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Presse - Jörg Menke-Peitzmeyer

Wie entkommt man der Mobbing-Spirale? – a3kultur

29. September 2019

Um einen fertig zu machen, braucht es keine Fantasie, dazu braucht es nur eine Mehrheit! Die »Erste Stunde« im Sensemble Theater versetzt zurück ins Klassenzimmer.

von Severin Werner

Mobbing gehört zum Schulalltag wie der Pausengong, meistens bedingt das eine auch das andere, sodass Mobbing mit dem Gong beginnt und wieder aufhört, wenn man sich zurück ins Klassenzimmer begibt. Wie entkommt man dieser schier endlosen Spirale? Der verzweifelte Versuch des langjährigen Mobbing-Opfers Jürgen Rickert setzt auf Konfrontation. Anstatt erduldend in die Rolle des Opfers zu schlüpfen, fordert er seine Klasse auf, sich in den ersten fünf Minuten an ihm »auszutoben«.

Weil die Klasse (das Publikum) jedoch nicht darauf eingeht, gibt Jürgen der Klasse aus Verzweiflung eine Art Gebrauchsanweisung fürs Mobbing. Angefangen mit Begrüßungsgeld über alle erdenklichen Schwachstellen, verletzende Namen wie »Fickert« oder »Dickert« bis zum Schlagen und Treten. Im Laufe des Stückes stellt er fest: Eigentlich ist Mobbing ganz schön anstrengend. Es sind deine besonderen Merkmale und Eigenschaften, dein Herausstechen aus der Masse, was den Nährboden für Mobbing bietet. Alles was nicht »normal« ist, wird kleingemacht. Hätten die Eltern einen anderen Namen gewählt, wäre ich dann vielleicht kein Opfer?

Regisseurin Daniela Nering ist es mit Lisa Fertner als Jürgen Rickert auf mitreißende und einbindende Art gelungen, das Stück von Jörg Menke-Peitzmeyer zutiefst anregend zu inszenieren. Vielleicht war man selbst Opfer, Mobbender, beobachtete Mobbing oder setzte sich für einen gemobbten Mitschüler ein. Möglicherweise hat man mit diesem Kapitel schon längst abgeschlossen, doch das Stück regt dazu an, sich wieder mit dieser Thematik auseinanderzusetzen.

Mobbing: Was macht Jürgen zum Opfer? – Augsburger Allgemeine Zeitung - Feuilleton

27. September 2019

 Die Hauptfigur in Jörg Menke-Peitzmeyers „Erste Stunde“ sucht eine Antwort. Mit einer starken Inszenierung lockt das Sensemble Theater das Publikum aus der Reserve.

von Birgit Müller-Bardorff

Jürgen ist großzügig. Die ersten fünf Minuten gesteht er seinen neuen Klassenkameraden zu, ihn nach Herzenslust zu mobben. „Fünf Minuten, in denen könnt ihr mit mir machen, was ihr wollt.“ Jürgen hat Erfahrung damit, hat eine einschlägige „Opferkarriere“ in mehreren Schulen schon hinter sich „Die Mädchen gehen meist auf die Jacke oder Tasche, die Jungen nehmen Körperkontakt auf“, weiß er. „Begrüßungsgeld“ hat er vorsorglich auch dabei, um auch für finanzielle Forderungen gewappnet zu sein. Diesmal verfolgt der 16-Jährige die Offensiv-Strategie.

Wie wird einer zum Opfer? Warum immer wieder er? Das wird für Jürgen Rickert zur quälenden Frage in Jörg Menke-Peitzmeyers Monolog „Erste Stunde“, der nun im Sensemble Theater Premiere hatte. Zu große Ohren, rote Haare, eine feuchte Aussprache, Schweißfüße, andere Klamotten, eine Marotte – egal, die dunkle Masse der Austauschbaren tritt nach allem, das besonders ist, hat Jürgen festgestellt. „Fantasie braucht es dafür nicht, nur die einfache Mehrheit“, hat er erkannt. Ein Trost ist das nicht und weiter hilft ihm diese Erkenntnis erst recht nicht. Nur eines weiß er genau: nur nicht auffallen, um keinen Preis eine Angriffsfläche bieten. Deshalb will er auch im Kartenraum der Schule, in den ihn die Mitschüler 18 Stunden eingesperrt haben, keine Spuren hinterlassen und trinkt die eigene Pisse lieber auf.
Das Stück ist die pure Provokation

Die Schauspielerin Lisa Fertner spielt diesen Jürgen im Unisex-Look mit Cargohose, Hoodie, Basecap und Sneakers und gibt dem Thema damit etwas Universelles. Mädchen oder Junge, keiner bleibt verschont. Berührend und eindringlich, mit Gespür für die Zwischentöne und dabei mit großer Kraft zeigt sie die Facetten von Jürgens Verzweiflung: das Imponiergehabe und die Kumpelhaftigkeit, die Weinerlichkeit und die Aggressivität. Und dies immer in der direkten Ansprache des Publikums.

Denn Jörg Menke-Peitzmeyers 60-Minuten-Stück ist die pure Provokation. Nicht nur, weil es auf sehr schonungslose und dringliche Weise mit dem Martyrium eines Jugendlichen unter Druck konfrontiert. Vielmehr fordert dieser Monolog die Zuschauer heraus, sich dem Thema Mobbing aus Täter- und aus Opfersicht zu stellen, ja sogar einzugreifen. Wie lange hält man es aus, den flehenden Jungen im Schrank zu lassen?

In der klassenzimmergroßen Studiobühne des Sensemble Theaters verfehlt dieser Kunstgriff des Stücks seine Wirkung nicht. Regisseurin Daniela Nering spielt ihn in ihrer Inszenierung aus, indem sie die Grenze zwischen Bühne und Zuschauerraum verschwimmen lässt. Wenn in einer Szene eine Kamera die Zuschauer auf eine frontale Leinwand projiziert, werden diese mit sich selbst konfrontiert. Wenn jeder Opfer sein kann, wer wird dann der Nächste im Raum sein, den es trifft? Die Ängste und Panik der Hauptfigur werden greif- und spürbar.

Nein, man kommt dem Thema nicht aus, in diesem starken Stück, dieser sensiblen Inszenierung und der intensiven Darstellung. Vor allem auch, weil das Ende einfache Lösungen nicht anbietet und pädagogische Belehrungen erspart. Nicht nur Schülerklassen liefert „Erste Stunde“ im Sensemble Theater so reichlich Anknüpfungspunkte zur Auseinandersetzung: Denn Gruppenprozesse, in denen die Dynamik meist bestimmten Rollenverteilungen unterliegt, sind nicht exklusiv Jugendlichen und der Schule vorbehalten.

Was Kinder schon immer über Religion wissen wollten – Westdeutsche Allgemeine Zeitung

28. September 2015

von KUB

"Kommunionkinder": Leicht und gehaltvoll

Warum dürfen Frauen nicht Priester werden? Darf ich zur Kommunion, auch wenn ich nicht an Gott glaube? Laura (Talisa Lara) ist zehn und hat viele Fragen. Onkel Gabriel (Andreas Ksienzyk), selbst Priester, beantwortet sie.

"Kommunionkinder" heißt das Stück von Jörg Menke-Peitzmeyer, das am Freitag im Kinder-und Jugendtheater (KJT) seine Uraufführung feierte. Diskurs-Theater für kleine Leute ab neun Jahren, das frech, witzig und unangestrengt der Frage nachgeht, wo die katholische Kirche heute steht.

Laura ist die Wissbegierige, Gabriel erklärt, Onkel Dirk (schön gallig: Rainer Kleinespel) gibt den "Ketzer", der die Dogmen der Katholiken verhohnepipelt. Damit ist ein Spannungsfeld abgesteckt, in dem Lauras dritter Onkel (Thorsten Strunk) als Vermittler auftritt.

Die Brüder erinnern sich an ihre Jugend, an die 70er-Jahre, wo sie Gottesdienst spielten. Traubensaft war ihr Messwein, Schokolade die Hostie. Mit Laura singen sie die Hitparade der Kirchenmusik, samt Disko-Licht und Jingels wie bei Dieter Thomas Heck. Das hat Pepp, eine nette Idee von Regisseurin Antje Siebers.

Der Kommunionsunterricht hat sich verändert, sagt Laura. Jetzt spielten sie dort ein Bibel-Quiz nach Art von "Wer wird Millionär", das die Vier nachstellen. Videos, 50/50-Joker, Frage ans Publikum: Wie starb Jesus? Erschossen oder gekreuzigt?

Das Stück erklärt große Themen mit erfrischender Leichtigkeit. Was Kinder über Religion wissen wollen, aber nicht zu fragen wagen. Hier gibt es keine endgültige Antwort, dafür jede Menge Denkanstöße.

 

 


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