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Theater Neu-Ulm: Kämpferische Puppe oder clevere Frau? – Augsburger Allgemeine

18. November 2019

Im Stück „Die Puppe“ bestellt sich ein Mann die vermeintlich perfekte Gefährtin – in Form eines Roboters. Doch sein Plan funktioniert nicht wie gedacht.

Von  Dagmar Hub

Gerade fünf Jahre alt ist Miro Gavrans Theaterstück „Die Puppe“, und noch haben nicht allzu viele deutsche Bühnen das Werk des kroatischen Schriftstellers aufgeführt. Das Theater Neu-Ulm tut dies derzeit – mit der ungarischen Musicaltheater-Akteurin Dalma Viczina in der Titelrolle, die bereits als „Anita“ in „West Side Story“ zu erleben war, und mit einer wirklich neuen Idee des Regie-Paares Claudia Riese und Heinz Koch: Die hochmoderne, aus ökologischen Materialien gefertigte Puppe Stella, die sich der verlassene Marko in die Wohnung liefern ließ, um eine folgsame, attraktive Partnerin zu haben, die ihn bedient, die immer Lust auf Sex hat und die nicht widerspricht, durchläuft eine Entwicklung – und die lässt den Zuschauer am Ende rätseln: Ist die Puppe Stella nun wirklich eine Puppe – oder ist sie in Wirklichkeit eine clevere Frau?

Andere Bühnen brachten „Die Puppe“ auch schon als technisch perfekte und wie eine Sexpuppe geformte Androidin auf die Bühne. Anders bei Riese und Koch: Stella, wie Marko (Marcus Jakovljevic) seinen vermeintlichen Volltreffer nennt, ist nicht nur äußerst attraktiv, sondern auch ungemein lernfähig, und sie kann nicht lügen. Auch nicht bei der männlichen Frage des „Wie war ich?“. Die Puppe beginnt zunehmend, sehr menschliche Emotionen zu zeigen, Marko die Enttäuschung über sein Verhalten spüren zu lassen, und sie fängt an, sich zu rächen. Wenn Marko eine Puppe will – dann beginnt Stella eben, sich wie eine Puppe zu bewegen. Dalma Viczina in dieser Rolle zu erleben, ist ein Hochgenuss; sie spielt ihren Spaß an Stellas Rache voll aus: Stella übernimmt immer mehr die Position, Marko zu spiegeln und ihm aufzuzeigen, woran seine langjährige Beziehung zu der Mathematiklehrerin Maria scheiterte. Tiefgang findet sich in der Komik: Marko kann nicht mehr verbergen, warum er Maria den Wunsch nach Ehe und Kindern abgeschlagen hat. Sein eigener Konflikt mit seinem abgelehnten, früh verstorbenen Vater lässt ihn keine Kinder wollen.

Marko vergeht die Lust auf Sex. Im gleichen Maß nimmt sein Konsum an Alkohol und Essen zu, sein Zorn steigert sich. Er präsentiert sich als der egoistische und unsympathische Typ, der er auch in der Beziehung zu Maria gewesen sein mag. Die Puppe sei ja noch schlimmer als ein echtes Weib, findet er – und obwohl die Puppe so programmiert sein soll, dass sie mit Marko an Intelligenz und Wissen etwa auf dem identischen Niveau ist, gewinnt Stella immer mehr die Überhand: Man spielt Schach. Die 20. Partie des Paares. Die 20., die Marko verliert. Und angesichts von Markos Frust und Wut stellt sie die offene Frage, ob er möchte, dass sie ihn gewinnen lässt. Denn auch das könnte sie. Doch womit reizt man den Verlierer mehr als mit dem Angebot, ihn absichtlich gewinnen zu lassen? Diskutiert man über Gott und die Welt – stets bleibt Stella unschlagbar philosophisch-logisch, während sich Marko in den Wirrungen emotionaler Auslegungen verläuft.

Eine der schönsten Ideen des Stückes ist es, dass Dalma Viczina ihre Sicht auf Marko und seine Schwächen in jazzigen Songs und in Balladen kommentiert. Georg Kreislers „Heute fand ich alte Tränen“ rührt tief an die Seele und ist ein Höhepunkt des Abends. Und Marko? Er steht vor den Scherben seines Lebens. 40 ist er, nichts ist gelungen – und dann verlässt ihn auch Stella. Doch nicht, ohne ihm eine lebensentscheidende Idee zu geben.

Ärger in der Puppenstube – Augsburger Allgemeine

26. Oktober 2017

Stella wäre eine Traumfrau, doch sie ist ein programmiertes Wesen. Das führt zu unterhaltsamen Wendungen

Hemmungsloser Sex, nie wieder allein sein, mit allen Unzulänglichkeiten bleiben dürfen, wie man ist, und gleichzeitig alles kriegen, was man will – ein verlockender Wunsch, der der tief sitzenden menschlichen Neigung, möglichst überschaubar schmerzfrei überleben zu wollen, sehr entgegenkommt. Die Idee: eine Puppe als Partner. Hochentwickelt, der menschlichen Gestalt zum Verwechseln ähnlich konstruiert und programmiert. Diesen Traum, der, machen wir uns nichts vor, inzwischen auch in der Realität Einzug hält, möchte sich Marco erfüllen. Er ist der tragische Held in der Komödie „Die Puppe“ des kroatischen Erfolgsautors Miro Gavran. Regisseur Sebastian Seidel brachte das 2004 entstandene Stück jetzt an seinem Sensembletheater mit grandiosen Darstellern zu einer hochamüsanten, unterhaltsamen deutschsprachigen Erstaufführung.

Geistreich, lustig, leicht, ein durchweg gelungener Abend an dem kleinen feinen Theater, das sich mit der Spezialisierung auf Ur- und Erstaufführungen zeitgenössischer Stücke in Augsburg einen Namen und einen Platz in den Herzen der Zuschauer erarbeitet hat. Gast auf der ausverkauften Premiere ist auch Tihomir Glowatzky, der die wendige Übersetzung aus dem Kroatischen für dieses wie auch für andere Stücke Miro Gavrans besorgt hat. Auch mit dem Autor, dessen Stücke weltweit über 300 Premieren feierten und allmählich auch die deutschen Spielpläne erobern, steht Sebastian Seidel in persönlichem Austausch.

„Die Puppe“ ist ein schnurrendes Konversationsstück mit viel Dialogwitz, komischen Pointen und zwei wunderbaren Rollen, die mit den Schauspielern Kerstin Becke als programmierte Puppe Stella und Heiko Dietz als beziehungszerknirschter Marco fantastisch besetzt sind.

In einem riesigen Karton ist Marcos Verheißung, die er in einem Wettbewerb zur Benutzung auf Probezeit gewonnen hat, verpackt. Eine lebensechte Puppe, hübsch, jung, gut riechend, für leidenschaftlichen Sex mit einem Mann programmiert. Es könnte perfekt sein. Die Krux – Stella passt sich proportional den Wertmaßstäben des Benutzers an. Und, weil Maschine, gibt sie sich ausschließlich mit Antworten zufrieden, die auf logischen Argumenten beruhen. In Marcos Leben aber ist einiges unlogisch und ungereimt und das möchte er möglichst nicht beleuchten. Nach und nach deckt Stella im gemeinsamen Zusammenleben menschliche und männliche Unentschiedenheiten und Unzulänglichkeiten Marcos auf und trifft ihn damit bei allen Schmerzpunkten.

Sein empfindlichster: die nicht überwundene Trennung von Maria. Die schonungs- und emotionslosen Analysen Stellas in immer freundlichem Ton machen Marco zunehmend zu schaffen. Und es kommt noch ärger. Am Ende der sechs Monate eröffnet Stella Marco ihre Bilanz, die auf seinen Wertmaßstäben beruht: Marco hat sich so mies verhalten, dass er selbst die Probezeit mit einer Puppe nicht bestanden hat. Das ist ein witziger Schluss und erfreulicherweise nicht die letzte Wendung.

Die bei der Premiere hoch gefeierte Inszenierung fliegt nur so dahin, rasant galant erfolgen Umbauten, das Tempo ist hoch, Sebastian Seidel lässt Slapstick und Stummfilmkomik aufs Amüsanteste in die Szenen einfließen, während sich Marco herzergießend in der Midlife-Crisis in Hätte-wäre-wollte-Monologen ergießt, lässt Sebastian Seidel Stella putzen. Ihre eigene Benutzeroberfläche und Marcos Junggesellenbude. Großartig, Kerstin Beckes entzückend mechanischen Bewegungen beim Bettmachen inklusive Salti auf High Heels und ihr leuchtender Stand-by-Blick.

Wunderbar berührend und hinreißend komisch, wie Heiko Dietz den überforderten, gequälten sensiblen Marco am Rande des Nervenzusammenbruchs zwischen Falsett und Heiserkeit gibt.

Eine Puppe als Partner – Augsburger Allgemeine

26. Oktober 2017

Sensemble spielt Stück eines kroatischen Erfolgsautors

Stella sieht nicht nur sehr gut aus, sie erledigt auch alle häuslichen Aufgaben zur vollsten Zufriedenheit, ist auf leidenschaftlichen Sex mit einem Mann eingestellt – und sie ist technisch ausgereift. Denn Stella ist eine lebensechte Puppe. Marko, 40 Jahre alt und alleinstehend, hat sie gewonnen und darf sie nun ein Jahr lang testen. Aber während Stella lernfähig ist und sich dem Verhalten Markos anpasst, kommt der aus seinen männlichen Verhaltensmustern nicht heraus. „Die Puppe“ hat an diesem Samstag im Sensemble Theater Premiere. In Osteuropa wird dieses Stück des kroatischen Autors Miro Gavran oft gespielt, in Deutschland erlebt es nun seine Erstaufführung.

„Ein Boulevardstück auf hohem Niveau mit Witz und Hintergrund“, urteilt Tihomir Glowatzky, der „Die Puppe“ übersetzt hat. Dabei spiegle das Stück die Psyche eines Mannes, der Verhaltensweisen wie Rechthaberei, Egoismus und Eifersucht nicht mehr ablegen könne. „Er findet keine Frau, und nicht einmal mit einer Puppe kann er umgehen“, fasst er zusammen. Glowatzky, der in Zagreb geboren wurde und als Deutschlehrer in Bamberg gearbeitet hat, kennt die Stücke Miro Gavran sehr gut. Fünf weitere hat er übersetzt. „Die Puppe“ sieht er in der Tradition von Stücken wie etwa E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“, die von Puppenmenschen handeln. Zudem habe der Autor das durchaus verbreitete Phänomen von Menschen, die mit Puppen als Partnerersatz leben, aufgegriffen.

Miro Gavran verbindet in seinen Stücken Tränen mit Lachen. „Seine Komödien sind immer mit einem Stück Ernst, und seine ernsten Stücke haben immer Humor. Diese Art kommt in Osteuropa besonders gut an“, stellt sein Übersetzer dar. Gavran sei der meistgespielte Autor Kroatiens und in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Zusammen mit seiner Frau, einer Schauspielerin, leitet der Autor in Zagreb ein Theater, das ausschließlich seine Stücke spielt. Seit zehn Jahren gibt es ein eigenes Festival, zu dem Aufführungen von Gavrans Stücken eingeladen werden. Zum dritten Mal findet es im April nächsten Jahres in Prag statt. Die Inszenierung des Sensemble Theaters, für die Theaterleiter Sebastian Seidel Regie führt, wird dort gastieren.


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