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Presse - Ute Bergien

Absurdes im XOX-Theater – RP-online

24. Mai 2011

VON MATTHIAS GRASS

Kleve (RPO). Wolfgang Paterok traute sich mit der Uraufführung von Ute Bergiens Hotel am Meer an schwere Kost – das absurd-abstruse Stück verlangte den Schauspielern des ambitionierten Laientheaters alles ab. Ein Lehrstück über Ost und West und die Abhängigkeit von Menschen.

Absurd: Da lassen sich Menschen freiwillig zum Narren machen, ordnen sich unter bis zur Selbstaufgabe. Da werfen andere Menschen ihre Zivilisation über Bord und mutieren zu faschistoiden Folterknechten, die auch noch von besserer Rasse faseln und von den anderen als "Neger - nur nicht schwarz" reden. Ute Bergien serviert in ihrem Stück ein Menü in drei Gängen über menschliches Verhalten – "Hotel am Meer" titelt das Stück, das im Klever XOX-Theater jetzt uraufgeführt wurde.

Stoff für den Restabend

Es ist hartes Stück, das Wolfgang Paterok oben in der alten XOX-Fabrik im kleinen Theater am lauen Samstagabend den Besuchern servierte. Ein Stück mit Diskussionstoff für den Restabend: Warum unterwirft sich das eine Pärchen aus "Nord-Nord-Ost" (wunderbar verhuscht: Dagmar Fischer und Gerd Walther) im Hotel am Meer dem anderen Paar (herrisch-überheblich Agnes Bröker und Klaus Gerritzen) aus Süd-Süd-West? Nur weil es eingeladen ist? Weil die anderen vielleicht die Zeche bezahlen? Weil sie bestimmt Anweisungen geben, gegen die man sich nicht wehrt? Oder einfach, weil man wie immer das tut, was einem gesagt wird? Antworten gibt Bergien in ihrem Stück, das sich zunächst wie eine Parabel auf die Wiedervereinigung liest, nicht. Die muss der Besucher dann selber suchen. Gut so.

Da halten die Menschen aus Süd-Süd-West zum übertriebenen Wassertrinken an, was die anderen nicht kennen: "Wir trinken nicht zum Essen", heißt es zaghaft. Nach der Anweisung: "Trinken sie, es ist gesund, sonst trocknen sie aus", trinken sie. Widersprüche werden im Keim erstickt oder gar nicht erst zugelassen. Nord-Nord-Ost versucht nicht einmal ernsthaft, sich zu wehren: "Essen sie ohne Besteck!" - "Aber sie essen ja mit den Fingern, nehmen sie kein Besteck?", und so werden sie brutal vorgeführt, nachdem man zuvor brav Floskeln ausgetauscht hat. Das Stück eskaliert, wird abstrus-absurd. Das verhuschte Ost-Pärchen findet sich (fast) nackt und preisgegeben im Käfig. Sie werden mit Petit fours gestopft, erniedrigt, mit Bananen beworfen. Während ihre "Gastgeber" hysterisch lachend ausflippen (großartig: Agnes Bröker) – und fürchterlich Angst im Dunkeln haben.

Es sei ein Spiel, sagt der Kellner. Ein Spiel von der Unterwerfung von Menschen, die sich anderen Menschen unterlegen fühlen, mehr als ein Stück Geschichte der Wiedervereinigung. Es ist ein ewiges Spiel, wie der Kellner (prima: Peter Eckart) unmissverständlich klar macht – auch wenn am Ende des Stücks ein Pärchen aussteigen will.

Bergien serviert die Groteske in drei Gängen bis zum Nachtisch im Käfig. Paterok hat die Tische und Stühle des Restaurants für das schräge Menu auf schiefe, unsichere Ebenen gestellt. Alles kann kippen. Auch die Macht der Mächtigen wie sich am Ende herausstellt. Während das Ensemble zu Beginn den Rhythmus der sich wie ein Canon wiederholenden Floskeln nicht so richtig findet, kommt es von Gang zu Gang immer besser zusammen – bis beim furiosen Ende alle überzeugen.

Nachtisch im Affenkäfig – NRZ

16. Mai 2011

Zur Uraufführung im Klever XOX-Theater

von Andreas Daams

Ute Bergiens Stück "Hotel im Meer" mit dem Untertitel "Ein Menü in drei Gängen" ist keine leichte Kost. Es spielt in einem Restaurant irgendwo im Nirgendwo, an einem jener uralten Theaterorte zwischen Diesseits und Jenseits, heute und gestern, Mensch und Monster. Im Klever XOX-Theater hatte Regisseur Wolfgang Paterok zur Uraufführung einen zeitlos-windschiefen Speisesaal auf die Bühne gehoben. Das Zuschauen machte Lust: nicht aufs Essen, sondern aufs Zerfleischen. Davon soll noch die Rede sein. Die Handlung: Zwei einander unbekannte Ehepaare essen miteinander zu Abend. Ihre Konversation erschöpft sich in Plat-titüden, die sich mitunter taumelnd ins Gegenteil verkehren.Das ist der Teil des Stückes, in dem das Publikum über das verschüchterte Ehe-paar Ost und das an seiner eigenen Gut-situiertheit berauschte Ehepaar West noch lachen kann. Denn noch halten die Herrenmenschen ihre Ostdeutschen ("wie Neger, nur nicht schwarz") dazu an, bald mehr zu trinken, bald weniger, erst gefälligst mir den Fingern zu essen, dann jedoch mit dem Fischbesteck. In der evolutionär fortgeschrittenen Welt Pöseldorfs (der Herkunft des Westpaars) fährt man im Frühjahr nach Paris und im Herbst nach Berlin, trifft seinesgleichen an der Champagnerbar des KDW und beherrscht ansonsten ein ganzes ABC an Beschimpfungen, von anmaßend bis zeitraubend. Aber da sind wir schon beim Zerfleischen. Denn die Tyrannei gewinnt an Fahrt. Ehepaar Ost soll sich ausziehen - "Alle wollen Sie nackt sehen!", schreit die Westdame und bezieht mit einer Handbewegung das Publikum mit ein. Das ist jetzt totenstill. Kein Lachen mehr. Zuletzt findet sich Ehepaar Ost im Holzkäfig wieder, wird vom Ober mit Nachtisch vol-gestopft und von der Westgattin mit Bana-nen beworfen. Die Rechnung bezahlt man in diesem Hotel mit dem Leben.
Ute Bergien, Jahrgang 1965, hat mit ihrer Versuchsanordnung einen Bogen geschlagen von der Groteske über Satire bis hin zum gesellschaftskritischen Zeitstück. Das Ensemble des XOX-Theaters war von Anfang bis Ende beeindruckend. Dagmar Fischer und Gerd Walther geben das devote Ost-Ehepaar, das sich kaum gegen die Zumutungen zur Wehr setzt. Klaus Gerritzen läuft als überheblicher Widerling zu großer Form auf. Wirklich fantastisch ist Agnes Bröker als Mittelstandsfurie, die mit erbarmungs-loser Konsequenz das Spiel weitertreibt. Peter Eckartz mimt den Maitre d'Hotel mit einer treffenden Mischung aus Arroganz und Servilität. Wolfgang Paterok hat das eineinhalbstündige Stück flott durchinszeniert. Es ist keine Sekunde langweilig. Aber es bleibt unversöhnlich. Mit Unbehagen verlässt man den Zuschauerraum. Gut, wenn Theater das schafft!

Die Idylle trügt – RP ONLINE

03. Mai 2011

 In "Hotel im Meer" treten die zwischenmenschlichen Probleme der Nachwendezeit zu Tage.

Welturaufführung im XOX

VON CLEMENS HENLE

Kleve (RP) In der zweiten Hälfte der Spielzeit wartet das XOX-Theater mit der Uraufführung des Stückes "Hotel im Meer" von Ute Bergien auf. Eine Pantomimen-Show von Weltklasseformat komplettiert den Spielplan 2010/11.

Nach der witterungsbedingten Winterpause startet das XOX-Theater in den zweiten Teil der Spielzeit 2010/2011. Da es in den ehemaligen Produktionshallen der Keksfabrik keine Heizung gibt, muss das Theater den Winter über den Spielbetrieb einstellen. "Wir haben zwar noch eine Zeit lang im Herbst hier geprobt, bei acht Grad wurde es aber auch uns dann zu kalt", sagt der XOX-Theater Chef Wolfgang Paterok.

Dafür wartet das Theater in der zweiten Hälfte der Spielzeit mit einer echten Welturaufführung auf: Zum ersten Mal wird das Stück "Hotel im Meer" von Ute Bergien das Scheinwerferlicht der Bühne erblicken. Veröffentlicht wurde das Stück zwar schon 1992, doch erst jetzt traut sich Wolfgang Paterok mit seinem Ensemble an dieses sperrige und aufwühlende Stück. "Ich bin durch eine Internetrecherche auf 'Hotel am Meer' aufmerksam geworden. Es ist ein komplexes Stück mit absurden und surrealen Zügen", erklärt der Klever Theater-Doyen.

Das Stück beschäftigt sich mit der direkten Nachwendezeit und der Problematik des Zusammenwachsens der beiden deutschen Staaten. In einem Hotel lernen sich zwei Paare aus beiden Teilen Deutschlands kennen. Was zunächst als Akt der freundlichen Verbundenheit zwischen den Paaren erscheint, entpuppt sich im Verlauf des Stücks als Ausdruck tiefer Verachtung und als Versuch, dem ostdeutschen Paar seiner Identität zu berauben.

"Bergien hat ein starkes Stück über die Unterwürfigkeit der DDR-Bürger in der Nachwendezeit abgeliefert. Es ist aber auch eine Metapher für das Zusammenwachsen von Ländern und Menschen", fügt Regisseur Paterok hinzu. Für das XOX-Ensemble sei das Stück die größte künstlerische Herausforderung.

Neben der schweren Kost gibt es aber auch noch die Premiere der Komödie "Venedig im Schnee" des französischen Autors Gilles Dyrek. "Obwohl es eine Komödie ist, hat 'Venedig im Schnee' aber auch eine gesellschaftskritische Unterfütterung", sagt Paterok. Vor allem die Spendenbereitschaft der westlichen Welt wird in dem Stück satirisch aufs Korn genommen. "Dieses Stück wird viel gespielt, ist knallig und unterhaltsam, aber trotzdem nicht seicht", fasst Wolfgang Paterok zusammen.

Ein weiterer Höhepunkt der Spielzeit wird der zweitägige Besuch der Pantomimen Bodecker&Neander, die schon des öfteren das Klever Publikum beglückten. Die beiden Bühnenpartner des legendären Marcel Marceau kommen dank der freundschaftlichen Beziehungen zum Klever Off-Theater. "Die beiden haben Weltklasseformat, eigentlich können wir uns die beiden gar nicht leisten. Die sind einfach ganz, ganz stark", freut sich Paterok.


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