Presse

Presse | Theaterverlag Hofmann-Paul

Presse - Ritter Odilo und der strenge Herr Winter von Mareike Zimmermann

Presse nach Stücken

Presse nach Autoren

Weitere Informationen

Ritter Odilo und der strenge Herr Winter
Ritter Odilo und der strenge Herr Winter
Ritter Odilo langweilt sich im Winter, sein Freund Kumpel ist erkältet, beim Drachen antwortet die Mailbox und Prinzessinnen bleiben zu Hause, welches Abenteuer kann er bestehen?

Leseexemplar jetzt bestellen

Für Bestellung vormerken

Kategorien

Stücke mit Musik
Märchen
Kinderstücke / Kindertheater
Klassenzimmerstücke / Schultheater

Weitere Informationen

Altersempfehlung : 4+

Autor

Alle Presseartikel

Presseartikel nach Stücke

Presse - Ritter Odilo und der strenge Herr Winter von Mareike Zimmermann

Sein Pferd hat Schnupfen – Augsburger Allgemeine

24. September 2016

Theater Augsburg spielt "Ritter Odilo" - von Gerlinde Knoller

Sie kamen mit einer riesigen blauen Kiste ins Klassenzimmer. In die Konditorei Wichtl hätten sie ausliefern sollen. Aber da waren sie in der Grundschule St. Anna offensichtlich falsch. Absolut richtig lag das Theater Augsburg mit seiner neuen mobilen Produktion „Ritter Odilo und der strenge Herr Winter“, die gestern Premiere hatte. Es ist ein vergnügliches wie auch tiefsinniges Stück, nach dem Bilderbuch von Mareike Zimmermann und der bezaubernden Musik aus Henry Purcells „König Arthur“. Es kommt mit nur zwei Spielern aus: mit Georg Festl als Ritter Odilo mit einer wunderbaren Stimme, und mit Michael Wagner als sein (Klavier)begleiter.

Die Magie in diesem Stück entwickelt sich spielerisch. Die Handwerker Georg und Michael beschließen, in ihrer Pause ein Lied von einem echten Ritter zu singen. Georg verwandelt sich zu Ritter Odilo, sein Käppi wird zum Helm, der Meterstab zum Schwert und hinein geht’s ins Abenteuer! Oder? Der Drache fällt als Gegner aus, seine Mobilbox meldet, dass er gerade im Winterschlaf ist. Die Eroberung einer Prinzessin fällt flach, weil sie sich ziert, bei der Kälte einen Fuß vor die Tür zu setzen, geschweige denn mit dem Ritter zu tanzen. Und des Ritters Pferd hat Schnupfen. Schuld an allem ist „der strenge Herr Winter“, ein mit Norwegermütze, Wollschal und Schneesonnenbrille ausgestatteter ungemütlicher Geselle.

Dank der durchaus anspruchsvollen Musik, auch eine kleine Arie wird gesungen, wird das Geschehen noch lebendiger. Die Kinder fühlen das Bibbern und Schlottern in der Winterkälte mit, aber auch den nahenden Frühling mit seinen lieblichen Melodien. Inszeniert hat das Stück Lea Sophie Salfeld.

 

Odilo und der Wanderkühlschrank – Berner Zeitung

15. Dezember 2015

Endlich: «Ritter Odilo und der strenge Herr Winter» – zu sehen in den Vidmarhallen – ist eine Kinderoper, die nicht nur gut gesungen, sondern auch gut erzählt wird: originell und unverkrampft.

Der erste Eindruck ist gar nicht märchenhaft. Nur ein Klavier steht auf der Bühne. Keine Deko, weit und breit weder Ritter noch Prinzessin. «Wo ist denn jetzt das Märchen?», fragt ein Kind. Nicht weniger irritiert ist es, als ein Mann und eine Frau die Bühne betreten – um einen Kühlschrank zu liefern. Stöhnend und ächzend schiebt Wolfgang (Wolfgang Resch) das kartonverpackte Ungetüm herein, begleitet von Chefin Anne (Anne Hinrichsen).

«Hat jemand einen Kühlschrank bestellt? Ist das hier die Konditorei Algida?», fragt sie ins Publikum. Nein und noch mal nein. Also wieder raus mit dem Kühlschrank, die Zeit drängt, der Kunde wartet. Doch Wolfgang, der das Ganze alleine schleppen muss, braucht eine Pause. Und weil Pausen ohne Unterhaltung langweilig sind und da zufällig ein Klavier rumsteht, erzählen die beiden das Märchen «Ritter Odilo und der strenge Herr Winter».Da hat jemand eine Rahmenhandlung konstruiert, um eine lahme Story aufzupeppen – könnte man meinen.

Weit gefehlt! Der Kühlschrank ist in dieser Kinderoper, die am Wochenende in den Vidmarhallen Premiere feierte, mehr als ein witziges Detail. Das grosse Kartonpaket ist das Bühnenbild (Bühne: Andrea Zurfluh). Auf jeder Seite ist es mehrmals aufklappbar, zeigt mal das Schloss, mal das Zimmer der Prinzessin, mal die Küche der Küchenfee Algida. Und überall verbergen sich kleine Details wie Schubladen oder Klappen, die Überraschendes zutage fördern.

Einer für sechs

So spielt sich die Geschichte vom Ritter Odilo, der sich aufmacht, den Winter zu bekämpfen, in und um diesen Kühlschrank ab. Bariton Wolfgang Resch, Ensemblemitglied am Stadttheater Bern, singt und spielt mit minimalsten Hilfsmitteln gleich sechs Rollen: Er ist Ritter, Prinzessin, Ross, Drache, Küchenfee und Winter. Und wie er zwischen den Rollen switcht, jeder seine eigene Gestik und Klangfarbe verleiht, ist auch für Erwachsene ein Vergnügen.

So unverkrampft, humorvoll und ohne pädagogischen Dünkel macht Oper Spass. Auch die in ihrer Klarheit manchmal fast lautmalerische Musik von Henry Purcell kommt in dieser aufs Nötigste reduzierten Produktion von Alexander Kreuselberg (Regie) und Mareike Zimmermann (Text) gut zur Geltung.

Oper für alle

Und das Ende? Kommt schnell und unprätentiös. Nach 45 Minuten ist das Stück vorbei, das Happy End da und der Kühlschrank wird wieder eingepackt und weggeschleppt. Das ist weder zu kurz noch zu lang und bestens dazu geeignet, eine langweilige Schulstunde in etwas Besonderes zu verwandeln. Denn das Stück wurde dafür konzipiert, als Wandertheater an die Schulen zu gehen und Kinder für die Oper zu begeistern. Das wird ganz bestimmt gelingen.

Maria Künzli

Herr Winter hockt im Tiefkühlfach – Der Bund

14. Dezember 2015

So geht Kinder-Oper: Mareike Zimmermanns «Ritter Odilo und der strenge Herr Winter» begeistert bei der Schweizer Erstaufführung in den Vidmarhallen.

Die Kinder wären da, die Oper könnte beginnen. Bloss: Es sieht nicht so aus, als ob da was passiert. Kein Dekor, kein Bühnenlicht, überhaupt nichts Theatralisches. Wenn wenigstens einer da wäre, der das müde Piano in der Ecke erweckt. Wie die Kinder Löcher in die Leere gucken und sich wundern, wann denn das Spiel beginnt, platzt auch noch einer zur Tür herein, der da offensichtlich nichts zu suchen hat.

Auf seiner Sackkarre hat er ein verpacktes Riesending. Ist hier die Konditorei Algida? Nervös nestelt die schicke Chefin des Staplers, der Wolfgang heisst, in den Lieferpapieren zu dem mannshohen Paket, in dem sich ein Kühlschrank verbirgt. «Nein», rufen die Kinder, «hier ist ein Theater.»

Wie recht die Knirpse haben! Wolfgang macht nun tatsächlich Theater. Gleich platzt ihm der Kragen, so genug hat er vom Einladen und Ausladen, vom Schuften und Schleppen. Und vom Herumkommandiert-Werden sowieso. «Ich hab Hunger, ich brauche eine Pause.» Und weil Pause ohne Inhalt öde ist und sonst nichts da, um sich die Zeit zu vertreiben, setzt sich Anne ans Piano.

Wie sie in die Tasten greift und natürlich zufällig eine hervorragende Pianistin ist und Wolfgang ein formidabler Sänger, da realisieren die Kinder wie nah das richtige Leben und Theater sein können und dass sich das eine vom andern nicht immer trennen lässt.

Die wundersame Rittergeschichte (Regie Alexander Kreuselberg) funktioniert mit einfachsten Mitteln. Wolfgang Resch, seines Zeichens Staplerfahrer und Bariton, klappt den Kühlschrank auf und sichtbar wird wie in einem Bilderbuch ein gemaltes Schloss mit Glitzerleuchter, eine Backstube – und ein Tiefkühlfach, in dem Herr Winter hockt.

Es sind Zutaten für ein Märchen, das weniger durch Logik als durch Selbstironie, fantastische Verwandlungen und barocke Arien lebt. Als mutiger Ritter Odilo macht sich Wolfgang Resch auf in den Kampf gegen einen Drachen, was aber leichter gesagt als getan ist. Herr Winter macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Das Ritterross ist erkältet, es hüstelt und schnupft und singt urkomisch im Pferdefalsett. Und der Drache hält wegen der Kälte wie Igel und Haselmäuse einen Winterschlaf. Pech für Odilo, nicht mal ans Handy geht das Monster, als er es zum Kampf aufbieten will.

Sechs Rollen in Personalunion

Wolfgang Resch ist in Personalunion Ritter Odilo, Ross, Prinzessin, Küchenfee Algida und Herr Winter. Ein Riesenspass (auch für Erwachsene) ihm zuzusehen und zuzuhören, wie brillant sich der 25-Jährige verwandelt und zum Beispiel als Küchenfee Algida in der Burgküche Cupcakes bäckt und dabei wie ein singender Dirigent mit der Kelle die Backzutaten in den Teig fuchtelt. Auch sonst gibts viel fantastischen Do-it-yourself-Märchenzauber (Dramaturgie Katja Bury).

Weniger ist hier mehr: Eine Handvoll weisse Fetzchen aus Odilos Hosentasche genügen für einen Schneesturm. Glitzerkonfetti, ein Krönchen und ein bisschen Tüll machen aus ihm im Handumdrehen eine Prinzessin (Bühne Andrea Zurfluh, Kostüme Maya Däster). Der Sänger, den man auf der grossen Opernbühne etwa als Papageno in der «Zauberflöte» oder als Eddy in «Greek» erleben konnte, hat mit seiner burschikosen Natürlichkeit auch vor dem kritischsten Opernpublikum überhaupt, den Kindern, Bestand. Wie er von schockgefrorenen Staccati durch die Frost-Musik (Chorus of the cold people) aus «King Arthur» schlottert, geht den Kindern durch Mark und Bein.

Das dreiviertelstündige Zweipersonenstück (ab 6 Jahren) ist von Autorin Mareike Zimmermann als Klassenzimmer-Oper mit Happy End konzipiert. Was das bedeutet? Konzert Theater Bern geht damit in Berner Schulen, um Kinder für die Oper zu begeistern. Gute Idee: Mit dem feschen Odilo als Galionsfigur müsste das Projekt ein Kinderspiel werden.

von Marianne Mühlemann

 


Zum Seitenanfang