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Helden in Strumpfhosen – Süddeutsche Zeitung

13. Juni 2015

Das Junge Resi zieht mit dem Stück "Thomas und Tryggve" durch Münchens Klassenzimmer

von Christiane Lutz

Eine Strumpfhose kann manchmal entscheiden, ob man dazu gehört, oder nicht. Bei Tryggve ist der Fall klar: Er wird ausgelacht, weil er Strumpfhosen trägt. Dabei trägt er sie ja nur, weil seine überfürsorgliche Mutter das so möchte. Zum Glück ist da noch Thomas, der sich nichts aus Tryggves Strumpfhosen macht, zumindest erst einmal nicht. "Thomas und Tryggve" heißt das Stück der finnischen Schriftstellerin Tove Appelgren, das das "Junge Resi" unter der Regie von Anja Sczilinski jetzt für Grundschulen inszeniert hat. Am Freitag war Premiere vor Erst- und Zweitklässlern in der Grundschule St.-Anna-Straße im Lehel.

Es ist eine "mobile Inszenierung", das heißt, Bühnenbild und Konzept sind von Sczilinski so entwickelt, dass das Stück in jeder Schule gespielt werden kann. Mit vierzehn Grundschulen in München besteht bereits eine Kooperation, "Thomas und Tryggve" wird auch in der kommenden Spielzeit durch die Stadtteile ziehen. Das Bühnenbild, wenn man es so nennen will, ist daher einfach gehalten: An einer quer durchs Klassenzimmer gespannten Wäscheleine hängen bunte Klamotten, drei lange Kisten liegen übereinander gestapelt, auf einem Pult steht ein Telefon. Sczilinski, Leiterin des "Jungen Resi" erarbeitete die Inszenierung mit den beiden Schauspielern Thomas Lettow und Franz Pätzold in wenigen Probentagen. In "Thomas und Tryggve" kommen neun Figuren vor, die abwechselnd von Pätzold und Lettow gespielt werden. Das bedeutet: rasend schnelle Kostümwechsel. Aus Tryggve wird Frida, indem sich Pätzold einen Rock aus der Hose zieht und eine rosa Haarklammer ansteckt, aus Thomas wird der Angeber Maki, mit Käppi und Prollhemd. Kleine Veränderungen, die sofort klarmachen: Jetzt ist der ein anderer.

Die Grundschüler steigen drauf ein, haben Freude am rasanten Wechselspiel der Schauspieler und offenbar keine Probleme, der Handlung zu folgen. Das Stück spielt praktischerweise in einem Klassenzimmer. Dort treffen sich Thomas und Tryggve, jetzt erwachsen, und erinnern sich an ihre gemeinsame Schulzeit. Es geht um die Angst vor dem ersten Schultag, um die fürsorgliche Muter und den rüpelhaften Vater, um die erste Liebe, um Freundschaft und Verrat. Denn obgleich Thomas und Tryggve erst unzertrennlich sind, lässt sich Thomas einwickeln von Angeber Maki, der Tryggve wegen seiner Strumpfhosen verspottet. "Wir haben bei den Proben viel darüber nachgedacht, was uns selbst unterhält. Was auch uns Spaß macht", sagt Anja Sczilinski nach der Vorstellung. Es sei erstaunlich, welch unterschiedliche Reaktionen das Schauspiel in den verschiedenen Klassen auslöse. Wie stark sich die Schüler mit den "Schwachen" solidarisierten, wie sehr sie den "Bösen" ausbuhten, hänge von der Dynamik der Gruppe ab, jedes mal überraschend. Die Schüler an diesem Morgen sind konzentriert und eher zurückhaltend. Am Ende ist das Mädchen Frida befreit, der Angeber ist in die Flucht geschlagen, Thomas und Tryggve sind wieder Freunde.

"Thomas und Tryggve" ist ein großer Spaß, eine Inszenierung, die den Kindern durchaus etwas zutraut, sie nicht schont in Wort und Vehemenz. Für Kinder ist es etwas Besonderes, wenn das Theater zu ihnen ins Klassenzimmer kommt, und nicht umgekehrt, sie ins Theater gehen müssen. Es erreicht sie in ihrer gewohnten Umgebung, auf ihrem Territorium, wo keine Ehrfurcht vor schweren Theatertüren und dunklen Räumen nötig ist. Der Raum ist zwar leicht verwandelt, Stuhlreihen grenzen Spielraum von Zuschauerraum ab. Doch die Kinder sind mittendrin in der Inszenierung, fühlen sich angesprochen und können, so betont ein Schüler, alles gut sehen von ihren Plätzen aus und die Schauspieler sogar anfassen, als diese sich durch die Reihen schleichen.

Diese Unmittelbarkeit scheint für die Schüler wichtig, um sich ganz auf die Geschichte einzulassen. Ein "mobiles Theater", wie es das Resi jetzt anbietet, trägt im Idealfall zu einem entspannten Verhältnis zwischen Kindern und Kunst bei, sodass der Gang ins "richtige" Theater dann einmal ganz leicht fällt.


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