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Clara Immerwahr, Chemiker wie ihr Mann, geht im Namen der Wissenschaft von ihrem Mann getrennte Wege. Er arbeitet an der Zerstörung und macht Karriere, sie bleibt ihren Werten treu.

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Presse - Immerwahr von Sabine Friedrich

Wenn Träume scheitern – Neue Presse

02. April 2007

URAUFFÜHRUNG VON SABINE FRIEDRICHS „IMMERWAHR“ Anja Lenßen brilliert in nicht weniger als zwölf Rollen / Jubel für die Team-Leistung

VON HEIDI HÖHN

Eine Frau zwischen allen Stühlen. Eine Emanzipation, die nicht gelingt. Clara Immerwahr, die erste Frau, die in Deutschland in Chemie promovieren konnte, steht am Abgrund ihres Lebens. Für ihren Traum, die Wissenschaft, hat sie sich abgemüht. Arbeit und Familie verbinden, „keine Seite der Seele brachliegen lassen“, lieben und (weiter) lernen können – das war ihr Wunsch. Doch die patriarchale Struktur im Deutschland des Kaiserreichs verunmöglichte das. Clara schwor bei ihrer Promotion, niemals etwas zu lehren, was ihrer Überzeugung widerspricht. Der Giftgasangriff im Ersten Weltkrieg, den ihr Mann Fritz Haber mit seiner Forschung erst ermöglichte, widerspricht ihrer Überzeugung: „Seit dem 22. April ist der Mensch ein Ungeziefer.“ Für Clara hat hier die Wissenschaft einen Verrat begangen. Doch für Fritz ist Clara die Verräterin, weil sie nicht loyal (Wie es erwartet wird. – Wie er es erwartet!) zu ihm steht.

Nach einem Fest zur Feier des Kampfes erschießt sich Clara mit einem Schuss ins Herz. Sie hinterlässt ihren zwölfjährigen Sohn. Ihr Mann macht weiter Karriere, erhält schließlich den Nobelpreis; auf der Flucht vor den Nazis ins britische Exil stirbt er.

Aus diesem spannenden Stoff hat die Coburger Schriftstellerin Sabine Friedrich ein Theaterstück gemacht, das sich der Kernfrage „Warum hat sich Clara umgebracht“ von verschiedenen Seiten her nähert. Insgesamt zwölf Figuren führt die Autorin ein, die alle von einer Schauspielerin gespielt werden. (Da die meisten Szenen in dialogischer Form angelegt sind, wäre auch eine Besetzung mit mehreren Schauspielern denkbar, was natürlich eine Focusverschiebung bedeutete, aber auch eine neue Farbe einbrächte.) Neben Clara Immerwahr und ihrem Ehemann Fritz Haber bildet die Journalistin Carla die Klammer ins Heute. Auch Carla, ein von der Mutter verlassenes Kind, muss sich entscheiden: zwischen Karriere, Lebenspartner und Kinderwunsch. Doch die moderne Frau kann schließlich ihren eigenen Weg gehen – einen Weg, der der historischen Clara noch versagt war.

Vor ausverkauftem Haus erlebte das Stück „Immerwahr“ am Samstagabend seine bejubelte Uraufführung. Die Autorin hat, wie schon beim Schreiben, eng mit der Hauptdarstellerin Anja Lenßen zusammengearbeitet. Für die szenische Realisierung kamen noch der Regisseur Sven Ruppert und Ausstatterin Anja Quentin hinzu. Dem Team gelang eine Aufführung aus einem Guss, eine sinnliche, gefühlvolle Auseinandersetzung mit dem Thema. Sven Ruppert lässt Anja Lenßen in seiner klaren, durchdachten Regie brillieren. Logische Lichtwechsel verdeutlichen den Wechsel zwischen Zeit und Rollen. Klangcollagen und Projektionen schaffen Atmosphäre.

Das Bühnenbild von Anja Quentin im abstrahierten Schwarz-Weiß-Kontrast gibt viel Raum für die zahlreichen Schauplätze und wird im realen wie übertragenen Sinn zur Projektionsfläche. Das Kostüm der Darstellerin ist so geschickt stilisiert, dass vor dem Auge des Zuschauers Mädchenkleid, Ballkleid oder „Journalistinnen-Outfit“ ebenso entstehen, wie Stresemann oder Soldatenuniform.

Das ideen- und bilderreiche Stück „Immerwahr“ ist eine fantastische Herausforderung für eine Schauspielerin und Anja Lenßen meistert sie phänomenal. Vorgestellt wird eine junge Journalistin, die ein Buch über Clara Immerwahr schreibt und sich die Protagonist/innen der Geschichte vorstellt. Immer mehr gewinnen diese Figuren ein Eigenleben. Clara als wissensdurstiger Backfisch, als entschlossene junge Frau, die allen Widerständen trotzt, als gebrochene Erwachsene, die mit ihrem Leben abschließt. Oder Fritz, der den „Makel“ des Jüdischseins durch übersteigerten Patriotismus vergessen machen will. Der Vater Claras, Philipp, der die wissenschaftliche Neugier seiner Tochter versteht und fördert. Diese Figuren zeichnet Anja Lenßen gefühlvoll und lebendig. Den Professores, die das studierwillige Mädchen abweisen, gibt sie humorvoll-karikaturistische Züge. Durch Wechsel im Spiel-Temperament und in den Stimmlagen, in der Haltung und in den Gesichtsausdrücken gelingen Anja Lenßen die virtuosen Rollenwechsel überzeugend. Doch neben aller schauspielerischer Technik ist es besonders die Präsenz Lenßens, die das Publikum gebannt zuschauen lässt und die dem Stück mit Leichtigkeit die Schwere nimmt.

Mit Bravos, Blumen und langem Beifall feierte das Premierenpublikum dieses Coburger Bühnenereignis und die anwesende Autorin. Nicht verpassen!

Neue Presse


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