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Presse - Richard Hurford

Das Auge, gib es mir – kurier.at

16. März 2014

Zur DSE am Landestheater Linz. „Das Auge, gib es mir“. „Eyecatcher“ feierte im Linzer u\hof: Theater seine Erstaufführung

Schauderhaft und gruselig geht es zu im Linzer Theater für junges Publikum u\hof. „Eyecatcher“, vom englischen Dramatiker Richard Hurford verfasst, führt uns ein in den antiken Mythos rund um den heldenhaften Perseus, dem Sohn des Zeus. Perseus hat den Auftrag, Medusa, dieTochter des Meeresgottes Phorkys, zu töten. Ihr Haupt mit Schlangenhaaren lässt jeden, den es erblickt, zu Stein werden. Hurford hat den bekannten Heldenepos jedoch neu erzählt und verpackt ihn in eine moderne Geschichte, in dem er das Heldentum an sich in Frage stellt und die Thematik über Gut und Böse ins Wanken bringt.

Ironie im Gepäck

Der fesche, ganz in weiß gekleidete Perseus, gespielt von Markus Pendzialek, ist selbstsicher, schlau und mutig, zumindest gibt er sich so.
„Wir spielen etwas mit dem Heldenepos und machen uns auch über die Coolness von Helden lustig“, sagt dazu Margit Mezgolich, die für die Inszenierung der deutschen Erstaufführung verantwortlich zeichnet. Ganz versessen und unbeirrbar hat der manchmal satirisch wirkende Perseus während
der 50 Minuten nur ein Ziel: Ruhm. Schon am Anfang richtet sich sein Fokus auf ein Paar Stiefel aus Schlangenleder, die es nirgend wo zu kaufen gibt. Um diese ruhmreichen Stiefel zu erlangen muss er bis ans Ende der Welt reisen und gegendie sagenhafte Medusa kämpfen.

Düster und gruselig

Das Ende der Welt wurde von Bühnenausstatterin Alexandra Burgstaller gekonnt in eine düstere und dunkle Kanalisationverwandelt. Der Zuschauer wird durch die unmittelbare Nähe – das Theater ist ja nicht sehr groß – in das gespenstische Ambiente hineingezogen. Der Sound von Franz Flieger Stoegner unterstreicht die Stimmung. Drei Schwestern, die Graien Grim, Gris und Gru – von Wenzel Brücher, Sabrina Rupp und Katharina Stehr wirklich hässlich und zum fürchten dargestellt – bewachen Medusa. Als Perseus ankommt, wird er schnell von den drei Wächterinnen überwältigt – ihm bleibt jedoch eine Chance. Die drei Schwestern haben nur ein gemeinsames Auge, das sie sich teilen. „Wo ist das Auge, gib es mir!“ Immer nur eine hat die Möglichkeit zu sehen.

Was ist ein Held?

Mit einer raffinierten List, in der sich Perseus die Sehnsüchte der Gestalten zu nutze macht, gelingt es ihm letztlich, sie gegeneinander auszuspielen. Er köpft Medusa und feiert mit geschwellter Brust seinen Triumph. Die Geschichte scheint zum guten Ende gefunden zu haben, doch dann setzt die Aufführung zum moralischen Bruch an. Was ist eigentlich ein Held? Ist die Tötung eines Ungeheuers nur des Ruhmes wegen gerechtfertigt? Sind drei
hässliche Frauen, die ihre, wenn auch ungeheuerliche, Schwester geheim in der Unterwelt bewachen, überhaupt böse? Wer ist Täter, wer Opfer? DasStück, das die Mythologie mit unserer Gesellschaft in Beziehung setzt, regt vor allem das junge Publikum (ab zehn Jahren!) zum Nachdenken an.