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Presse - Mareike Zimmermann

Herr Winter hockt im Tiefkühlfach – Der Bund

14. Dezember 2015

So geht Kinder-Oper: Mareike Zimmermanns «Ritter Odilo und der strenge Herr Winter» begeistert bei der Schweizer Erstaufführung in den Vidmarhallen.

Die Kinder wären da, die Oper könnte beginnen. Bloss: Es sieht nicht so aus, als ob da was passiert. Kein Dekor, kein Bühnenlicht, überhaupt nichts Theatralisches. Wenn wenigstens einer da wäre, der das müde Piano in der Ecke erweckt. Wie die Kinder Löcher in die Leere gucken und sich wundern, wann denn das Spiel beginnt, platzt auch noch einer zur Tür herein, der da offensichtlich nichts zu suchen hat.

Auf seiner Sackkarre hat er ein verpacktes Riesending. Ist hier die Konditorei Algida? Nervös nestelt die schicke Chefin des Staplers, der Wolfgang heisst, in den Lieferpapieren zu dem mannshohen Paket, in dem sich ein Kühlschrank verbirgt. «Nein», rufen die Kinder, «hier ist ein Theater.»

Wie recht die Knirpse haben! Wolfgang macht nun tatsächlich Theater. Gleich platzt ihm der Kragen, so genug hat er vom Einladen und Ausladen, vom Schuften und Schleppen. Und vom Herumkommandiert-Werden sowieso. «Ich hab Hunger, ich brauche eine Pause.» Und weil Pause ohne Inhalt öde ist und sonst nichts da, um sich die Zeit zu vertreiben, setzt sich Anne ans Piano.

Wie sie in die Tasten greift und natürlich zufällig eine hervorragende Pianistin ist und Wolfgang ein formidabler Sänger, da realisieren die Kinder wie nah das richtige Leben und Theater sein können und dass sich das eine vom andern nicht immer trennen lässt.

Die wundersame Rittergeschichte (Regie Alexander Kreuselberg) funktioniert mit einfachsten Mitteln. Wolfgang Resch, seines Zeichens Staplerfahrer und Bariton, klappt den Kühlschrank auf und sichtbar wird wie in einem Bilderbuch ein gemaltes Schloss mit Glitzerleuchter, eine Backstube – und ein Tiefkühlfach, in dem Herr Winter hockt.

Es sind Zutaten für ein Märchen, das weniger durch Logik als durch Selbstironie, fantastische Verwandlungen und barocke Arien lebt. Als mutiger Ritter Odilo macht sich Wolfgang Resch auf in den Kampf gegen einen Drachen, was aber leichter gesagt als getan ist. Herr Winter macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Das Ritterross ist erkältet, es hüstelt und schnupft und singt urkomisch im Pferdefalsett. Und der Drache hält wegen der Kälte wie Igel und Haselmäuse einen Winterschlaf. Pech für Odilo, nicht mal ans Handy geht das Monster, als er es zum Kampf aufbieten will.

Sechs Rollen in Personalunion

Wolfgang Resch ist in Personalunion Ritter Odilo, Ross, Prinzessin, Küchenfee Algida und Herr Winter. Ein Riesenspass (auch für Erwachsene) ihm zuzusehen und zuzuhören, wie brillant sich der 25-Jährige verwandelt und zum Beispiel als Küchenfee Algida in der Burgküche Cupcakes bäckt und dabei wie ein singender Dirigent mit der Kelle die Backzutaten in den Teig fuchtelt. Auch sonst gibts viel fantastischen Do-it-yourself-Märchenzauber (Dramaturgie Katja Bury).

Weniger ist hier mehr: Eine Handvoll weisse Fetzchen aus Odilos Hosentasche genügen für einen Schneesturm. Glitzerkonfetti, ein Krönchen und ein bisschen Tüll machen aus ihm im Handumdrehen eine Prinzessin (Bühne Andrea Zurfluh, Kostüme Maya Däster). Der Sänger, den man auf der grossen Opernbühne etwa als Papageno in der «Zauberflöte» oder als Eddy in «Greek» erleben konnte, hat mit seiner burschikosen Natürlichkeit auch vor dem kritischsten Opernpublikum überhaupt, den Kindern, Bestand. Wie er von schockgefrorenen Staccati durch die Frost-Musik (Chorus of the cold people) aus «King Arthur» schlottert, geht den Kindern durch Mark und Bein.

Das dreiviertelstündige Zweipersonenstück (ab 6 Jahren) ist von Autorin Mareike Zimmermann als Klassenzimmer-Oper mit Happy End konzipiert. Was das bedeutet? Konzert Theater Bern geht damit in Berner Schulen, um Kinder für die Oper zu begeistern. Gute Idee: Mit dem feschen Odilo als Galionsfigur müsste das Projekt ein Kinderspiel werden.

von Marianne Mühlemann

 

Zwei-Mann-Oper mit Ohrwurmgefahr – Neue Presse

11. Februar 2015

Ritter Odilo erobert als mobiles Stück des Landestheaters die Grundschule Ketschendorf. Für die "Ritter-Klassenzimmer-Oper" braucht es nur ein Klavier und ein bisschen Fantasie.

Von Cornelia Stegner

Coburg - Achtung, Ohrwurmgefahr! Spätestens nach dem zweiten Refrain ist es nicht mehr aus dem Kopf zu bekommen: "Das geht so, das geht so, das Lied von dem Ritter Odilo..." Die Kinder der Grundschule Ketschendorf sind das Premierenpublikum der allerersten Klassenzimmer-Oper, die Coburg jemals erlebt haben dürfte. "Das Konzept der Klassenzimmer-Stücke gibt es seit 2008", erklärt Luca Pauer, die Theaterpädagogin des Landestheaters, "aber eine Oper hat es noch nie gegeben." Das mobile Stück "Ritter Odilo und der strenge Herr Winter" kommt mit minimaler Ausstattung daher: zwei Darsteller, ein Kühlschrank, eine Sackkarre und etwas Verpackungsmaterial - fertig. "Alles, was wir brauchen, ist ein Klavier", sagt Luca Pauer, die mit dem niederschwelligen Kulturangebot sowohl Grundschüler als auch Vorschulkinder ansprechen möchte. Um was geht's? Silvio (Dominik Tremel) und Daniel (Michael Lion) haben sich mit ihrem Lieferservice in der Adresse geirrt. Ausgerechnet ein schwerer, sperriger Kühlschrank soll ausgeliefert werden - und zwar in der Konditorei Algida. Gelandet sind die Arbeiter aber mitten im Klassenzimmer. Nein, hier hat niemand diesen "sauschweren Mist-Pups-Kühlschrank!" bestellt. Die Erst- , Dritt- und Viertklässler in Ketschendorf kichern; der Mist-Pups-Kühlschrank wird zum Running Gag. Weil Silvio und Daniel aber so gar nichts zu lachen haben, flüchten sich beide in die Welt der Fantasie. Sie erfinden einen Ritter namens Odilo. In Odilos Welt ist gerade nicht viel los: das Pferd namens Kumpel liegt mit Schnupfen flach, der Drache hält in der Höhle Winterschlaf und die Prinzessin mag keine kalten Füße kriegen und bleibt deswegen schön zu Hause. Blöd für Ritter Odilo, der nun so gar nichts rittermäßiges zu tun hat. Und wer ist Schuld an der Misere? Der strenge Herr Winter. Ritter Odilo will es also tapfer mit dem Herrn Winter aufnehmen. Mit Unterstützung seiner Küchenfee Algida zieht Odilo los. Aber er hat die Macht des strengen Herrn Winter wohl ein klein wenig unterschätzt. Nur weil sich der Herr Winter in die Küchenfee Algida verliebt, kann dieser bezwungen werden.

Die Geschichte von Ritter Odilo, mit der sich die Regisseurin Mareike Zimmermann erstmals als Autorin vorstellte, zieht in der Inszenierung von Renate Liedtke die Kinder von Anfang an in den Bann. Wie Ritter oder Pferd auszusehen haben, darf sich jeder selbst ausmalen. Im Stück ist einfach der Sackkarren das Pferd, das Zaumzeug besteht aus Spanngurten und der Herrrr Winter ist ein großes Stück Styropor, mit dem der zu liefernde Kühlschrank verpackt war. Opernsänger Michael Lion haucht sowohl dem Lieferandeten Daniel als auch dessen Hirngespinst Odilo, dem Pferd Kumpel, der Fee Algida und dem Herrn Winter stimmgewaltig Leben ein. Und setzt nicht nur in Ritterkreisen mit einer ausgefeilten disko-Choreografie zum Odilo-Lied Maßstäbe. Dominik Tremel, seit September 2014 Ballett- und Solorepetitor am Coburger Landestheater, ist nicht nur der pflichtbewusste Silvio, sondenr auch der verschnupfte Drache und die zickige Prinzessin - und nicht zuletzt die Begleitung für Michael Lion am Klavier mit Musik aus Henry Purcells "König Arthur". Gemessen am Applaus und den "Zugabe"-Rufen gerät die Klassenzimmer-Opernpremiere um Ritter Odilo und den strengen Herrn Winter in der Grundschule Ketschendorf zum vollen Erfolg. "Mir hat am besten gefallen, wo der so getanzt hat und so lustige Bewegungen gemacht hat", sagt der neunjährige Frederik. Abu, 11 Jahre alt, findet den "Witz" bei der ganzen Geschichte gut. Und Umar, 9 Jahre alt, habe am meisten bei der Szene gelacht, "als der Ritter die Prinzessin auf ihrem Handy angerufen hat". Schulleiterin Jutta Wuzel ist nach der Aufführung begeistert. Im Musikunterricht werde der Ritter Odilo auf alle Fälle noch einmal besprochen. Und das Odilo-Lied dürfte an der Grundschule Ketschendorf wohl der neueste Hit werden.

"Ritter Odilo" feiert gelungene Premiere in der Grundschule – Coburger Tageblatt

28. Januar 2015

Coburg - "Zugabe, Zugabe" hallt es durch die Aula der Grundschule Ketschendorf. Das Premierenpublikum ist begeistert.

von J.B.

Das Premierenpublikum - das sind in diesem Fall die Schüler einer dritten und vierten Klasse, die das Privileg hatte, als erste die Klassenzimmer-Oper "Ritter Odilo und der strenge Herr Winter" zu erleben.

"Wir wollen einfach ein Klassenzimmer zur Bühne machen", sagt Luca Pauer, Theaterpädagogin am Landestheater Coburg. Nötig ist dafür nur ein Klavier - den Rest bringen die beiden Darsteller mit - der Bassist Michael Lion und der Korrepetitor Dominik Tremel. Als Daniel und Silvio spielen Lion und Tremel zwei Arbeiter, die eigentlich einen Kühlschrank liefern sollen, weil sie sich jedoch in der Adresse irren, in nicht in der Konditorei Algida, sondern in einem Klassenzimmer landen, entwickelt sich daraus ein munteres Spiel mit Ritter-Geschichten, mit Prinzessinnen, schlafenden Drachen und dem gestrengen Herrn Winter. Daniel verwandelt sich in den mutigen Ritter, Silvio setzt sich ans Klavier - und schon verzaubern Lion und Tremel ihr junges Publikum mit ihrem Spielwitz.

Regisseurin Renate Liedtke hat mit knapper Probenzeit und reichlich Fantasie aus dieser Klassenzimmer-Oper ein munter zwischen Märchen- und Alltagswelt pendelndes kurzweiliges Stück Musiktheater gemacht. Als ihre eigene Ausstatterin gelingt es ihr, banale Alltagsgegenstände in charakteristische Requisiten zu verwandeln: Eine Styropor-Platte wird zum Schild des Ritters, eine dämmende Umzugsdecke wird zum Ritter-Mantel.

Die Musik zu dieser Klassenzimmer-Oper liefert Henry Purcell mit seiner Semi-Opera "König Arthur" (die am Anfang der Saison schon im Original auf dem Spielplan des Landestheaters stand).

Mit fantasievollen neuen Texten versehen, werden Purcells Melodien rasch zu regelrechten Ohrwürmern - nicht zuletzt das Ritter-Odilo-Lied: "er kämpft gegen Drachen, ist mutig für vier".