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Presse - Tove Appelgren

Das frühe Leid, der erste Kuss in der Schule – Die Presse

07. Oktober 2019

von Norbert Mayer

Junges Theater im Vestibül, Burgtheater Wien: „Thomas und Tryggve“.

Eine entzückende Übernahme aus dem Residenztheater ist in der ersten Saison des von München nach Wien ans Burgtheater gewechselten Intendanten Martin Kušej im Vestibül zu sehen, für Schauspielbegeisterte ab sechs Jahren: Tove Appelgrens „Thomas und Tryggve“ (aus dem Schwedischen von Regine Elsässer), mit veränderter Besetzung, unter der Regie von Anja Sczilinski. Sie leitet nach dem Jungen Residenztheater nun das Burgtheaterstudio. Sieben Stücke sind für 2019/20 geplant. So wie „Der (vor)letzte Panda“ (über Sorgen von Teenagern und Twens) ist auch die zweite Produktion toll gemacht. Zumindest war die Premiere am Sonntag stark umjubelt. Mit der Aufführung wird auch in die Bezirke gegangen, Schulen können sie buchen.

Dann ist es fast wieder gut – FRIZZ

01. Februar 2018

von Annett Krake

"Robins Glück im Unglück" ist ein Theaterstück für Kinder, das zeigt, wie aus Angst, Mut, aus Wut, Gelassenheit wird und das traurig sein zum Leben gehört.

Angst. Mutlosigkeit. Wut. Gefühle, die auf dem Weg des Lebens auf uns lauern, plötzlich da sind, uns überraschen. Das kann bei Kindern sein, wenn das geliebte Haustier für immer still bleibt oder wenn der schwerwiegende Satz aus der Kehle über die elterlichen Lippen nach außen dringt: Wir trennen uns.

Meist sind es Heranwachsende, deren Gleichgewicht dann ins Wanken gerät, die sich mit dem Verlust auseinander setzen müssen. Ein tiefer Graben tut sich auf, wenn der Geruch eines Elternteils, samt Klamotten aus der Wohnung verschwindet, ein Stück Vertrautheit und Geborgenheit mitgeht. Im Kinderzimmer ballen sich Gefühle, stauen sich Fragen.

Für diese Situation, für das Empfinden, das sich in Kindern meldet, wenn auf einmal alles anders ist, findet Robin Worte, Gesten, Handlungen. Mit dem Theaterstück „Robins Glück im Unglück" von Tove Appelgren greift das Thalia Theater ein Thema auf, das in muffigen Umkleidekabinen, auf der Rückbank im Auto oder auf dem Schulweg zwischen Kindern besprochen wird: die Trennung der Eltern, die Angst vor Verlust.

Robin, erstklassig gespielt von Max Radestock, der mit großer Empathie für sein Publikum von der Bühne agiert, spricht aus, was ihm im Kopf rumgeistert, was ihn bedrückt, was ihn nachts nicht schlafen lässt. Auf kindlicher Augenhöhe erzählt er wie die Angst ihn manchmal beherrscht, wie die Trauer sich auf seinem Kopfkissen breit macht, wie die Wut ihn plötzlich übermannt. Er schmeißt den Tisch um, raubt dem Teddy seiner Schwester den Arm, spricht nicht.

Das Theaterstück wagt einen Blick in die Innereien einer Familie, die Zuschauer sind ganz bei der Sache, finden sich wieder, fühlen sich verstanden. Offen, ehrlich und glaubwürdig wird die gespaltene Familiensituation hier verhandelt, das kommt an. Der Schauspieler geht mit seinem Publikum einen emotionalen Pakt ein, er weiß wovon er redet, und das Publikum nickt ihm wissend und begeistert zu.

Zu erleben, wie die kindlichen Zuschauer dieses Bündnis genießen, sich öffnen, zugeben, was bei ihnen nicht so läuft, macht Gänsehaut, ist zugleich erholsam und hinterfragt die eigene Wahrhaftigkeit. Sprechen, benennen, nachfragen, Gefühle zulassen, den Kloß im Hals lösen, würgen, bis es draußen ist, das passiert bei „Robins Glück im Unglück". Und schon ist alles nur noch halb so schlimm – fast gut. Bravo!

Robins Glück im Unglück – über die (lösbaren) Probleme von Scheidungskindern – www.saalereporter.de

12. Dezember 2017

von Gisela Tanner

Seit dem 9. November 2017 steht im Schaufenster des Neuen Theaters Halle ein Stück auf dem Spielplan, das Kinder berührt und auch Erwachsene nicht kalt lässt, „Robins Glück im Unglück“. Die finnische Autorin Tove Appelgren, bekannt durch ihre Kinderbücher,  hat sich die Geschichte um Robin ausgedacht. Der wächst fast rundum zufrieden im Schoße seiner Familie auf, Vater, Mutter und eine Schwester. Plötzlich wird er mit der Scheidung seiner Eltern konfrontiert, und er steht bekanntermaßen damit nicht alleine da, im Jahr 2015 z. B. wurden laut statistischem Landesamt 40,82 % aller Ehen geschieden und oft sind Kinder dabei die Betroffenen.
Am halleschen Theater  wird das Stück nun in deutscher Erstaufführung unter der Regie von  Remo Philipp gezeigt. Für Bühne und Kostüme zeichnet Markus Neeser verantwortlich und Katharina Brankatschk ist die Dramaturgin. Max Radestock ist auf der Bühne gleich in mehreren Rollen zu erleben, er verkörpert nicht nur den Robin mit seinen Sorgen und Nöten, sondern schlüpft gleich in mehrere Rollen, z.B. in die vom Vater, von der Mutter und der Schwester, und das macht er sehr überzeugend. So holt er sich das junge Publikum schnell auf seine Seite.
Eigentlich verlief sein Leben glücklich und ohne große Enttäuschungen, nur einmal, mit fünf Jahren, als sein Hamster starb, war er richtig unglücklich. Doch Robin glaubte, er könne weitere unglückliche Ereignisse mit bestimmten Ritualen – z.B. beim Überqueren der Ampelkreuzung  – verhindern. Wenn auch seine Freunde etwas verwundert auf sei Verhalten reagierten, behielt er es auch noch als Heranwachsender aufrecht. Umso härter traf es ihn, dass seine Eltern sich scheiden lassen wollten. Hat er seine Rituale nicht achtsam genug ausgeführt oder war etwa die Schwester schuld? Er fühlte sich auf jeden Fall für die Trennung verantwortlich und wurde sehr introvertiert und nachdenklich. Zum Vater, der inzwischen ausgezogen war, wollte er überhaupt keinen Kontakt mehr haben, auch wenn die Mutter sich um ein friedliches Nebeneinander bemühte. Es brauchte seine Zeit, bis Robin mit der neuen Situation zurechtkam und wieder die Nähe seines Vaters suchte.
Sehr einfühlsam, aber auch mit einer Prise Humor, erzählt Autorin Tove Appelgren die Geschichte um den jungen Robin mit all seinen Problemen. Schauspieler Max Radestock findet im intimen Rahmen des „Schaufensters“ schnell den Draht zu seinem jungen Publikum und beindruckt mit seinem wandlungsfähigen Spiel. Ein Stück, das sich nicht nur Kinder und Eltern anschauen sollten, die gerade eine Trennung hinter sich haben.