Fangesänge

Fangesänge , von Jörg Menke-Peitzmeyer

Fußball-Hymne in zwei Halbzeiten

Inhalt

Das Fußballmagazin 11 Freunde befragte Jörg Menke-Peitzmeyer vor der Uraufführung seines Stücks "Fangesänge" an der Oper Dortmund. Ein Stück zwischen Theater, Oper und Musical:

Verbirgt sich hinter »Fangesänge« eine Ode an die Fankultur?
Jörg Menke-Peitzmeyer: Es geht auf keinen Fall darum, die Fußballfans an sich abzufeiern. »Fangesänge« behandelt unter anderem die Auseinandersetzung zwischen Ultras und Edelfans, die momentan hoch kocht. Auch die Stadionkatastrophe von Hillsborough ist ein Thema oder die Entfremdung zwischen Spielern und Fans. Und natürlich geht es auch um die Leidenschaft. Um das was Menschen für ihren Verein auf sich nehmen.

Welche Gesänge prägen das Werk?
Jörg Menke-Peitzmeyer: Wir haben vieles in der Auswahl: Soldatenlieder, Pilgerlieder, Opernarien, Schlager und natürlich Gesänge aus der Kurve. Auch Kirchenlieder spielen eine Rolle, als Verknüpfung zwischen Sport und Religion. Die Vergötterung der Spieler wird zum Thema.

Welche Rolle spielen Fangesänge für das Stadionerlebnis generell?
Jörg Menke-Peitzmeyer: Wenn Sie sich die Broschüren anschauen, mit denen Vereine ihre Businesslogen vermieten, dann werben sie ja gezielt mit der einzigartigen Atmosphäre im Stadion, durch die Fußball zum unvergesslichen Erlebnis wird. Ich will nicht sagen, dass die Atmosphäre im kommerzialisierten Fußball gleichrangig mit dem Spiel ist, aber sie macht einen Großteil aus.

Sind Fangesänge nicht auch eine unterschätzte Kunstform?
Jörg Menke-Peitzmeyer: Ich denke nicht. Um die Gesänge als Kunst, als letzte Bastion einer organischen Volkskultur zu verstehen, sind die Lieder heute einfach zu einheitlich. Eigene Ideen und Kreativität findet man am ehesten noch in den kleinen Fanszenen der unteren Ligen, bei Tennis Borussia Berlin etwa, oder in Babelsberg. Ich plädiere für die Einführung von Stadiondichtern nach englischem Vorbild, um den Fangesängen wieder etwas Frische, Witz und Poesie einzuhauchen. Fußball ist als gesellschaftliches Phänomen in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Auch im Theater.

(11 Freunde, 3. Januar 2012)

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