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Presse - Sebastian Seidel

Noch heute lenkt Jakob Fugger sein Finanzimperium – Augsburger Allgemeine

27. März 2016

Jakob Fugger ist ein engstirniger meckernder, alter Mann. Er schnauft und schimpft sich durch sein Wohnzimmer, kann nur mithilfe einer Krücke gehen. Kein Wunder, schließlich ist Fugger über 500 Jahre alt. Einer der mächtigsten Männer Europas, der ein sagenhaftes Vermögen anhäufte, zeiht auch heute noch die strippen in Augsburg. Denn: "Ich bin Augsburger, ich habe die Stadt zu dem gemacht, was sie einmal war."

Darum geht es in dem Theaterstück "Jakob Fugger Consulting", das im Fugger- und Welsererlebnismuseum eine Premiere feiert. (...) Das Stück ist eine Mischung aus Fakt und Fiktion. Es holt Jakob Fugger aus dem 15./16. Jahrhundert in die Jetztzeit. Dort ist er zum Berater der eigenen Firma geworden, zu einer Art Aufsichtsrat, wie er sich nennt. Im Hintergrund hält er die Fäden in der Hand, die Weltwirtschaft hängt an seinem Tropf. Gleichzeitig fällt es Fugger schwerer, den perfekten kapitalisten zu spielen. Es stört ihn, dass die einstige Weltstadt Augsburg zur Bedeutungslosigkeit verkommen ist. Die sTadt braucht seiner Meinung nach einen 'Relaunch'. "Wir waren eine Kaiserstadt! Und wir werden es wieder sein! Das muß der Anspruch sein." Ein Sieg des FC Augsburg über den FC Bayern München wäre ein Anfang. Darüber hinaus beginnt Jakob Fugger der Reiche, sich am Ende seines Lebens Gedanken über eben jenes zu machen. Was war gut, was war schlecht? (...)

Heinz Schulan, der den Fugger spielt, sagt: " Ich liebe den Charakter. Den alten Grantler zu speilen, macht unwahrscheinlich viel Spaß."

 

Jakob Fugger Consulting – Tageszeitung

18. Mai 2015

Presse am 18. Mai 2015 über den Auftritt auf "Schloss Edelstetten":
"Glanzstück war die Aufführung von „Jakob Fugger Consulting“. Das Ein-Personen-Drama basiert auf der Annahme, Jakob Fugger lebe noch. Sein vor 500 Jahren schon sagenhaftes Vermögen hat mittlerweile gigantische Ausmaße angenommen, sein Büro avancierte zur geheimen Machtzentrale der Welt. Dort sitzt der Alte, grantelt, räsoniert, zieht per Telefon die Fäden und amüsiert sich darüber, dass die Mächtigen der Welt nur seine Marionetten sind. Er agiert und kalkuliert rücksichtslos, zynisch. Und doch menschelt er, als schmerzgeplagter Alter, als jemand, der am Niedergang Augsburgs unsäglich leidet und der keinen Widerspruch zwischen Gottesfurcht und Habgier kennt. Heinz Schulan, der schon bei der Uraufführung 2007 im Sensemble-Theater den Fugger verkörperte, zog alle Register schauspielerischen Könnens, um diese schillernde Gestalt in all ihren Facetten lebendig werden zu lassen."

 

Wo bleibt die Moral? – Augsburger Allgemeine

10. Februar 2014

Wo bleibt die Moral?

Sebastian Seidels „Böser Bruder“ im Sensemble-Theater Von Birgit Müller-Bardorff

Mit Worten und Handgreiflichkeiten tragen Karl (Ralph Jung) und Franz (Florian Fisch) ihre Konflikte aus.

Sie sind Brüder, der eine als politischer Aktivist in der Welt unterwegs, der andere zu Hause bei Vater und Geschäft. Sie heißen Karl und Franz, und in ihrer Jugend haben beide für ein Mädchen namens Amalia geschwärmt. Natürlich denkt man an Schillers „Räuber“ bei der Inhaltsangabe zu Sebastian Seidels Stück „Böser Bruder“, das am Freitag im Sensemble-Theater uraufgeführt wurde. Der Autor, der das Auftragsstück für das Brechtfestival selbst inszenierte, verwendet den klassischen Bruderkonflikt als Vorlage und verknüpft ihn mit Bert Brechts epischem Theater und seiner grundsätzlichen Frage, ob es möglich ist, ein moralisch gutes Leben zu führen.

Seidel erzählt nicht linear, sondern verschränkt den Dialog der beiden Brüder mit zusätzlichen Elementen: mit Protest-Songs der DDR-Jugendbewegung, die vom Allgäuer Sänger Rainer von Vielen interpretiert werden, mit einer Videoprojektion, in der der Vater (Heinz Schulan) das kaschubische Märchen vom „Bösen Bruder“ erzählt, und mit einem Vortrag, in dem Karl sich ans Publikum wendet und Fakten über die Welternährungsproblematik vorträgt. Eine kluge und in ihrer szenischen Ausführung äußerst gelungene Montage, die das Thema auf mehreren Ebenen durchdringt.

„Ich kümmere mich nicht um die einzelnen Menschen, sondern um die Versorgung ganzer Völker.“ Mit diesem Satz meint Karl, auf der richtigen Seite zu stehen. Jahrelang hat er im Auftrag der Uno Programme für die Ernährung hungernder Menschen erarbeitet. Sein Bruder Franz ist derweil zu Hause geblieben, hat Amalia geheiratet, einen Sohn großgezogen und den elterlichen Lebensmittelladen, der jetzt pleite ist, übernommen. Der Vater wird nur noch durch eine Magensonde am Leben gehalten, die beiden Söhne sollen entscheiden, ob er so weiterlebt. Hier geht es nicht um Prinzipien, sondern um den konkreten Fall – und damit prallen die unterschiedlichen Denk- und Lebensweisen der beiden Brüder aufeinander.

Nach den üblichen Floskeln wie „Gut siehst du aus“ und „Du bist ganz der Alte“ kommen sie schnell zur Sache. Franz ist angewidert von der Selbstgerechtigkeit Karls. Der wiederum fühlt sich unverstanden in seinem Engagement. Die Konflikte reichen bis in die Kindheit und Jugend zurück, in die Zeit, als sie mit den Kameraden am Lagerfeuer saßen, als sie beide in Amalia verliebt waren und Franz sie seinem Bruder ausgespannt hat. Mit diesem Schwenk ins Individuelle und Private gewinnt das Stück an Intensität und Berührungskraft, weil Thesen und Argumente zu Emotionen werden. Das gibt auch den beiden sehr überzeugend agierenden Darstellern Florian Fisch als Franz und Ralph Jung als Karl die Möglichkeit, in ihrem Spiel nicht nur als Vertreter gegensätzlicher Positionen auf der Bühne zu stehen, sondern als glaubhafte Menschen.

Das Stück spielt mit den als selbstverständlich geltenden Wertvorstellungen und ihrer individuellen Umsetzung, und es lohnt sich, genau hinzuhören, denn viele Sätze bekommen eine absurde Doppelbedeutung. „Werde doch nicht moralisch“, wirft da Karl, der die Moral für sich gepachtet haben will, seinem Bruder vor. Der Zuschauer gerät in einen Zwiespalt, denn Verständnis bringt man natürlich für den im Stich gelassenen und böse betrogenen Franz auf, aber wer möchte Karls Einsatz für die Weltbevölkerung verurteilen, und wer versteht nicht seine Sehnsucht nach dem Vater, die er all die Jahre doch hatte? Es bleiben also – nach guter Brecht’scher Tradition – Betroffenheit und viele offene Fragen.

 


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