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Presse - Sebastian Seidel

Womit sich die Mutter eines Wunderkinds plagt – Augsburger Allgemeine

17. Februar 2018

von Alois Knoller

Im Mozarthaus nahm das Sensemble das Stück „Klavierkind“ wieder auf. Eine Schauspielerin glänzt.

Ist sie stolz auf ihre Tochter? Ist sie neidisch auf das hochtalentierte Klavierkind? Beides treibt diese Mutter um. Denn im Hintergrund steht die traumatische Erinnerung an ihre eigene Mutter, die ebenfalls eine große Pianistin war. Und die bittere Erkenntnis, dass an ihr die künstlerische Begabung vorbeiging, dass sie am Instrument versagte, und sich deshalb nun in der quälenden Sandwich-Position befindet.

Im Stück „Klavierkind“ stellt die Schauspielerin Tinka Kleffner diese Mutter dar, verleiht ihr hysterische und exaltierte Züge, wenn sie im Klavierzimmer des Mozarthauses auf und ab tigert. Am Donnerstag ist das Drama von Sensemble-Theaterchef Sebastian Seidel, das 2012 als Auftragswerk der Stadt Augsburg zum 61. Deutschen Mozartfest entstanden ist, wieder aufgenommen worden. In Zukunft soll es jeden Monat einmal im Mozarthaus an der Frauentorstraße gespielt werden.

Keinen Satz zu sprechen

Mit dabei ist die junge Pianistin Sophia Weidemann. Die 23-Jährige hat keinen Satz zu sprechen, aber sie spielt hinreißend auf den beiden historischen Hammerflügeln. Natürlich Mozart. Temperamentvoll perlt der erste Satz der Sonate a-Moll KV 310, die Fantasie d-Moll KV 397 hat manchen überraschenden musikalischen Einfall zu bieten und die Variationen über ein Menuett von Duport beweisen die kompositorische Vielseitigkeit des, na ja, bayerischen Landeskinds Wolfgang Amadé, denn Salzburg gehörte seinerzeit zum Bayerischen Reichskreis, wie Tourismusmanager und Hausherr Götz Beck süffisant anmerkte. Sein musikalisches Talent sei ohnehin vom zweifelsfrei in Augsburg aufgewachsenen Papa Leopold Mozart gefördert und geformt worden.

„Klavierkind“ ist ein großer Monolog, teils Selbstgespräch der Mutter und teils Rechtfertigungsrede an ein fiktives Gegenüber – offenbar ein Psychiater, der sie aus ihrer seelischen Not befreien sollte. Rascher als die Noten aus dem Klavier gehen ihr die Worte vom Mund. Die Mutter ist überdreht – Tinka Kleffner kriegt die innere Spannung wunderbar hin. Sie muss es sagen, dass ihr Klavierkind die nachklingende Könnerschaft der Großmutter geerbt hat, dass sie ein musikalisches Phänomen ist, das die Welt als Debütantin ebenso in Erstaunen versetzt hat wie einst ihre Mutter, die sich als Solistin auf offener Bühne gegen den Dirigenten aufgelehnt und Mozarts Klavierkonzert Nr. 23 vom Piano aus selbst geleitet habe.

Eine eiserne Disziplin

Man spürt den unbedingten Willen, an die Spitze zu gelangen, und die eiserne Disziplin, spielerisch die Meisterschaft sich zu erüben. Ganz in den Dienst der Sache hat sich die Mutter gestellt („wir, die drei Meisterfrauen!“). Ein Mann habe es in der Gesellschaft nie lang ausgehalten. Sie waren der Kunst ergeben. Wenn nur das eigene Versagen nicht wäre, von der Großmutter auf die Enkelin ging die Begabung über und hat sie übergangen.

Das bohrt, das nagt: „Warum nicht ich?“ Was sei sie wert? Glaubhaft spielt Tinka Kleffner die Verzweifelte („das Unkraut neben der strahlenden Blüte“). Sie muss eben doch in die Welt der Mittelmäßigen zurückkehren und die Normalität als ihren Platz akzeptieren.

Text und Musik durchdrangen sich gegenseitig – Augsburger Allgemeine

06. Dezember 2017

Wie Sebastian Seidel und Sophia Weidemann die Vision einer absoluten Ausdrucksmöglichkeit vorführten

Von Dr. Heinrich Lindenmayr

Eine Autorenlesung mit Musik, daran ist zunächst nichts Besonderes.
Zum Ausklang des „Literaturherbst Krumbach 2017“ kam „Klavierkind“ zur Aufführung, der Theater-Monolog einer Mutter, mit ihrer Tochter am Piano, uraufgeführt beim 61. Deutschen Mozartfest 2012 in Augsburg. In Krumbach stand nun nicht eine Schauspielerin als Mutter auf der Bühne, es las der Autor selbst, Sebastian Seidel. Das war die erste Besonderheit. Die zweite Besonderheit liegt daran, dass Musik bei diesem Theater nicht als Beiwerk, als Stimmungsmacher oder zur Beflügelung der Fantasie des Publikums dient. Die Musik ist Gegenstand des Stückes selbst und darüber hinaus gleichsam seine Seele. Ohne die Musik würde der Besucher den Gehalt des Dramas aufnehmen und das Leiden der Person mitempfinden. Die eigentliche Dimension des Stückes aber bliebe verschlossen.

Sebastian Seidel hat in „Klavierkind“ ein Thema aufgegriffen, das zu den Klassikern der Literatur zählt, nämlich das Problem der künstlerischen Identität. Er greift nicht zu der von Thomas Mann bevorzugten Variante, die es beklagt, dass der Künstler sich von Normalität und Bürgerlichkeit ausschließen muss.
Er wirft in „Klavierkind“ vielmehr die Frage auf, was passiert, wenn der Künstler auf der Suche nach der absoluten Ausdrucksmöglichkeit scheitert. Die Mutter und die Tochter der Hauptfigur sind große Künstlerinnen. Sie selbst hatte zu wenig Talent. Ihr selbst bleibt nur, sich als notwendiges Bindeglied zwischen den beiden zu definieren. Aber die gedanklich erzwungene Zugehörigkeit zum Olymp erweist sich realiter als nicht tragfähig.
Die Pianistin bekommt demgemäß die Aufgabe zu demonstrieren, was die Rede von absoluten Ausdrucksmöglichkeiten bedeuten könnte. Bei der einleitenden Prokofjew-Etüde soll die von ihr erzeugte Musik temporeich, dynamisch, perfekt sein und „jeden Winkel und jede Ritze des Raumes“ erobern, wie es in der Regieanweisung heißt.
Bei Brahms’ „Intermezzo Opus 119“, dem letzten Werk des Komponisten vor seinem Tod, muss die Ruhe, Weite, Weihe und Klarheit vor dem Sterben aufscheinen. Bei Bachs „Goldberg-Variationen“ sind die wunderschönen Melodien aus einem rhythmisch und harmonisch vertrackten Unterfutter heraus zu profilieren.
Auch dieser Musik eignet das gewisse Etwas, eine gleichsam überirdische Gelassenheit, weswegen sie gerne auch zu Therapiezwecken genutzt wird. Sophia Weidemann am Piano gelang es, das Tor zu einer Klangsphäre aufzustoßen, die „reinste Erfüllung“ verspricht und dem Gefühl Bahn bricht, „dass alles einem höheren Ganzen unterliegt“, wie es im Text heißt. Text und Musik durchdrangen sich an diesem Abend vollständig. Ein würdiger, großer Abschluss des „Literaturherbst Krumbach“.

 

Shakespeare wäre sicher baff – Märkische Allgemeine 14.08.2017

14. August 2017

300 Premierengäste erlebten am Freitag in Kampehl mit „Hamlet for you“ den Beginn der 8. Schöller-Festspiele

von Wolfgang Hörmann

Das muss man den Machern der Schöller-Festspiele lassen: Ihnen fällt immer was Neues ein, wenngleich der geneigte Zuschauer es gelegentlich erst auf den zweiten Blick erkennt. Bei der Premiere im vergangenen August versuchten drei bauernschlaue ledige Junglandwirte Frauen zu ködern. Das zuschauende Volk lachte Tränen, die sich allerdings mit den Tropfen von Dauerregen vermischten. Am ersten Abend der 8. Auflage des Komödienspektakels am Freitagabend im Kampehler Schlosspark gab es wieder ein volles Haus, wieder was zum Lachen, nur der Regen blieb diesmal in den Wolken.

Und wo bleibt das andere Neue? Es hatte sich diesmal klassisch gewandet, war doch im Titel für den Abend von „Hamlet“ die Rede. Shakespeares Tragödie bei den Komödianten um Festspielleiter Peter Schroth? Konnte das denn sein? Und ob! Der Titel in Gänze hieß ja auch „Hamlet for you“. Den „Hamlet für alle“ präsentieren Birgit Linner und Jörg Schur in der Regie von Sebastian Seidel vom Ensemble-Theater Augsburg.

Seidel lässt seine zwei Akteure künstlerische Schwerstarbeit verrichten. In Windeseile müssen sie immer wieder in verschiedene Rollen schlüpfen. Fast zwei Dutzendmal wechseln sie die Kostüme. So versuchen zwei Theaterverrückte „Hamlet“ zu spielen. Das muss entweder schief gehen oder sich in eine Komödie verwandeln, was dann auch geschieht.

Linner und Schur geben zwei Stunden lang alles, mal mit Shakespeare-Texten nahe am Original, dann wieder slapstickartig verwurstelt, situationskomisch und am Ende doch bittersüß bis zu Hamlets Tod. Besonders der weibliche Teil des Duos bringt die 300 gutgelaunten Besucher immer wieder zum Lachen. Birgit Linner darf sogar singen, was sie auch kann. Jörg Schur hat den deutlich längeren Textteil zu bewältigen. Er macht das mit Bravour.

Beide bauen aktuelle Reminiszenzen in das Stück mit ein. Hier wird über ein Kopftuch die Brücke zu einem heuer wichtigen Bekleidungsstück geschlagen, da können die Zuschauer sofort die zur Raute gespreizten Hände bei der kleinen flinken Frau der eigentlichen Erfinderin zuweisen. Die sich ständig verändernde Mimik von Birgit Linner gehört zu den Stärken des Stückes. Das Premierenpublikum verlässt nach zwei Akten zufrieden den Rasen am Schloss Kampehl.


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