Der Entstörer

Der Entstörer, von Ursula Kohlert

Klassenzimmermonolog

Verstörende Mission: Jonas, ein junger Mann, taucht plötzlich in der Klasse auf. Er ist gehetzt und scheint verfolgt. Er erzählt der Klasse, er werde verfolgt. Von wem, lässt er im Nebel, spricht nur von „denen“ und „die“.  Er sieht sich als gejagt, weil er die Wahrheit über 5G, Bill Gates, Impfungen und Aliens kenne und sie allen erzählen, alle aufwecken will. Als er sein Handy dann in Alufolie wickelt – um abgeschirmt zu sein – und zeigt, dass er selbst Alufolie am Körper trägt, wird sein Auftritt zusehends verstörend.

Jonas erzählt der Klasse von seinem Leben zwischen Alufolie, Verfolgungsangst und Einsamkeit. Ursula Kohlert stellt dabei heraus, wie anstrengend ein solches Leben ist: Einkaufen wird zum strategischen Krieg, die Wohnung wird zur Silber-Festung, Familie weicht dem gerichtlichen Kontaktverbot und die schöne Nachbarin wird stundenlang heimlich gestalked.

Kohlert zeichnet empathisch nach, wie Jonas nach dem frühen Krebstod seiner Mutter immer radikaler und tiefer in Verschwörungstheorien eintaucht – und wie sehnlichst er sich einen Ausweg und ein sorgenfreies Leben wünscht. Sie zeigt Jonas Weg bis zur äußersten Zuspitzung seines Wahns: In einen Reptiloiden verwandelt, wird er unantastbar, allwissend und unnahbar.

Ein aufrüttelndes wie berührendes Stück, das zeigt, wie Verschwörungserzählungen in den persönlichen und privaten Lebensbereich einwirken und welches Leid sie dort anrichten können.

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