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Presse - Sebastian Seidel

Warum sind Sie hier? – @3 Kultur

27. Februar 2012

 Gelungene Premiere der „Quiz-Show“ im S’ensemble Theater

Ein gebrochener Mann, der nach der Arbeit nicht nach Hause gehen will. Man sieht ihm an, dass er einiges hinter sich hat, und in der Wohnung angelangt, muss er erst einmal die Trümmer der letzten Nacht beseitigen. Doch wer ist dieser zweite Mann, der genau dieselben Klamotten trägt und den Ersten irgendwie nachmacht?

Mal sichtbar für den anderen Mann auf der oberen und mal unbemerkt auf der unteren Ebene der Bühne, ist dieser zweite Mann doch immer präsent und lässt sich nicht verscheuchen. Tag für Tag sitzt er neben dem Protagonisten auf dem Sofa und will mit ihm die Quiz-Show im Fernsehen schauen. Und auf die Frage „Warum sind Sie hier?“ kann er nur antworten: „Weil du da bist!“.


In Sebastian Seidels Wiederaufnahme seines Stücks „Quiz-Show“, das 2001 uraufgeführt wurde, geht es um diese absurde Situation. Es beginnt eine Konfrontation zwischen den beiden, dem Fremden als Alter Ego des Mannes, das ihn ständig an den Tod seiner Frau erinnert und ihn dazu drängt, sich mit seiner Vergangenheit auseinander zu setzen. Und die Quiz-Show, die der Mann immer mit seiner Frau schaute, läuft nebenher. Er versucht einen Neuanfang, ohne Frau und ohne Quiz-Show, doch die verflossene Zeit holt ihn ein und lässt sich einfach nicht verdrängen.


Birgit Linner und Florian Fisch spielen die beiden Kontrahenten, die mit Witz und Tragik die Tiefen der verletzten Seele ergründen. Durch ein geschicktes Bühnenbild und mediale Effekte schafft es Seidel, sein Stück wiederaufleben zu lassen und das Publikum zum Nachdenken zu bringen. Eine gelungene Premiere.

 

Achterbahnfahrt zwischen Kafka, Freud und Hitchcock – Neue Szene Augsburg

27. Februar 2012

Wenn die eigene Vergangenheit plötzlich mit auf dem Sofa sitzt, hat man mehrere Möglichkeiten. Florian Fisch, neben Birgit Linner einer der beiden Hauptdarsteller in Sebastian Seidels "Quiz- Show" im S'ensemble Theater, probiert sie alle durch: rauswerfen, anfreunden, einladen, sich zusammen betrinken, bedrohen. Es entwickelt sich eine psychologische Achterbahnfahrt zwischen Kafka, Freud und Hitchcock: - "Warum bist du hier?" - "Weil du hier bist!" Und am Schluss sitzt man doch wieder gemeinsam vor dem Fernseher...

"Quiz-Show" von Theaterleiter Sebastian Seidel wurde bereits 2001 auf die Bühne gebracht und erhielt damals den Kunstförderpreis der Stadt Augsburg. Zu Recht, es ist eines von Seidels besten Stücken und wird in der Wiederaufnahme in "neuer Fassung" (Programmmheft) getragen von einem hinreißend intensiv agierenden Florian Fisch. Ein absolut sehenswertes Kammerspiel, das wie geschaffen ist für die Atmosphäre im S'ensemble Theater.

 

Tauchgang in die Tiefen der Seele – Augsburger Allgemeine

24. Februar 2012

Tauchgang in die Tiefen der Seele

Das S’ensemble zeigt ab Samstag Sebastian Seidels Tragikomödie „Quiz-Show“ in einer überarbeiteten Fassung

Von Christian Packheiser

Die Bühne ist in fahles Licht getaucht. Auf einem weißen Sofa sitzen zwei Männer vor dem Fernseher, beide in Bluejeans, schwarzem Hemd und grauem Jackett. Plötzlich entbrennt ein Streit, die Fetzen fliegen, der eine wirft den anderen lauthals hinaus.

Seit Wochen laufen die Vorbereitungen für die „Quiz-Show“ auf Hochtouren, das Stück, das ab Samstag vom S’ensemble-Theater gespielt wird. Für die Tragikomödie erhielt Regisseur Sebastian Seidel 2002 den Augsburger Kunstförderpreis, nun zeigt er es in einer überarbeiteten Fassung.

Das Alter Ego zwingt ihn zur Konfrontation

„Ich wollte in ästhetischer Hinsicht mehr ausprobieren“, sagt Seidel. Geändert hat sich vor allem das Bühnenbild, um die abstrakten Aspekte des Stücks besser zu unterstreichen. Auf dramaturgischer Ebene wurden Dialoge ausgeschmückt, um das Werk „menschlicher“ zu machen. Doch die Handlung bleibt die alte: Nach dem Tod seiner Frau kämpft ein Mann (Florian Fisch) mit Schuldgefühlen und ringt um den Neuanfang. Unbewusste Ängste verdrängt er, bis eines Abends sein Alter Ego (Birgit Linner) neben ihm sitzt und ihn zur Konfrontation mit sich selbst zwingt.

Ohne in wissenschaftliches Fahrwasser abzudriften oder sich in geistigen Höhen zu verlieren, durchleuchtet Seidel auf subtile Weise die Untiefen der menschlichen Seele: Geschickt lässt er in einer Quiz-Show, die nebenher im Fernseher läuft, Begriffe der Psychologie thematisieren. „Wir wollen die Menschen zum Nachdenken anstupsen, ohne den pädagogischen Zeigefinger zu erheben“, sagt Seidel.

Auf hintergründiger Ebene versteht sich das Stück als Kritik an der Leistungsgesellschaft. Viele wüssten, wie es sei, im Beruf mit einer Maske zu funktionieren. Nur im Privaten könne man aufleben, nur dort gebe es Raum für die Verarbeitung von Schicksalsschlägen. Genau darin liegt aber das Problem des Protagonisten: Er hat niemanden, dem er sich anvertrauen kann.

Vor diesem Hintergrund wagt der Regisseur den Spagat zwischen Humor und Tragik, indem der Zuschauer stets mehr weiß als die Hauptfigur und zu kritischer Selbstreflexion aufgefordert wird.

http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Tauchgang-in-die-Tiefen-der-Seele-id18969116.html