss an die deutschsprachige Erstaufführung ihres Stückes „Immer wenn es Nacht wird“ am Mainfranken Theater. Und das sei keinesfalls als Höflichkeitsfloskel gegenüber dem Theater gemeint, als dessen Gast sie die Premiere besuchte.
Vor allem das „sehr körperliche Spiel der Darstellerinnen“ und die „intelligente Art über die soziale Realität der Figuren hinaus zu denken“ haben ihr sehr gut gefallen. (...). „Menschen in extremen Situationen und ihre Reaktionen darauf. Menschen, die der Realität nicht ins Gesicht blicken können und in Träumen oder Gewalt einen Ausweg suchen“, sagt Namiand, sind das Thema fast aller ihrer Stücke. Für die sich zunehmend auch das internationale Theater zu interessieren beginnt: so werden Stücke von ihr zur Zeit in Argentinien und Italien gespielt; daneben folgt in Kürze eine weitere Inszenierung von „Immer wenn es Nacht wird“ in Wels/Österreich. Und neben der Arbeit als Dozentin für dramatisches Schreiben an verschiedenen Hochschulen bleibt weiterhin Muße für neue Projekte: Zur Zeit arbeitet sie an einem Stück über den Leidensweg eines Mädchens in sieben Stationen, der nach einer Odyssee durch Europa in Berlin enden wird.““
„Die Sehnsucht nach dem kleinen Glück: Drei junge Frauen, drei Charaktere. Und irgendwie werden sie erwachsen. Einzig ein altes Sofa sorgt für etwas Wärme im Wartesaal, nach hinten öffnet eine die ganze Bühnenbreite einnehmende Glasfront den Blick in den Garten: Enge und Transparenz, Eingeschlossenheit und eine ungewisse Zukunft signalisiert das Bühnenbild von Marion Eiselé. Es greift das zentrale Motiv von Arlette Namiands „Immer wenn es Nacht wird“ auf, das in den Kammerspielen des Würzburger Mainfranken Theaters in deutschsprachiger Erstaufführung gezeigt wurde.
Drei Mädchen – Samia, Monika, Gil – stehen an einem Wendepunkt ihres Lebens. Ihre unbeschwerte Jugend geht zu Ende, ungeplant schwanger stehen sie an der Schwelle zur Erwachsenenwelt. Sie sind Gefangene ihres Körpers, „anderer Umstände“, aus denen es kein Entkommen gibt. Sie müssen Abschied nehmen von Jugendträumen, Verantwortung übernehmen für eine ungewisse Zukunft und wissen nicht, wie das geht. Angst und Aggresivität beherrschen das Halbdunkel der Zwischenwelt, in der sie sich notgedrungen eingerichtet haben und auf die Niederkunft warten. Jede der drei reagiert anders auf diese Situation. Die schrille, extrovertierte Samia überspielt ihre Angst mit vitaler Lebensenergie und extremer Emotionalität.(...).Ganz nach Innen gekehrt ist die romantische Monika (...). Aller Erfahrung und Logik zum Trotz hängt sie weiter ihren Träumen nach, hofft auf die Rückkehr ihres Freundes. Sie spinnt sich mit den beiden anderen märchenhafte Geschichten von der Sehnsucht nach dem kleinen Glück.(...). Ohnmachtsanfälle sind die Antworten der zarten Gil auf die Zumutungen der Situation – ihre kleinen Fluchten vor sich selbst.(...).
Ein flirrendes Schweben kennzeichnet insgesamt die Inszenierung von Simone Sterr. Durch akustische und dramaturgische Breaks hebt sie die realistische Darstellung ins Allgemeingültig-Existenzielle. Immer wieder wird die Spielsituation durch erzählende, erläuternde, kommentierende Passagen unterbrochen, der konkrete Erzählstrang in Momente poetischer Dichte zertrümmert. Ohne eine lineare Entwicklung durchzumachen stehen die drei Mädchen am Ende als Frauen da, die sich verändert haben. Beiläufig, unauffällig, jede ganz individuell für sich. Und doch- auch wenn es jetzt kitschig klingen mag - Mut machend für alle, die in ähnlichen Situationen stecken. Anhaltender Applaus.“



„MP-VB-SW Tageblatt“, 23.09.2000„

Drei Mädchen an der Schwelle: In „Immer wenn es Nacht wird“, zeigt Namiand drei junge Frauen auf der Schwelle zum Erwachsenwerden.(...). Auf ganz unterschiedliche Weise bewältigt jede der drei diese Aufgabe. Dabei durchleben sie schnell wechselnde Zustände und Emotionen, pendelnd zwischen extremster Einsamkeit und der unbändigen Sehnsucht nach einem einfachen Leben. Raum und Zeit, ein Aufenthaltsraum am späten Sonntagnachmittag (...), nehmen diesen zwiespältigen Zwischenzustand auf. Wie auch Namiands kunstvolle Sprache , die in Frankreich mit dem Begriff „Lyrischer Realismus“ beschrieben wird, diesen flirrenden Schwebezustand zwischen realistischer Darstellung und poetischen Situationen spiegelt.
Regisseurin Simone Sterr verspricht ein Stück voll „französischem Feeling“ und den Verzicht auf jeglichen Sozialkitsch. „Die Emotionen der Mädchen zu zeigen, ohne ins Kitschige abzudriften“, beschreibt sie das Ziel ihrer Inszenierung. „Immer wenn es Nacht wird“ sei kein „explizites Jugendstück“, sondern interessant für alle Menschen ab 16 Jahren und deshalb bis auf wenige Ausnahmen auch im Abendprogramm angesiedelt.“



Main-Echo, 26.09.2000

„Suche nach ein bisschen Geborgenheit: Deutschsprachige Erstaufführung von „Immer wenn es Nacht wird“. Ungewollt schwanger – für drei junge Minderjährige aus problematischen Familien ist dies ein erzwungener Anlass, über sich selbst und die Zukunft nachzudenken. Dies schildert die französische Autorin Arlette Namiand in ihrem Stück „Immer wenn es Nacht wird“. Es hatte nun als deutschsprachige Erstaufführung erfolgreiche Premiere in den Kammerspielen des Mainfranken Theaters Würzburg. Simone Sterr inszenierte die Mischung aus Kurz-Szenen und Berichten, aus Dialogen und Monologen, aus Umgangssprache und lyrischen Fragmenten.(...).
Die Inszenierung zeichnet mit bildnerischen Verweisen auf der Bühne (...) diese Grundtendenz des Stücks nach: Da gibt es schwarze Stützen, halbrund angeordnet, die den Raum – in einem Heim für minderjährige Mütter – nach hinten begrenzen. Diese Stützen werden auch glühend neonfarben; dahinter tut sich eine dunkle Zone auf, in der Bäume stehen, Kies knirscht – der Raum ist also eine Art warmes Gefängnis gegen das „Draußen“. Einziger Einrichtungsgegenstand ist ein Sofa, das mal als Liege, Kuschelecke oder Versteck genutzt werden kann.
In dieser Umgebung erwarten die drei jungen Mädchen ungeduldig die Geburt, dass sie „es“ loswerden können, dass sie wieder frei sind, dass vielleicht der Freund zurückkehrt, wenn das Baby da ist, dass irgendwelche vagen Träume wahr werden. (...).
Was aus ihnen wird? Alle haben ihre Illusionen nicht aufgegeben, wollen wieder bei null anfangen, suchen im Grunde ein bisschen Liebe und Geborgenheit.“



„Julius“, 05.10.2000

„Doppeltes Spiel mit den Folgen der Liebe: Unterschiedlicher hätten die Stücke zum Beginn der neuen Saison am Würzburger Mainfranken-Theater nicht sein können: „Romeo und Julia“, eines der populärsten Stücke von Shakespeare im Großen Haus und „Immer wenn es Nacht wird“ von Arlette Namiand als deutschsprachige Erstaufführung in den frisch renovierten Kammerspielen. Und so unterschiedlich die Stücke, so unterschiedlich fällt das Urteil über die zwei Theaterabende aus.(...). Ganz anders dagegen die Inszenierung von Simone Sterr, die in den Kammerspielen „Immer wenn es Nacht wird“ von Arlette Namiand (...) inszenierte. Das beginnt schon mit dem Bühnenbild. Dem monoton Einfallslosen der Shakespeare-Inszenierung steht hier ein Bühnenbild (...) gegenüber, das das zentrale Motiv gleich augenfällig macht: Einzig ein altes Sofa sorgt für etwas Wärme im Wartesaal, nach hinten öffnet eine die ganze Bühnenbreite einnehmende Glasfront den Blick in den Garten: Enge und Transparenz, Eingeschlossenheit und eine ungewisse Zukunft signalisiert die Lebenssituation der drei Figuren im Stück der französischen Autorin.“



Nordbayrischer Kurier, 26.09.2000

„In der Inszenierung von Simone Sterr sahen die Zuschauer eine konzentrierte Verhaltensstudie mit heftigen emotionalen Ausbrüchen und stillen Passagen.“


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