Neuigkeiten | Theaterverlag Hofmann-Paul

Presse

Presse

Presse nach Stücken

Presse nach Autoren

Aktuelle Presse

Robins Glück im Unglück – über die (lösbaren) Probleme von Scheidungskindern – www.saalereporter.de

Zum Stück: Robins Glück im Unglück
12. Dezember 2017

von Gisela Tanner

Seit dem 9. November 2017 steht im Schaufenster des Neuen Theaters Halle ein Stück auf dem Spielplan, das Kinder berührt und auch Erwachsene nicht kalt lässt, „Robins Glück im Unglück“. Die finnische Autorin Tove Appelgren, bekannt durch ihre Kinderbücher,  hat sich die Geschichte um Robin ausgedacht. Der wächst fast rundum zufrieden im Schoße seiner Familie auf, Vater, Mutter und eine Schwester. Plötzlich wird er mit der Scheidung seiner Eltern konfrontiert, und er steht bekanntermaßen damit nicht alleine da, im Jahr 2015 z. B. wurden laut statistischem Landesamt 40,82 % aller Ehen geschieden und oft sind Kinder dabei die Betroffenen.
Am halleschen Theater  wird das Stück nun in deutscher Erstaufführung unter der Regie von  Remo Philipp gezeigt. Für Bühne und Kostüme zeichnet Markus Neeser verantwortlich und Katharina Brankatschk ist die Dramaturgin. Max Radestock ist auf der Bühne gleich in mehreren Rollen zu erleben, er verkörpert nicht nur den Robin mit seinen Sorgen und Nöten, sondern schlüpft gleich in mehrere Rollen, z.B. in die vom Vater, von der Mutter und der Schwester, und das macht er sehr überzeugend. So holt er sich das junge Publikum schnell auf seine Seite.
Eigentlich verlief sein Leben glücklich und ohne große Enttäuschungen, nur einmal, mit fünf Jahren, als sein Hamster starb, war er richtig unglücklich. Doch Robin glaubte, er könne weitere unglückliche Ereignisse mit bestimmten Ritualen – z.B. beim Überqueren der Ampelkreuzung  – verhindern. Wenn auch seine Freunde etwas verwundert auf sei Verhalten reagierten, behielt er es auch noch als Heranwachsender aufrecht. Umso härter traf es ihn, dass seine Eltern sich scheiden lassen wollten. Hat er seine Rituale nicht achtsam genug ausgeführt oder war etwa die Schwester schuld? Er fühlte sich auf jeden Fall für die Trennung verantwortlich und wurde sehr introvertiert und nachdenklich. Zum Vater, der inzwischen ausgezogen war, wollte er überhaupt keinen Kontakt mehr haben, auch wenn die Mutter sich um ein friedliches Nebeneinander bemühte. Es brauchte seine Zeit, bis Robin mit der neuen Situation zurechtkam und wieder die Nähe seines Vaters suchte.
Sehr einfühlsam, aber auch mit einer Prise Humor, erzählt Autorin Tove Appelgren die Geschichte um den jungen Robin mit all seinen Problemen. Schauspieler Max Radestock findet im intimen Rahmen des „Schaufensters“ schnell den Draht zu seinem jungen Publikum und beindruckt mit seinem wandlungsfähigen Spiel. Ein Stück, das sich nicht nur Kinder und Eltern anschauen sollten, die gerade eine Trennung hinter sich haben.

 

Turbulent und bissig: Publikum feiert "Festausschuss" in Eggenfelden – Rottaler Anzeiger

Zum Stück: Festausschuss
11. Dezember 2017

von Doris Kessler

Vier Mitarbeiter, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, und ein gemeinsames Projekt: die Organisation der Firmenweihnachtsfeier. "Festausschuss", turbulent und bissig inszeniert von Johanna Ullmann, spart nicht mit Klischees und Peinlichkeiten rund um das Fest der Feste. Das Premierenpublikum am Theater an der Rott hat die schwarze Weihnachtskomödie am Samstag mit großem Applaus gefeiert.

Am Ende eint die Kollegen der Kampf gegen den Kommerz: Mit vereinten Kräften wird dem überdimensionalen Santa Claus, der sich wie aus dem Nichts aufgeblasen hat, Paroli geboten. Unterm Christbaumkugelhagel bricht er zusammen. Luft raus, Spiel zu Ende. Und Weihnachten?

Weihnachten – das ist für die vier Mitarbeiter die letzte Chance vor der Kündigung. Im Keller sollen sie vier Adventssonntage lang Ideen entwickeln. Die Klappleiter wird zum Christbaum, der Tapeziertisch zur Krippe. Im kühlen Licht der Neonröhren offenbaren sich Schicksale, und als man glaubt, Weihnachten sei nicht mehr zu retten, da erwacht bei Herrn Engel, Frau Precht, Herrn Klaus und Frau Fichte doch noch der Teamgeist. Aus dem Betonbunker (Ausstattung: Gerrit von Mettingen) wird in Sekundenschnelle ein weihnachtlicher Wald, und alle Eitelkeit ist vergessen, als man sich als Schafherde andächtig blökend um die Krippe schart. Schließlich geht es ja doch um die Geburt Christi. Als der aufblasbare Santa geschlagen ist, packen die vier ihre Sachen und gehen nach Hause. Weihnachten feiern.

Text und Musik durchdrangen sich gegenseitig – Augsburger Allgemeine

Zum Stück: Klavierkind
06. Dezember 2017

Wie Sebastian Seidel und Sophia Weidemann die Vision einer absoluten Ausdrucksmöglichkeit vorführten

Von Dr. Heinrich Lindenmayr

Eine Autorenlesung mit Musik, daran ist zunächst nichts Besonderes.
Zum Ausklang des „Literaturherbst Krumbach 2017“ kam „Klavierkind“ zur Aufführung, der Theater-Monolog einer Mutter, mit ihrer Tochter am Piano, uraufgeführt beim 61. Deutschen Mozartfest 2012 in Augsburg. In Krumbach stand nun nicht eine Schauspielerin als Mutter auf der Bühne, es las der Autor selbst, Sebastian Seidel. Das war die erste Besonderheit. Die zweite Besonderheit liegt daran, dass Musik bei diesem Theater nicht als Beiwerk, als Stimmungsmacher oder zur Beflügelung der Fantasie des Publikums dient. Die Musik ist Gegenstand des Stückes selbst und darüber hinaus gleichsam seine Seele. Ohne die Musik würde der Besucher den Gehalt des Dramas aufnehmen und das Leiden der Person mitempfinden. Die eigentliche Dimension des Stückes aber bliebe verschlossen.

Sebastian Seidel hat in „Klavierkind“ ein Thema aufgegriffen, das zu den Klassikern der Literatur zählt, nämlich das Problem der künstlerischen Identität. Er greift nicht zu der von Thomas Mann bevorzugten Variante, die es beklagt, dass der Künstler sich von Normalität und Bürgerlichkeit ausschließen muss.
Er wirft in „Klavierkind“ vielmehr die Frage auf, was passiert, wenn der Künstler auf der Suche nach der absoluten Ausdrucksmöglichkeit scheitert. Die Mutter und die Tochter der Hauptfigur sind große Künstlerinnen. Sie selbst hatte zu wenig Talent. Ihr selbst bleibt nur, sich als notwendiges Bindeglied zwischen den beiden zu definieren. Aber die gedanklich erzwungene Zugehörigkeit zum Olymp erweist sich realiter als nicht tragfähig.
Die Pianistin bekommt demgemäß die Aufgabe zu demonstrieren, was die Rede von absoluten Ausdrucksmöglichkeiten bedeuten könnte. Bei der einleitenden Prokofjew-Etüde soll die von ihr erzeugte Musik temporeich, dynamisch, perfekt sein und „jeden Winkel und jede Ritze des Raumes“ erobern, wie es in der Regieanweisung heißt.
Bei Brahms’ „Intermezzo Opus 119“, dem letzten Werk des Komponisten vor seinem Tod, muss die Ruhe, Weite, Weihe und Klarheit vor dem Sterben aufscheinen. Bei Bachs „Goldberg-Variationen“ sind die wunderschönen Melodien aus einem rhythmisch und harmonisch vertrackten Unterfutter heraus zu profilieren.
Auch dieser Musik eignet das gewisse Etwas, eine gleichsam überirdische Gelassenheit, weswegen sie gerne auch zu Therapiezwecken genutzt wird. Sophia Weidemann am Piano gelang es, das Tor zu einer Klangsphäre aufzustoßen, die „reinste Erfüllung“ verspricht und dem Gefühl Bahn bricht, „dass alles einem höheren Ganzen unterliegt“, wie es im Text heißt. Text und Musik durchdrangen sich an diesem Abend vollständig. Ein würdiger, großer Abschluss des „Literaturherbst Krumbach“.

 


Zum Seitenanfang