Presse

Presse | Theaterverlag Hofmann-Paul

Presse - Schmiere stehn von Jörg Menke-Peitzmeyer

Presse nach Stücken

Presse nach Autoren

Weitere Informationen

Schmiere stehn
Schmiere stehn
Die elfjährige Nina möchte bei den Hell's Kids aufgenommen werden, einer Jugendbande, die durch Überfälle die Stadt in Atem hält. Die ältere Schwester Jessica ist bereits bei Raubzügen dabei und wird von Nina überredet, sie mitzunehmen.

Leseexemplar jetzt bestellen

Für Bestellung vormerken

Kategorien

Jugendstücke / Jugendtheater

Weitere Informationen

Altersempfehlung : 10+

Autor

Alle Presseartikel

Presseartikel nach Stücke

Presse - Schmiere stehn von Jörg Menke-Peitzmeyer

Und am Ende fällt ein Schuss – Lausitzer Rundschau

13. März 2012

Premiere am Piccolo Theater Cottbus

Und am Ende fällt ein Schuss. "Schmiere stehn" im Piccolo Theater erzählt vom gewaltigen Kick junger Leute

Der leuchtorange Bau am Erich Kästner Platz zählt zu jenen Orten, bei deren Erreichen der Besucher unweigerlich gute Laune bekommt. Ein sicherer Ort: Das ist wichtig, wenn drinnen ein so hartes Thema verhandelt wird wie Jugendkriminalität. "Schmiere stehn" ist dem Besucher des Piccolo Theaters aus guten Gründen diesmal erst ab 12 empfohlen.

Nina ist 12 und meistens ziemlich alleine. Langeweile kann große, aber auch gefährliche Gedanken freisetzen. Hörte Nina eben noch in ihrem Kinderzimmer "Die drei Fragezeichen", durchsucht sie jetzt kurzerhand das Zimmer der großen Schwester. Die hat ein Arsenal von coolem Mädchenkram und einen Freund mit einer Bande. Und genau das alles will Nina auch. Eine gute Theaterstunde später wird Nina zum Schrecken der Stadt mutiert sein. Beim ersten Einbruch leckt sie Blut. Nicht nur wegen der Klamotten, die sie erbeutet. Die Gang ist cool, der Kick gewaltig. Als Novizin muss sie Schmiere stehen, da werden ihr noch die Füße heiß, als brenne die Straße unter ihr. Aber bald schon hat sie eine Knarre und absolviert den ersten Tankstellenüberfall. Nur ab und zu muss sich Nina noch übergeben nach einem Bruch.

Die Story ist keineswegs weit her geholt. 2010 erhält Jörg Menke-Peitzmeyer den Auftrag des Linzer Theaters, das Thema bühnenfähig zu machen. Damals hält die sogenannte "Gummibärenbande" Österreich in Atem. Minderjährige, die sich nicht etwa am Klauen von Schokoriegeln abarbeiten, sondern bis hin zum Raubüberfall kaum etwas auslassen. Was aber ist da schief gegangen- von dem Moment, als die goldigen Kleinen noch Lego spielten und dem, da sie von der Funkstreife aufgegriffen werden?

Jörg Menke-Peitzmeyer hat nicht nur den Text neu auf Cottbus zugeschnitten, sondern das Stück auch gleich selbst auf die Piccolo-Bühne gebracht. Als Autor ist er seit Jahren einer der erfolgreichsten der ganzen Zunft. Denn nicht allein, dass im Kinder- und Jugendtheater andere Gesetze gelten, dass das Medium Direktheit, Authentizität und manchmal brachiale Mittel verlangt, für die auf der erwachsenen Bühne unweigerlich Hohn, Spott und die Dresche der Kritik folgen würden. Er gibt genau den Themen eine Sprache, für die uns normalerweise die Worte fehlen: Krankheit, Tod, Essstörungen, Mobbing (im Piccolo bereits aufgeführt: "Erste Stunde" und "Steht auf, wenn ihr für Cottbus seid"). Er tut es ohne Gefühlsdusel, dafür mit differenzierten Erklärungsansätzen.

Die Bande, das sind Ninas Schwester Jessy, die aus Liebe zu Tom so ziemlich alles tun würde. "Der Russe", der sein Kinderzimmer noch immer mit einer seiner vielen Schwestern teilt und seine Beute fein säuberlich in Geschenkpapier wickelt. Und der Miesling Tom, der bei aller Brutalität auch nur ein ungeliebtes, einsames, großes Kind ist.

Im weitgehend nackten Bühnenhaus inszeniert Menke-Peitzmeyer das genau so, wie er schreibt: geradlinig, ungeschönt, mit wirkungsvollen Bildern ("Der Sonntag… ein Schweigebraten mit stiller Soße.") Das vierköpfige Ensemble dazu ist wunderbar, jung, glaubhaft, erfrischend (Maria Schneider, Anne Diedering, Hauke Grewe und, herausragend, aus den eigenen Jugendclub-Reihen: Florian Donath als Der Russe). Das Stück endet mit einem Schuss im Off- und einer Überraschung. Ein erschreckend kurzer Weg vom Kinderzimmer in den Knast.

 

 

„Schmiere stehn“: Mit beiden Füßen im Kriminal – OÖNachrichten, nachrichten.at

02. November 2010

Ein überzeugendes vierköpfiges u\\hof:-Ensemble präsentiert sich in einem Auftragswerk für die Linzer Landestheater-Spielstätte für junges Publikum: „Schmiere stehn“ ist aufwühlendes Jugendtheater (ab 10), das zeigt, dass der Weg von Mutproben bis zum Kriminal ein kurzer sein kann.

Der deutsche Autor Jörg Menke-Peitzmeyer hat mit dem Stück „Steht auf, wenn ihr Schalker seid“ über die große Leidenschaft Fußball Furore gemacht. Basis für sein jüngstes Stück „Schmiere stehn“ war die „Gummibärenbande“: 41 Teenager zwischen zwölf und 17 Jahren haben 2008 in Linz mehr als 700 Strafdelikte mit 500.000 Euro Schaden verübt und damit die Statistik der Jugendkriminalität deutlich angehoben. Welche Gründe gibt es, dass Halbwüchsige gleich mit beiden Füßen so leichtfertig ins Kriminal springen? Am Beispiel der elfjährigen Nina will der Autor zeigen, wie es gehen könnte. Er bedient sich dabei vieler Klischees, die bekanntlich aber immer auch Wahrheit widerspiegeln. Nina will aus dem übergroßen Schatten ihrer älteren Schwester heraustreten, will das vermeintliche Wir-Gefühl solch einer Bande kennenlernen usw. – Da haben Psychologen sicher eine Menge dazu zu sagen. Der Autor aber versucht nicht krampfhaft zu psychologisieren, sondern erzählt einfach eine Geschichte, einen kurzen Abschnitt im Leben einer Elfjährigen.

Verwirrende Zeitwechsel

Er lässt die Geschichte in Rückblenden ablaufen, manchmal erzählen uns die Protagonisten, was passiert ist und welche Gedanken und Gefühle sie dabei hatten, dann wieder spielen sie uns die jeweilige Situation vor und wir sind mittendrin im Geschehen. Das hält den Spannungsbogen aufrecht, die Zeitwechsel wirken aber manchmal etwas verwirrend.

Regisseurin Ulrike Stöck (*1975) hat offensichtlich den Draht zu Jugendlichen noch nicht gekappt: Sie zeigt mit dem Schauspielteam vier Jugendliche, wie sie tatsächlich in diesem Alter sein könnten. Die Schwestern als kreischendes, sich ständig streitendes Duo, das vor allem Klamotten, Schminke und Ärger mit den Eltern im Kopf hat. Nun ja, mag schon so sein. Katharina Wawrik als Nina scheint im Laufe des Stückes tatsächlich immer jünger zu werden, zerbrechlich zart und gekleidet wie „Britney Spears für Arme“ verfügt sie über die zappelnde Energie einer vorpubertierenden Göre und den trotzigen Schmäh einer in die Welt der Älteren drängenden jungen Frau. Ihr nimmt man die Geschichte ab, als wär’s ihre eigene.

Ninas ältere Schwester Jessica (Katharina Halus) will sich ihren Geltungsdrang mit der Beziehung zu Tom, dem Chef der bösen Gang, erfüllen. Und der wird von Ralf Wegner unglaublich cool und lässig dargestellt, auch latente Bösartigkeit, Brutalität und Macho-Gehabe sind ihm nicht fremd. Bastian Dulisch als Goran ist der Typ des schweigenden Mitläufers, der zu feig ist, auszusteigen. Das macht auch die Qualität des Stückes aus, dass es Prototypen zeigt, mit denen sich jede und jeder im Publikum identifizieren kann, was das Geschehen naherücken lässt.

Die Regie zeichnet diese Prototypen eindringlich, manchmal aber zu hyperaktiv. Der kleinen u\\hof:-Bühne gibt Brigit Kofmel ungewohnte Tiefe, dass unter dem Bühnenboden auch noch gewohnt wird, ist zirka ab Reihe vier nicht mehr einsehbar – schade. Das tragische Ende nach 75 Minuten kommt etwas plötzlich und nicht ganz schlüssig. Da bleiben Fragen offen, aber die will das Stück ja sowieso stellen.

 

 

Wenn einem der Boden unter den Füßen zu heiß wird – Neues Volksblatt

02. November 2010

Heißes Thema Jugendkriminalität: Packende Uraufführung von „Schmiere stehn“ im Linzer \uhof: liefert viele Denkanstöße

Von Birgit Thek

„Du weißt nicht, worauf du dich da eingelassen hast“, warnt Jessica ihre jüngere Schwester. Doch gerade weil Nina erst elfeinhalb ist, will sie endlich „dazugehören“ — zu den Hell's Kids, auf deren kriminelle Umtriebe sie über Jessica gestoßen ist.

Was bewegt über 40 Jugendliche zwischen 12 und 17 dazu, eineinhalb Jahre lang mehr als 700 Straftaten mit einem Gesamtschaden von einer halben Million Euro zu begehen? Den realen Fall der „Gummibärenbande“ in Linz, deren Mitglieder auch vor dem Einsatz von Gaspistolen und Messern nicht zurückscheuten, nahm der deutsche Autor Jörg Menke-Peitzmeyer zum Ausgangspunkt für sein Auftragswerk „Schmiere stehn“, das am Freitag seine viel beklatschte Uraufführung feierte.

Das Schönste daran: Das Stück liefert keine platten Erklärungsmuster, auch wenn die Sprachlosigkeit in vielen Familien und die Vernachlässigung der emotionalen Bedürfnisse der Kinder nach Liebe und Anerkennung differenziert zum Ausdruck kommen. Der Autor legt den Fokus vor allem auf Nina: Beim ersten Schmierestehen bei einem Diebstahl wird ihr der Boden unter den Füßen noch zu heiß, doch dann zeigt sie sich immer abgebrühter, bis sie zitternd vor der Frage steht: „Was ist, wenn der Ladenbesitzer vor Schreck an einem Herzinfarkt stirbt, auch wenn die Pistole nicht geladen ist?“ Das hat ihr zumindest Bandenführer Tom versichert, während der Vierte im Bunde, der „Jugo“ Goran, nur noch darauf wartet, dass alles endlich auffliegen wird ...

Umgesetzt wird das vielschichtige Geschehen in der ideenreichen Regie von Ulrike Stöck höchst adäquat von den viel versprechenden u\- hof:-Darstellern: allen voran Katharina Wawrik als „Gruppenmaskottchen“ Nina, unter deren „Coolness“ die nicht gelebte Kindlichkeit durchschimmert. Nicht weniger überzeugend Ralf Wegner (Tom), Katharina Halus (Jessica) und Bastian Dulisch (Goran). Nur die Empfehlung „Ab 10 Jahren“ würde ich höher ansetzen.


Zum Seitenanfang