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Fast Faust - Goethes Werk im Schnelldurchgang – Westdeutsche Zeitung

30. September 2013

In Frank Mestres Regiearbeit kommt der dramatische Klassiker nicht nur kurz, sondern eher komödiantisch daher.

Der Schein trügt: Dieser Faust kommt nicht wie gewohnt dramatisch daher, sondern unterhält auf kurzweilige Weise.

Krefeld. Goethes Faust ist der Klassiker der deutschen Literatur. Gelesen hat ihn aber nicht jeder. Zu schwer mögen die meisten denken. Das war auch das Argument von Regisseur Frank Mestre, als Schauspieler Frank Maier ihm vorschlug, das Stück auf die Bühne zu bringen. Eine abgespeckte, leicht verständliche Version musste her: Albert Franks Version „Fast Faust“.

Die Herausforderung war es, so erzählt Maier, das Stück in 70 Minuten so zu erzählen, dass am Ende jeder weiß, worum es geht. Und das mit nur zwei Darstellern für ein Stück, in dem es 57 Rollen zu spielen gibt. Vorweg ist zu sagen: es ist ihnen gelungen. Der große, schlanke Maier, der in die Rolle des Fausts schlüpft, und sein Kollege Angelo Micaela-Enghausen nehmen das Publikum mit wenigen Mitteln auf eine Reise durch Goethes Werk. Dabei spielen sie nicht starr ihre Rollen, sondern wechseln immer wieder von den bedeutungsschweren Versen des Dichters in die reale Situation auf der Bühne.

In einem humorvollen, authentischen Schlagabtausch erinnern sie einander an die Idee und das Vorhaben, Faust in der kurzen Zeit durchzuspielen. Dabei vergessen sie keineswegs die wichtigen Stationen der Geschichte, wie etwa den Osterspaziergang, Auerbachs Keller oder der Nachbarin Haus. Ihnen gelingt es durch ihr bloßes Spiel, Bilder im Kopf des Zuschauers entstehen zu lassen. Wenige Hilfsmittel, wie ein Kleid, das sich Micaela-Enghausen überzieht, genügen, um Textstellen zu verdeutlichen und die Inszenierung aufzulockern.

Ihr komödiantisches, lebhaftes Spiel lässt das Stück zu keiner Zeit langatmig werden, selbst wenn es in den Vers-Dialog wechselt. Diese Szenen dauern ohnehin immer nur einige Minuten, bis einer den anderen wie aus heiterem Himmel unterbricht und das Spiel des anderen infrage stellt. Das Publikum amüsiert sich und am Ende ist es den Darstellern tatsächlich gelungen, den Inhalt des Stücks zu vermitteln: Auftrag erfüllt. Dass ihre Version rückblickend eher eine Komödie als eine Tragödie ist, tut dem Stück keinen Abbruch. Im Gegenteil, schließlich ist es ja auch nur fast Faust.

"Faust" für zwei - Heidenspaß im Kresch – Rheinische Post

30. September 2013

Im Zwei-Personen-Stück "Fast Faust" glänzen Frank Maier und Angelo Micaela-Enghausen als Komödianten: Sie spielen Schauspieler, die ihre liebe Not dabei haben, den ganzen Faust zu geben. Jeder Gag sitzt; das Publikum war begeistert.

von Jens Voss

Ein Mann will den „Faust“geben, der Intendant ist unwillig, man feilscht um Minuten, bis er 70 Minuten und einen zweiten Mann bekommt. Wie man zu zweit der Deutschen heiligstes Theaterstück hinkriegt – das ist die Ausgangslage im Zwei-Personen-Stück „Fast Faust“von Albert Frank, das voller Witz den Faust ebenso parodiert wie das Spielen von „Faust“. "Ich muss als 14-jährige Jungfrau für Faust schwärmen - ich bin blockiert", sagt irgendwann einer der Schauspieler, der dazu ein geblümtes Kleidchen trägt und mit einer Halbglatze so weiblich ist wie eine Dose Ravioli. Dieser Gag - Mann im Kleid spielt Frau - ist seit "Charleys Tante" ein Slapstick-Klassiker, und er zündet wieder. Kresch beweist: Auch Goethe hatte eine Tante. 

Anfangs zuckt man zusammen, als im Prolog vor Goethes Prolog das offenbar unvermeidliche Wort fällt, mit dem Erwachsene so gern Nähe zur Jugend proklamieren: Was muss man tun, damit Jugendliche Faust "cool" finden? Diese Frage bleibt am Ende offen, weil das Wort nun mal nebulös ist. Was "Fast Faust" allerdings zeigt, ist, was für ein Heidenspaß es macht, diesem Spiel vom Stück im Stück zu folgen.

Die Schauspieler Frank Maier und Angelo Micaela-Enghausen spielen also zwei Schauspieler, die 70 Minuten und ein Mini-Bühnenbild für ihren Faust haben. Beide schlüpfen in viele Rollen, thematisieren dabei die Wirrnis der Rollenverteilung ("Du spielst die Hexe"), die Not der Zeit ("Du musst schneller spielen; wir haben noch 66 Minuten") und die Not mit dem Text. In einer hinreißenden Szene lässt Gretchen (Angelo Micaela-Enghausen) sich den Text von einer Zuschauerin soufflieren, schwärmt von Faustens "Birne", fragt flüsternd nach, ob das da wirklich steht, und reklamiertdann lauthals richtig "Stirne". Das Ganze gipfelt in einem Blues, in den Gretchen sich hyperventilierend hineinsingt: So witzig hat man Goethe lange nicht gehört.

Die zuschauer werden mit eingebunden, wenn sie soufflieren, einen imaginären Spiegel halten oder beim Osterspaziergang "Hoch Faust" intonieren; das Stück wird neu arrangiert und durchdiskutiert, etwa wenn Wagner dafür plädiert, den Pudel zur Dogge zu machen, damit der Teufel (des Pudels Kern) mehr Platz hat. Die eigene Regie fällt bei den Schauspieler-Figuren schon mal durch: "Das ist doch kein B-Horrorfilm", entfährt es - aus der Rolle als Faust fallend - Faust, als sein Kollege per "Zauberhand" ein Buch bewegt.

Das Ganze gelingt wunderbar leicht und überaus witzig. maier und Micaela-Enghausenliefern exzellentes Schauspieler-Handwerk ab. Spielwitz, Timing, Tempo und Sprechkultur: Alles sitzt. Die Zuschauer applaudieren begeistert.

Das Kresch-Publikum erwies sich übrigens als Generationentreffen: Theaterfreunde älteren Semesters waren ebenso vertreten wie Schüler. Hier kristallisiert sich die einzige Anfrage an den Abend heraus: Dieses ironische Spiel um das Spielen von Faust versteht nur, wer ihn bereits kennt. Insofern eignet sich die Parodie immer nur bedingt, um jemanden an das Original heranzuführen. So wächst der andere Wunsch, die andere Herausforderung aus diesem wunderbar heiteren Theaterabend: 70 Minuten Kresch-Faust, einmal ganz ergreifend und ernst. Das theatralische Können für dieses Wagnis ist da.

 

"tell Tell" als Schülertheater in Karlsruhe – Die Rheinpfalz

06. Oktober 2012

Große Stücke auf kleinen Bühnen


KARLSRUHE: Die früherer Jugendgruppe des Staatstheaters feiert die Premiere von „Tell Tell“ und will damit auch Südpfälzer Schüler für den Stoff des Schweizer Freiheitskampfs begeistern. Bis die ersten Schulen das Ensemble buchen, läuft das Stück im Kohi-Kulturraum.
Die Bühne im Kohi-Kulturraum ist klein, doch genau diese Nähe zum Publikum sucht das Jugendensemble.

von Marie Frech

"Das war so witzig!“, „Mein Zwerchfell tut weh!“ – Tatsächlich wischen sich einige Besucher noch beim Verlassen des Kohi-Kulturraums in der Karlsruher Südstadt die Tränen aus den Augen, die sie vor Lachen geweint haben. Wer glaubt dass sich diese Reaktion auf eine Kabarett- Nummer bezieht, liegt allerdings falsch. Auch wenn sich das das Kohis mit Kleinkunst einen Namen gemacht hat – an diesem Sonntagnachmittag sorgt Schillers „Wilhelm Tell“ für Begeisterung beim Publikum.

Dabei ist der „Tell“ bei der Inszenierung durch die Kohibris, die ehemalige Jugendgruppe der Staatstheaterpädagogik, nur das Stück im Stück. Denn im Stück, Albert Franks „Tell Tell“, will eine Schauspieltruppe „große Stücke auf kleine Bühnen mit große Schauspielern und kleinem Ensemble“ inszenieren.

Das Motto passt auf die Kohibris selbst: Nach dem Intendantenwechsel am Staatstheater musste sich das Ensemble von der „Insel“ verabschieden und fand eine neue Spielstätte im Kohi. Dort müssen sie allerdings mit kleiner Bühne und ohne großen Fundus auskommen. Zudem verzichten sie derzeit auf einige Mitglieder – kein Wunder, also, dass „Tell Tell“ das „Herzensstück“ der Truppe ist, wie die Leiterin Sonja Beil erklärt.

Ein klarer Vorteil des Stücks: ohne großen Aufwand kann es auch in Pfälzer Klassenzimmern aufgeführt werden. Denn trotz aller Komik und Kürzung erzählt es immer noch den Tell, ergänzt durch aktuelle Debatten um Familienpolitik und Quotenregelung. Das ist gekoppelt mit einem Theater über das Theater, etwa wenn ein Schauspielerpärchen gezwungen ist, den Nachwuchs mit zum Arbeitsplatz zu bringen. Frank arbeitet in seinem Stück das heraus, was im Schiller zwar vorhanden, aber selten so deutlich und dennoch mit einem Augenzwinkern thematisiert wird: eigentlich sind es die Frauen, die die Schweizer Revolution lostreten. So stehen denn etwa „die Frau Stauffacher und ihre Amazonen“ für die Schwyz ein.

Die Darsteller, keiner älter als 17, agieren herrlich überdreht (Paulinus Burger und Josefa Beil), und souverän im schnellen Rollenwechsel (Paul Schwörer). Auch die Technik wird von einer jungen Schauspielerin, der dreizehnjährigen Louise Allin, übernommen. Dabei geben Darsteller zu, dass sie gerade mit den Textstellen aus Schillers Original anfangs haderten. „Da hat man ja erst mal kaum Ahnung, was man eigentlich sagt“, erklärt Nora Schuler. Als Tell trägt sie knappen Lederhosen und Strumpfhosen, in einem Arm die berühmte Armbrust, im anderen ein Baby – nicht der einzige (Geschlechter-)Rollentausch, der das Publikum zum Johlen bringt. Auch die Zuschauer müssen mit anpacken, wenn das Stück – und die Kinderbetreuung – gelingen soll. Mal dürfen sie als murrender Mob, mal als Babysitter, oder gar beim Rütli-Schwur agieren. Auch der Autor des Stücks ist begeistert: „Eine fantasievolle Inszenierung, die die Gegebenheiten optimal nutzt und Spaß macht. Das ist ja das Ziel.“ Ganz klar: der Pfeil hat den Apfel getroffen.

Mit dem Original-Tell hat das Ensemble gekämpft. „Tell Tell“ schafft dagegen den Zugang.