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Presse - Monika Gerboc

Wendy allein zu Haus – Lausitzer Rundschau

29. November 2011

UA am piccolo Theater, Cottbus

Wendy allein zu Haus

Premiere für eine der berühmtesten Kindergeschichten am Piccolo-Theater: „Peter Pan“

Drei Piraten gegen ein Plüschtier. Ein Wischmopp als mächtige Waffe im Kampf gegen Seeräuber und allerlei andere feindliche Übergriffe, gegen die ein Kinderzimmer ständig gewappnet sein muss. Gut, wenn man da Verbündete hat, auf die Verlass ist: Feen, ein großer Hund und eine Welt, die nirgendwo so groß und bunt ist, wie in einem Kinderhirn. Oder doch?

Wendy ist ein zuckersüßer Wildfang mit viel Fantasie. Und auch wenn ihr alleinerziehender Vater mehr Sorgen als Zeit hat: die beiden haben sich lieb. Wo Papa ausfällt, springt Hund Nana als Kindermädchen ein und all die wunderbaren Typen, die sich Wendy so ausgedacht hat: Peter Pan und die Fee Tinkerbell zum Beispiel. Wendys Welt ist ganz in Ordnung – bis sie eines hektischen Tages Papas gute Hose aus Versehen in eine Piratenflagge verwandelt hat: Da reicht es ihm. Wendy soll erwachsen werden und zwar schleunigst.

Die Krise im wirklich wahren Kinderleben ist die ganz große Stunde für Peter Pan, der in seinen abgerissenen quietschgrünen Kleidern all das nicht hat, was Wendy so fertig macht: keine Eltern, dafür eine Fee.

Dauer-Spaß statt Trauer

Keine traurigen Erinnerungen, dafür Dauer-Spaß. Peter Pan bringt in Wendys Leben Feenstaub und lauter gutgelaunte Ideen, seine Welt ist das Nimmerland, wo alles möglich scheint, wenn man nur daran glaubt. Und wer nicht erwachsen werden will, der fliehe gefälligst!

Der Schotte James M. Barrie hat die Geschichte vom Jungen, der nicht erwachsen wird, ursprünglich genau für Erwachsene ersonnen – und ganz offenkundig einen Nerv getroffen: als Buch, Bühnenstück und in ungezählten Verfilmungen trat „Peter Pan“ vor gut einem Jahrhundert einen Siegeszug um die Welt an.

Peters Heimat, die Insel Nimmerland steht für endlose Jugend und Unsterblichkeit- eine Welt, die ihre Tücken hat, auch wenn Peters Nimmerland nicht ganz so tragisch mit der Welt kollidiert wie jenes „Neverland“ von Michael Jackson. Die junge Regisseurin Monica Gerboc hat den gängigen Peter Pan Mythos gründlich entkitscht und der Piccolo-Bühne eine poetische, kompakte Geschichte auf den Leib geschneidert. Gute Einfälle und ein sichtbar spiellauniges Ensemble ersetzen die im Original vorgesehene Riesenbesetzung.

Die furchteinflößende Piratenbande ist exakt zwei Mann stark (clownesk und mit Mut zum Slapstick: Werner Bauer und Matthias Heine), und dass Captain Hook Ähnlichkeit mit Wendys Papi hat… nicht allein, dass es der Größe des Piccolo-Stammes geschuldet wäre. Selbst das hat eine bedenkenswert philosophische Komponente.

Als Peter im Kampf mit den Piraten tödlich verletzt wird, bekommt Wendy mitten im Nimmerland Angst. Weil sie ihn lieb hat, will sie sich opfern. Alles, was sie verletzbar macht, macht sie eben auch zum Menschen. Was für eine schlichte, was für eine schöne Geschichte. So vielschichtig, so kompliziert-unkompliziert, so wahr: für Erwachsene starker Tobak, Kinder verstehen das. Die im Publikum jedenfalls kichern, staunen, fiebern mit. Sie verpetzten die Feinde – und gehen bei Gefahr auf Mamas Schoß in Deckung (wozu Erwachsene dann eben doch wieder ganz brauchbar scheinen).

Wendy wird zum gestressten Papi zurückkehren, und das nicht allein. Erwachsenwerden – das letzte große Abenteuer. Am Piccolo bestimmt. Die drei bis zehnjährige Fachkritik jedenfalls fand: großer Wurf!

Von Sylvia Belka-Lorenz

 


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