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Presse - Reiner Karl Müller

Weinen. Und Lachen – Badische Zeitung

19. Juni 2015

Das neugegründete Freiburger Kindertheater Firlefanz.

von Marion Klötzer

 

Ein Hausmeister, der schon lange sein Lachen verloren hat, eine Putzfrau, die für jeden Schabernack zu haben ist, obwohl sie selbst oft ausgelacht wird. Eine erst sperrige, dann flügelzarte und intensive Begegnung als vierzigminütiges Kammerspiel, bei dem es um Trauer, Vertrauen und Lebensfreude geht. Das ist ungewöhnlicher Stoff für ein Kinderstück, das einmal nicht aus den für solch mutige Projekte bekannten Niederlanden kommt, sondern aus der Feder des in Oberkirch geborenen und nun aus Hildesheim angereisten Autors Reiner Karl Müller.

 

Seine 2011 in Esslingen uraufgeführte "Reise nach Honolulu" ist ein Klassenzimmerstück, das dann auch achtzig Mal in verschiedenen Grundschulen gespielt wurde. Das macht Sinn: Aufführungsort ist hier gleich Bühnenbild, stoßen Hausmeister Flinkezange und Putzfrau Dreckschreck doch in der Pause zwischen Pult und Tafel aufeinander. Bis auf Werkzeugkiste und Putzwagen braucht es da keine Requisite, trotzdem kreieren die beiden eine ganze Welt. Jetzt feierte das neugegründete Freiburger Kindertheater Firlefanz mit dem Stück im inklusiven Theaterkollektiv "Blickkiste" in der Freiburger Wiesentalstraße Premiere und Debüt.

 

"Mehr Theater für alle", so das Motto von Regisseurin Jasminka Wrobel und ihren beiden Schauspielern, die diese erste Produktion über Crowdfunding finanzierten und sich als mobiles Ensemble verstehen. Und damit nicht nur klug auf die angespannte Freiburger Raumsituation reagieren, sondern vor allem einen niedrigschwelligen Theatereinstieg in vertrauter Umgebung bieten wollen. Der Start gelingt famos: Das Stück ist so verspielt wie vielschichtig, Schauspielerin Sophie Eckerle und der australische Clown und Comedian Julian Bell haben Bühnenpr.senz, agieren körperstark mit viel Gespür für Situationskomik und Zwischentöne. Und so gibt’s bei aller Poesie auch viel zu lachen. Dabei ist der bierernste Hausmeister erst ziemlich genervt von dieser aufdringlichen Putzfrau, die ihn sogar in seinem Versteck zwischen den Zuschauerreihen aufstöbert. Was will diese verrückte Nudel, die alberne Sprachspiele veranstaltet, verdrehte Schiller-Gedichte rezitiert und ihn hartnäckig mit der Frage löchert, warum er eigentlich nie lache? Ihre freundliche Blauäugigkeit macht ihn schließlich handzahm – und katapultiert beide in ferne Kindheitstage als ein Verlust zu einem folgenschweren Versprechen führt. Höchste Zeit die emotionale Rohrzange anzusetzen um die Verstopfung zu lösen...

 

Zwei konträre Charaktere, die hier ohne Kitsch und Übertreibung, aber mit viel Charisma auf die Bühne kommen: Der eine ein erloschener Jedermann, der seine Träume und Gefühle längst auf Eis gelegt hat, die andere ein ebenso verletzliches wie strahlendes Energiebündel. "Wer weinen kann, kann auch lachen", so die Botschaft, die ganz federleicht zwischen sprachwitzigen Dialogpingpong, ausgelassene Rollenspiele und ein bisschen Zauberei passt.

 


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