Sieh mich an, wenn ich mit dir rede

Sieh mich an, wenn ich mit dir rede, von Monica Isakstuen

Wenn das mal alles so einfach wär: Wer hat sich als Eltern nicht schon gewünscht, die Kinder programmieren zu können? So, dass sie als Erwachsene werden, wie man es sich für sie erhofft? Wohin mit all den Ängsten, den Schuldgefühlen, den Gedanken darüber, was alles passieren kann?

Mutter-Sohn und Vater-Tochter, treffen aufeinander. Mutter-Sohn und  Vater-Tochter sprechen über ihre Ängste, Hilflosigkeit, Schuld und Reue, die sie dem Kind und sich selbst gegenüber fühlen. Die Kinder spiegeln wiederum jeweils ihre Sicht auf die Gefühle des Elternteils; dabei sprechen sie im unterschiedlichen Alter – als Kind, als Jugendliche, als junge Erwachsene.

Im ersten Teil des Stückes fragt sich eine Mutter, wie sie es verhindern kann, dass ihr Sohn zum Vergewaltiger wird; der Sohn hinterfragt die Einstellung der Mutter zum eigenen Körper und der Sexualität. Im zweiten Teil wird die Angst des Vaters thematisiert, dass die Tochter ihn verführen könnte, wobei er sie vor Übergriffen schützen will. Die Tochter möchte verstehen, warum ihre Sexualität eine Bedrohung für den Vater ist.

Mit feinem sprachlichen Gespür legt das Stück das fragile und vielschichtige Gerüst von Eltern-Kind-Beziehungen frei. Der Text fördert Tabus dieser komplexen Beziehung zutage und spitzt sie zu. Er thematisiert das Ungesehene, die Unsicherheit der Eltern, er zeigt die Innensicht und die Angst vor dem, was möglich ist: Im Aggressionspotenzial und der sexuellen Anziehungskraft. Dabei werden die Grenzen zwischen Fürsorge und Missbrauch, Liebe und Macht ständig überschritten und verwischt.


Ein verstörendes wie berührendes Stück, das im Kontext der Genderdebatte die große Verunsicherung der Eltern zeigt und auslotet, was alles passieren könnte.

  • 09. Mai 2019
    Theater Konstanz
    L (Szenische Lesung)

    Im Rahmen der 'Langen Nacht der norwegischen Dramatik' .

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