#silenceforfuture

#silenceforfuture, von Ursula Kohlert

Digitale Meinungsführer: Die beiden 17jährigen Influencer Till, ein ernsthafter junger Mann und Meyer, eine quirlige junge Frau, sitzen in einem Zimmer mit Homestudio-Equipment und produzieren neuen Content für ihren Kanal – sie berichten einmal mehr über die #silenceforfuture-Bewegung. Sie informieren ihre Follower, dass immer mehr Kinder und Jugendliche sich weigern zu sprechen und stumm werden, dass die Bewegung ausgehend von Busan in Südkorea, immer internationaler wird und dass sich die Mutisten genannten Schweiger seit neuestem zu Schweigemärschen zusammenschließen. Wärend Meyer die Unbedarfte gibt, nimmt Till die Rolle des „Checkers“, des Erklärers ein und liefert Hintergrundinformationen: Z.B. die, dass sich die Anhänger der Bewegung mit ihrem Schweigen gegen den Zustand der Welt mit all den Kriegen, dem Terror, der Klimakrise und der oberflächlichen Gesellschaft bzw. der ständigen Überflutung mit schlimmen Nachrichten, andauernden Kommentaren und leeren Inhalten auflehnen. Als Konsequenz kappen die Mutisten sämtliche Social Media uns ziehen sich von ihren Familien zurück, so dass sie zu sozialen Außenseitern werden. Als sie von Johanna, einer Jugendlichen aus ihrer Stadt, berichten, die sich der Bewegung ebenfalls angeschlossen hat und ihre Familie sich große Sorgen macht, geraten Till und Meyer immer mehr aneinander. Wärend Meyer die Bewegung wie eine Freak-Show sieht, mit der sie indirekt etwas bewegen kann und die sie berühmt macht, verteidigt Till die Schweiger und hinterfragt immer mehr seine eigenen Handlungen – bis beide enthüllen, dass sie selbst #silenceforfuture erfunden haben, um wirksam zu sein. Und um Likes zu generieren.  

Ursula Kohlert entlarvt mit ihrem Stück das Zynische, Abgründige hinter dem Phänomen der Influencer. Mit der Figur der Meyer zeigt sie, wie sehr die Gier nach Likes und Aufmerksamkeit Menschen verführen kann, obwohl sie auf Missstände aufmerksam machen wollen. Dem gegenüber stellt Kohlert Till, der die Mechanismen rund um Social Media, YouTube etc. für sich genutzt hat, bis er erkennt, dass er nur dann moralisch integer bleiben kann, wenn er sich dem verweigert, komplett aussteigt und sich der Bewegung anschließt. Dadurch, dass das junge Publikum Tills Erkenntnisprozess und Meyers Demaskierung direkt erlebt, bleibt viel Raum zur Selbstreflexion im Umgang mit dem eigenen Verhalten – und Medienkonsum.

Ein aktuelles Stück, das hinter die Kulissen von Influencern blickt und anregt, kritischer auf generierten Content und das eigene Verhalten zu schauen.

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