Presse

Presse | Theaterverlag Hofmann-Paul

Presse - Mandy – Im Tal der Ahnungslosen von Jörg Menke-Peitzmeyer

Presse nach Stücken

Presse nach Autoren

Weitere Informationen

Mandy – Im Tal der Ahnungslosen
Mandy – Im Tal der Ahnungslosen
Herzlich willkommen „Mandy im Tal der Ahnungslosen“! Mit schwarzbemalten Katzenaugen, knallrotem Lippenstift, Lederjacke und Punk-Kassette im Gepäck kommt Mandy 1989 aus Ostberlin in ein schwäbisches Kaff.

Leseexemplar jetzt bestellen

Für Bestellung vormerken

Kategorien

Jugendstücke / Jugendtheater
Politik/Geschichte

Weitere Informationen

Altersempfehlung : 14+

Autor

Alle Presseartikel

Presseartikel nach Stücke

Presse - Mandy – Im Tal der Ahnungslosen von Jörg Menke-Peitzmeyer

Wir sprechen kein Russisch – Stuttgarter Zeitung

24. März 2009

 Ossis und Wessis: „Mandy“ im Jungen Ensemble Stuttgart uraufgeführt.

Von Adrienne Braun

A1s die „Tagesschau“ verkündet, die Bürger der DDR dürften ausreisen, sind bei Zappa und seinen Gästen Promille angesagt. „Die wollen alle rüber", stöhnen sie, „ist doch alles eine Soße." Keinen Tag später steht in der schwäbischen Dorfkneipe der erste „Zoni“: Mandy ist jung, hübsch, hat Spreewaldgurken im Gepäck und sagt Sprüche wie „Der Klassenfeind schläft nicht". Im jungen Ensemble Stuttgart ist nun eine hochexplosive Begegnung zwischen Wessis und Ossi zu sehen. Jörg Menke-Peitzmeyer hat für das Theater das Stück „Mandy - Im Tal der Ahnungslosen" geschrieben und dabei sämtliche Klischees bedient, die Wessis von der DDR hatten Schlimmer noch: Er beleuchtet grell die Überheblichkeit, mit der Westler ihren neuen Mitbürgern begegneten. Nach dem Motto: „Hier wird kein Russisch gesprochen." Die Uraufführung von Frank Hörner taucht nun in die tiefsten achtziger Jahre ein: Sonja mag Lila, schaut Dallas und macht Aerobic, Zappa hat eine Kneipe; trägt Cowboystiefel und alberne Hawaiihemden. Stefan backt Brötchen - und ansonsten herrscht gepflegte Langeweile im „Tal der Ahnungslosen", der schwäbischen Provinz. Menke-Peitzmeyer, der Autor, hat eine kühne Geschichte konstruiert, damit sich im Privaten die großen gesellschaftlichen Ereignisse spiegeln: Stefans Familie ist aus dem Osten geflohen. Nur die kleine Schwester hat es nicht mehr über die Grenze geschafft - und jetzt, Jahre später, steht genau diese Mandy am Bahnhof und bringt die bittere Wahrheit zutage: Auch Stefan ist eigentlich ein Ossi. „Aber deshalb lügt man sich doch nicht sein ganzes Leben kaputt", sagt Mandy fassungslos, „was ist so schlimm an uns?"

„Mandy - Im Tal der Ahnungslosen" ist wie eine Unterrichtsstunde in deutsch-deutscher Geschichte. Bei allem Unterhaltungswert ist dem Stück anzumerken, dass es der jungen Generation die Vergangenheit transparent machen will. Der Autor nutzt die Vorurteile für scharfzüngige Pointen. Sonja arbeitet nicht. „Wie", fragt Mandy erstaunt, „bei uns haben alle Frauen einen Beruf." Worauf Sonja das sagt, was viele Westdeutsche über die Arbeitsmoral in der DDR hätten sagen können: „Rumsitzen kann ich auch zu Hause, dazu brauch ich keinen Job."

Hier prallen zwei Lebenswelten aufeinander, wobei keine verherrlicht wird. Stasiverhöre, scharfe Grenzkontrollen und Reiseverbot werden erwähnt, aber Mandy hat trotzdem ein Leben mit Familie und Freunden, das ihr lebenswert erscheint: „Das geb ich doch nicht auf, nur weil bei euch die Nuss-Nougat­Creme besser schmeckt." Es geht heftig zu in der Inszenierung von Frank Hörner, die zugleich ein Lehrstück sein will über Jungs, die nicht wissen, wohin mit ihren Gefühlen. Statt nachzudenken, zertrümmern sie das Mobiliar, statt zuzuhören, besaufen sie sich oder rennen weg. Im Jes fliegen Stühle und klatschen Ohrfeigen. Zappa (Frank Wickermann) ist so besoffen, dass er halb nackt über die Bühne rollt; Ralf (Alexander Redwitz) ist so verzweifelt, dass er auf dem Friedhof randaliert. Vielleicht hätte er es in der DDR sogar besser gehabt, meint Ralf schließlich. Da konnte man dem Sozialismus die Schuld geben: „Hier bin ich selber schuld."

Ostwind fegt Klischees vom Tisch – Esslinger Zeitung

24. März 2009

20 Jahre Mauerfall: „Mandy im Tal der Ahnungslosen“ feiert Premiere am Jungen Ensemble Stuttgart.

Von Isabel Bleyhl

Stuttgart - Mit schwarzbemalten Katzenaugen, knallrotem Lippenstift, Lederjacke und provokanter Untergrund-Mukke im Gepäck kommt Mandy 1988 aus Ostberlin in ein schwäbisches Kaff, um ihre Familie zu besuchen - und wird erst mal von einem Kulturschock getroffen: „Karl der Käfer“ dröhnt aus der Jukebox in der Dorfkneipe, und bei Ostwind gibt‘s keinen Fernseh-Empfang: herzlich willkommen „Mandy im Tal der Ahnungslosen“!

Die Schenke von Kneipier Zappa ist Hauptschauplatz der gleichnamigen Komödie von Jörg Menke-Peitzmeyer, die jetzt am Jungen Ensemble Stuttgart (JES) in einer Inszenierung von Frank Hörner Premiere hatte. Hier wird gestritten, geprügelt und mit Stühlen geschmissen. Bei so viel Lärm dringen Prager Revolution, Montagsdemos und das Bröckeln der Mauer kaum zu den Dorfbewohnern durch. Bäcker Stefan, seine Frau Sonja und Stefans kleiner Bruder Ralf stinken sich gegenseitig in Langeweile an, bis die vermeintlich verlorene Schwester aus dem Osten auftaucht und das Leben der vier auf den Kopf stellt.

Menke-Peitzmeyer, der bereits Erfolge unter anderem mit „Steht auf, wenn ihr Schalker seid“ feierte, versucht in seinem neuen Stück zu zeigen, wie Menschen im Westen die Zeit um den Mauerfall erlebten. Mit teils plakativem Humor, teils versteckter Ironie räumt der Autor mit gängigen Ost-West-Klischees von bananenhungrigen Provinzpunks bis zu freiheitsliebenden Großstadthippies auf. Den schmalen Grat zur Ostalgie überschreitet der Westfale dabei nie und macht gleichzeitig einen breiten Bogen um stereotypisierenden Ost-Ulk à la „Sonnenallee“.

Mit rockigen 80er-Hits der Dire Straits, Pixies und von ZZ Top lockert Regisseur Frank Hörner die Tristesse provinzieller Lethargie auf und wird dabei von Frank Wickermann mit einer überzeugenden Interpretation des in die Jahre gekommenen Kneipenwirts Zappa unterstützt. Grotesk-leidenschaftlich gibt Wickermann mit einer Version von Barry Manilows „Mandy“ den Verführer mit Reibeisencharme, mimt herrlich-debil den Betrunkenen und zieht als Zappa verquere Schlüsse aus Tunnelblick-Beobachtungen. Alles vor den Kulissen seiner Kneipe, die mit präriebedruckter Landschaftstapete einen Hauch von Wildem Westen verbreitet (Ausstattung: Sandra Linde, Christine Bentele, Michaela Bosch). Mit seiner gelungenen Verkörperung des Hallodris rettet er über einige Längen beim schauspielerisch weniger nuancierten Schlagabtausch seiner Kollegen hinweg.

Regisseur Hörner lässt seine Darsteller brüllen, rennen und prügeln bis zum Abwinken, wodurch so mancher ausgeklügelte Kommentar den Zuschauer nicht mehr erreicht. Alles in allem gelingt ihm aber eine Inszenierung mit viel Witz und Überraschungen und eine interessante Annäherung an eine Fragestellung, die nicht annähernd so intensiv untersucht worden ist wie das Leben auf der anderen Seite der Grenze.

Kein Empfang bei Ostwind – Stuttgarter Nachrichten

23. März 2009

Jörg Menke-Peitzmeyers „Mandy“ im Jungen Ensemble Stuttgart uraufgeführt.

Von Armin Friedl

Ja, so war es mal: Die Ossis sind scharf auf Bananen, Westgeld und Nutella: Mandy, eine Göre aus Ostberlin, ist so eine. Im Herbst 1989 kommt sie ins Tal der Ahnungslosen. Damit ist aber nicht Dresden und Umgebung gemeint, die einzige Gegend, in der zu DDR-Zeiten kein Westfernsehen empfangen werden konnte, sondern ein Dorf im Schwäbischen. Auch dort ist nicht immer Fernsehempfang möglich, vor allem dann, wenn der Wind aus dem Osten weht.

„Mandy - Im Tal der Ahnungslosen“ ist die - erste Auftragsproduktion des Jungen Ensembles Stuttgart. Jörg Menke-Peitzmeyer hat eine schrille und witzige Revue darüber geschrieben, was vor 20 Jahren Deutschland bewegt hat. Das Stück ist aber mehr als eine historische Aufarbeitung dieser Zeitphase. Es beschreibt Liebeswirren, es deckt eine Lebenslüge auf, und es entlarvt den Provinzialismus in den bundesrepublikanischen Reihen. Bei der Uraufführung am Freitag gab Regisseur Frank Hörner tragischen Momenten ebenso viel Raum wie temporeichem Spiel mit viel Musik: Man erlebt Kraftvolle Kampfeinlagen zu „Kung Fu Fighting“ von Carl Douglas, wilde Szenarien zu „La Grange“ von ZZ Top. Das Bühnenbild von Sandra Linde erfüllt so ziemlich jedes Klischee einer heruntergekommenen Dorfkneipe. Der Wirt Zappa (Frank Wickermann) ist sein bester Kunde. Nicht nur hier verzichtet Hörner auf Schönzeichnen, eher setzt er auf Kreativität: Der torkelnde Besoffene mit dem Kübel in der Hand wird für ein Liebespaar Regen- und Gewittermacher, seine hilflosen Bemühungen, sich eine Zigarette anzuzünden, deuten

die zwei als Sternschnuppe: Auf dieser multifunktionalen Bühne zeigen sieh die Schauspieler äußerst spielfreudig: Prisca Maier gibt die vernachlässigte Ehefrau Sonja, Gerd Ritter als Ehemann Stefan bemüht sich mit viel Nervenkraft um Normalität. Alexander Redwitz zeigt als jüngerer Bruder Ralf, dass sich ein Jugendlicher in solch einem Umfeld nicht entwickeln kann. Bühne frei also für Mandy (Sarah Kempin), die mit Charme und Frechheit die Verhältnisse zurechtrückt. Dabei operiert auch sie mit einer Lüge, deren Konsequenzen seien hier nicht verraten -hingehen überraschen lassen von dieser schwungvollen Inszenierung.

 


Zum Seitenanfang