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Premiere im WTT: "Die weiße Rose - lebt" – Remscheider General-Anzeiger

Zum Stück: Die Weiße Rose - lebt
24. Februar 2018

von Sabine Naber   

Auch 75 Jahre nach der Hinrichtung der Geschwister Sophie und Hans Scholl, die beiden jungen Widerstandskämpfern gegen das Nazi-Regime, passt ihre Geschichte in die Gegenwart. 

Eine beeindruckende Premiere erlebten die Gäste im gut gefüllten Theatersaal des Westdeutschen Tourneetheaters an der Bismarckstraße am Freitagabend. Günther Bredens knapp einstündiges Klassenzimmerstück „Die Weiße Rose – lebt“, unter der Regie von Björn Lenz, wurde gespielt und von den beiden Absolventen der Schauspielschule Margaux Tiltmann und Matthias Knaab. Ihnen gelang es durch ihr authentisches Spiel, den Spannungsbogen bis zuletzt hoch zu halten. „Hoffentlich ist das hier bald vorbei. Ich bin im Abi und muss lernen“, erklärt Matti und wartet gelangweilt auf seine Klassenkameradin Sophie.

Sie hat ein Stück über Sophie und Hans Scholl geschrieben. Genauer gesagt über die letzten Minuten der beiden Protagonisten der Widerstandsgruppe „Die Weiße Rose“ in ihrer Todeszelle.  Ausschlaggebend dafür war der Rechtsdruck an ihrer Schule, den sie bei der Umbenennung in „Geschwister-Scholl-Schule“ gespürt hatte. Man solle sie doch besser „Deutschland-Schule“ nennen und die Geschwister Scholl seien doch kriminell gewesen, hatte es aus dem Kreis der Mitschüler geheißen. In Rückblenden wird die Geschichte der Geschwister, die am  22. Februar 1943 hingerichtet worden waren, erzählt.  

Ein Bühnenbild oder Requisiten waren dafür nicht nötig. Nur eine Tafel, auf die Hans Scholl mit Kreide das Goethe-Zitat „Allen Gewalten zum Trutz sich erhalten“ schreibt. Und während Sophie immer wieder Parallelen zur Gegenwart sieht, geht das alles Matti nicht sonderlich nahe. Denn eigentlich macht er bei diesem Stück nur mit, um „der süßen Sophie“ nahe zu sein, nachdem ihm seine Freundin aus Eifersucht „eine geschallert“ hatte. Und überhaupt:  "Diesen alten Rotz will doch keiner hören.“

„Es ist so ein herrlich sonniger Tag. Und wir sollen sterben“, sagt Sophie und fängt an zu singen „Die Gedanken sind frei“. Man hätte minutenlang eine Stecknadel fallen hören können, nachdem sie entschlossen verkündet: „Es fallen so viele für das System. Es wird Zeit, dass mal jemand dagegen fällt.“ Nach den einzelnen Szenen kehren Sophie und Matti wieder in die Gegenwart und gedanklich auch zu ihrem Geschichtslehrer, in dessen Aktentasche Sophie rechtslastige Zeitungen entdeckt hat, zurück.

„Wir müssen ihn anzeigen“, schlägt sie vor. „Bist du verrückt“, schreit Matti sie an. Wenn du das tust, hast du alle Lehrer gegen dich. Und mit der Abi-Note kannst du dann nicht Medizin studieren können.“  „Wir haben keine NS-Verhältnisse in Deutschland. Aber sie kriechen wieder aus ihren Löchern“, heißt das Fazit von Sophie. Tiltmann und Knaab gelingt es durch ihr intensives Spiel, die Angst der Geschwister vor dem Tod ohne Pathos darzustellen. Aber auch ihren Mut und ihre Entschlossenheit dass es richtig ist, für seine Überzeugungen einzutreten. Sehenswert. 

Viel Kult um Brust und Bauch – Märkische Oderzeitung

Zum Stück: PRO AN(N)A
23. Februar 2018

von Eva-Martina Weyer
Uckermärkische Bühnen ziehen mit neuem Stück in Schulen und machen Schönheitswahn zum Thema
Schwedt (MOZ) Die jüngste Premiere der Uckermärkischen Bühnen Schwedt hat im Klassenzimmer stattgefunden. "Pro An(n)a" ist ein Stück über Essstörungen und hatte am Donnerstag zur besten Unterrichtszeit Premiere am Gauß-Gymnasium. Das Urteil der Schüler: Das war schockierend, bringt uns zum Nachdenken.

Schon immer haben sich die Schwedter Theaterleute aktuellen Themen gewidmet. Jetzt haben sie ein gesellschaftliches Problem auf die Bühne geholt, das manche Mütter, Väter und Lehrer nachts nicht schlafen lässt. Es geht um Essstörungen im Jugendalter. Kinder magern ab, sind nur noch Haut und Knochen. Und das aus freiem Willen. Carla Buchholz ist Direktorin am Gauß-Gymnasium. Sie weiß aus dem Schulalltag: "Auch bei uns gibt es Schüler, die unter dieser Krankheit leiden, und zwar richtig stark. Es ist schwer für sie, Hilfe anzunehmen."

"Pro An(n)a" beleuchtet diesen Konflikt. Das Stück stammt von der polnischen Autorin Marzena Rylko und spielt mit den Buchstaben. Anna ist der Name der etwa 16-Jährigen in diesem Ein-Personen-Stück. "Ana" ist aber auch die Abkürzung der Sucht, der Anna verfallen ist - Anorexie. Anna ist ihr krankhaft ergeben. Ihr Alltag, ihr ganzes Leben dreht sich nur noch ums dünn sein. Im Internet unterhält sie sich mit Gleichgesinnten, denen es ums Hungern geht.

Anna, eindringlich gespielt von Sabrina Pankrath, eifert einem beängstigenden Schönheitsideal nach. Sie liebt es, wenn die Schlüsselbeine weiter hervorstehen als die Brüste. Körperfett ist ekelhaft. Essen sowieso. Annas Wahn lautet: "Schlanksein ist keine Krankheit, sondern eine Wahl, die man trifft."

Direkter als mit einem Stück im Klassenzimmer kann man als Schauspieler sein Publikum nicht ansprechen. Sabrina Pankrath gibt zu, dass sie "Respekt, wenn nicht sogar Angst" vor dieser Aufgabe hatte. Als Anna agiert sie zwischen Bankreihen und Tafel, spricht die Schüler mit ihrem Spiel genau an und lässt sie so zum Teil der Handlung werden.

Die Zuschauer fragen sich: Wie würde ich handeln? Finde ich so dünne Mädchen schön? Denn plötzlich enthüllt Anna ein Seidentuch. Sie hat es gerade über den Versandhandel erhalten. Auf dem Tuch ist in Lebensgröße ihr Ideal abgebildet - ein abgemagertes Mädchen, scheinbar wie aus dem KZ.

Leider bringt Sabrina Pankrath mit zu häufigen Pulloverwechseln viel Hektik in die Aufführung. Das wirkt wenig nuanciert. Dennoch macht sie mit steigendem Spannungsbogen glaubhaft, wie Anna ihrem Selbsthass erliegt. Wenigstens einmal will sie der Nabel der Welt sein. In ihrer Hysterie sieht sie nur einen Ausweg: Sie muss sich diese Anna vom Hals schaffen: "Zeit zu sterben, fette Anna." Die Zuschauer erleben das mit. Das schockiert und macht ratlos.

Mit diesem Stück gehen Sabrina Pankrath und Regisseurin Christine Bossert jetzt an die Schulen.

Womit sich die Mutter eines Wunderkinds plagt – Augsburger Allgemeine

Zum Stück: Klavierkind
17. Februar 2018

von Alois Knoller

Im Mozarthaus nahm das Sensemble das Stück „Klavierkind“ wieder auf. Eine Schauspielerin glänzt.

Ist sie stolz auf ihre Tochter? Ist sie neidisch auf das hochtalentierte Klavierkind? Beides treibt diese Mutter um. Denn im Hintergrund steht die traumatische Erinnerung an ihre eigene Mutter, die ebenfalls eine große Pianistin war. Und die bittere Erkenntnis, dass an ihr die künstlerische Begabung vorbeiging, dass sie am Instrument versagte, und sich deshalb nun in der quälenden Sandwich-Position befindet.

Im Stück „Klavierkind“ stellt die Schauspielerin Tinka Kleffner diese Mutter dar, verleiht ihr hysterische und exaltierte Züge, wenn sie im Klavierzimmer des Mozarthauses auf und ab tigert. Am Donnerstag ist das Drama von Sensemble-Theaterchef Sebastian Seidel, das 2012 als Auftragswerk der Stadt Augsburg zum 61. Deutschen Mozartfest entstanden ist, wieder aufgenommen worden. In Zukunft soll es jeden Monat einmal im Mozarthaus an der Frauentorstraße gespielt werden.

Keinen Satz zu sprechen

Mit dabei ist die junge Pianistin Sophia Weidemann. Die 23-Jährige hat keinen Satz zu sprechen, aber sie spielt hinreißend auf den beiden historischen Hammerflügeln. Natürlich Mozart. Temperamentvoll perlt der erste Satz der Sonate a-Moll KV 310, die Fantasie d-Moll KV 397 hat manchen überraschenden musikalischen Einfall zu bieten und die Variationen über ein Menuett von Duport beweisen die kompositorische Vielseitigkeit des, na ja, bayerischen Landeskinds Wolfgang Amadé, denn Salzburg gehörte seinerzeit zum Bayerischen Reichskreis, wie Tourismusmanager und Hausherr Götz Beck süffisant anmerkte. Sein musikalisches Talent sei ohnehin vom zweifelsfrei in Augsburg aufgewachsenen Papa Leopold Mozart gefördert und geformt worden.

„Klavierkind“ ist ein großer Monolog, teils Selbstgespräch der Mutter und teils Rechtfertigungsrede an ein fiktives Gegenüber – offenbar ein Psychiater, der sie aus ihrer seelischen Not befreien sollte. Rascher als die Noten aus dem Klavier gehen ihr die Worte vom Mund. Die Mutter ist überdreht – Tinka Kleffner kriegt die innere Spannung wunderbar hin. Sie muss es sagen, dass ihr Klavierkind die nachklingende Könnerschaft der Großmutter geerbt hat, dass sie ein musikalisches Phänomen ist, das die Welt als Debütantin ebenso in Erstaunen versetzt hat wie einst ihre Mutter, die sich als Solistin auf offener Bühne gegen den Dirigenten aufgelehnt und Mozarts Klavierkonzert Nr. 23 vom Piano aus selbst geleitet habe.

Eine eiserne Disziplin

Man spürt den unbedingten Willen, an die Spitze zu gelangen, und die eiserne Disziplin, spielerisch die Meisterschaft sich zu erüben. Ganz in den Dienst der Sache hat sich die Mutter gestellt („wir, die drei Meisterfrauen!“). Ein Mann habe es in der Gesellschaft nie lang ausgehalten. Sie waren der Kunst ergeben. Wenn nur das eigene Versagen nicht wäre, von der Großmutter auf die Enkelin ging die Begabung über und hat sie übergangen.

Das bohrt, das nagt: „Warum nicht ich?“ Was sei sie wert? Glaubhaft spielt Tinka Kleffner die Verzweifelte („das Unkraut neben der strahlenden Blüte“). Sie muss eben doch in die Welt der Mittelmäßigen zurückkehren und die Normalität als ihren Platz akzeptieren.


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