Neuigkeiten | Theaterverlag Hofmann-Paul

Presse

Presse - Klavierkind von Sebastian Seidel

Presse nach Stücken

Presse nach Autoren

Weitere Informationen

Klavierkind
Klavierkind
Am Abend des ersten großen Auftritts ihrer Tochter, dem Eröffnungskonzert des Mozartfestes, rechnet die Mutter schonungslos mit sich und ihrem Leben ab.

Leseexemplar jetzt bestellen

Für Bestellung vormerken

Kategorien

Schauspiel
Stücke mit Musik
Monolog

Autor

Alle Presseartikel

Presseartikel nach Stücke

Presse - Klavierkind von Sebastian Seidel

Text und Musik durchdrangen sich gegenseitig – Augsburger Allgemeine

06. Dezember 2017

Wie Sebastian Seidel und Sophia Weidemann die Vision einer absoluten Ausdrucksmöglichkeit vorführten

Von Dr. Heinrich Lindenmayr

Eine Autorenlesung mit Musik, daran ist zunächst nichts Besonderes.
Zum Ausklang des „Literaturherbst Krumbach 2017“ kam „Klavierkind“ zur Aufführung, der Theater-Monolog einer Mutter, mit ihrer Tochter am Piano, uraufgeführt beim 61. Deutschen Mozartfest 2012 in Augsburg. In Krumbach stand nun nicht eine Schauspielerin als Mutter auf der Bühne, es las der Autor selbst, Sebastian Seidel. Das war die erste Besonderheit. Die zweite Besonderheit liegt daran, dass Musik bei diesem Theater nicht als Beiwerk, als Stimmungsmacher oder zur Beflügelung der Fantasie des Publikums dient. Die Musik ist Gegenstand des Stückes selbst und darüber hinaus gleichsam seine Seele. Ohne die Musik würde der Besucher den Gehalt des Dramas aufnehmen und das Leiden der Person mitempfinden. Die eigentliche Dimension des Stückes aber bliebe verschlossen.

Sebastian Seidel hat in „Klavierkind“ ein Thema aufgegriffen, das zu den Klassikern der Literatur zählt, nämlich das Problem der künstlerischen Identität. Er greift nicht zu der von Thomas Mann bevorzugten Variante, die es beklagt, dass der Künstler sich von Normalität und Bürgerlichkeit ausschließen muss.
Er wirft in „Klavierkind“ vielmehr die Frage auf, was passiert, wenn der Künstler auf der Suche nach der absoluten Ausdrucksmöglichkeit scheitert. Die Mutter und die Tochter der Hauptfigur sind große Künstlerinnen. Sie selbst hatte zu wenig Talent. Ihr selbst bleibt nur, sich als notwendiges Bindeglied zwischen den beiden zu definieren. Aber die gedanklich erzwungene Zugehörigkeit zum Olymp erweist sich realiter als nicht tragfähig.
Die Pianistin bekommt demgemäß die Aufgabe zu demonstrieren, was die Rede von absoluten Ausdrucksmöglichkeiten bedeuten könnte. Bei der einleitenden Prokofjew-Etüde soll die von ihr erzeugte Musik temporeich, dynamisch, perfekt sein und „jeden Winkel und jede Ritze des Raumes“ erobern, wie es in der Regieanweisung heißt.
Bei Brahms’ „Intermezzo Opus 119“, dem letzten Werk des Komponisten vor seinem Tod, muss die Ruhe, Weite, Weihe und Klarheit vor dem Sterben aufscheinen. Bei Bachs „Goldberg-Variationen“ sind die wunderschönen Melodien aus einem rhythmisch und harmonisch vertrackten Unterfutter heraus zu profilieren.
Auch dieser Musik eignet das gewisse Etwas, eine gleichsam überirdische Gelassenheit, weswegen sie gerne auch zu Therapiezwecken genutzt wird. Sophia Weidemann am Piano gelang es, das Tor zu einer Klangsphäre aufzustoßen, die „reinste Erfüllung“ verspricht und dem Gefühl Bahn bricht, „dass alles einem höheren Ganzen unterliegt“, wie es im Text heißt. Text und Musik durchdrangen sich an diesem Abend vollständig. Ein würdiger, großer Abschluss des „Literaturherbst Krumbach“.

 


Zum Seitenanfang