von Regine Bruckmann

Kann man das machen: einen Zombie-Chor auftreten lassen, dessen Mitglieder von „Starkstromkabeln“ und „Katalyt-Brennern“ reden, weil sie mal Arbeiter waren?

Regisseur Jörg Steinberg kann. Die Senioren, die hier als Untote auftreten, schlurfen graugesichtig über die Bühne in der stillgelegten Industriehalle und irgendwie kauft man ihnen in der zwischen Arbeiterromantik und Gruseleffekten changierenden Darstellung ab, tatsächlich die Geister des ehemaligen Industriestandortes Oberschöneweide zu sein. Aber es gibt auch die Jungen, die Lebenden – Jenny, Finn und Thamara, die von einer eigenen Zukunft träumen, als Friseurin, von einer Tanzkarriere oder davon, die ganze Misere auffliegen zu lassen und alles wegzusprengen.

Aus einer langen Recherchephase, in der Jugendliche ihren Stadtteil erforscht und Interviews mit ehemaligen Arbeitern und Arbeiterinnen gemacht haben, ist weder DDR-Nostalgie noch Nach-Wendetristesse entstanden, sondern ein kraftvolles Stück Berliner Stadtteilgeschichte.

Der bewährte Autor Jörg Menke-Peitzmeyer hat sich entschieden, in der Fiktion die Dokumentation unterzubringen und nicht umgekehrt. Er leistet sich einen literarisch überhöhten Ton und gleichzeitig einen berlinisch anmutenden Mutterwitz. Das Jugendtheater Strahl traut sich was – gut so.