Neuigkeiten | Theaterverlag Hofmann-Paul

Presse

Presse nach Stücken

Presse nach Autoren

Weitere Informationen

Stück Details

Presse - Die letzte Zigarre von Bengt Ahlfors

Über Liebe und Triebe im Alter – Altmark Zeitung

02. Februar 2009

Zum Gastspiel des TdA in Bad Bevensen


 „Die letzte Zigarre“: Nachdenkliches vom Theater der Altmark im Kurhaus Bad Bevensen von Christine Kohnke
Bad Bevensen. "Ich denke, so Leidenschaften hätten nur junge Leute." Meint die Tochter, eine junge Frau noch, einigermaßen erstaunt über die Begierden, die Onkel, Tante und Vater aus heiterem Himmel - wenn auch nicht ganz freiwillig - offenbaren. Eigentlich war sie nach Hause gekommen, um ihre eigene Beziehungskrise zu bewältigen - und findet sich unvermittelt in einem Beziehungsdrama wieder, das es so eigentlich gar nicht geben dürfte.


Darf der Pfarrer mit der Frau seines besten Freundes ein Verhältnis haben? Darf eine Frau, die längst Großmutter sein könnte, ihre Leidenschaften mit Peitsche und Handschellen ausleben? Dürfen Menschen jenseits der 60 überhaupt noch Leidenschaften haben?
Fragen, die Bengt Ahlfors, Autor des Schauspiels "Die letzte Zigarre", dargeboten am Samstagabend vom Theater der Altmark im Kurhaus Bad Bevensen, so eigentlich gar nicht stellt - er beschreibt sie eher. Denn es gibt ohnehin nur die eine Antwort: Menschen haben Leidenschaften, Triebe, Wünsche - egal, wie alt sie sind. Was sich mit den Jahren ändert, oder besser gesagt außerordentlich reduziert, ist lediglich die Toleranz der Öffentlichkeit.
"Die letzte Zigarre" ist ein nachdenkliches, auch beängstigendes und gleichzeitig humorvolles Theaterstück über das Zusammenleben. Der schwedische Autor erzählt darin, wie Fürsorge zur Tyrannei werden kann und Pflichtbewusstsein zum Gefängnis; wie zwei, die sich einmal liebten, sich das Leben zur Hölle machen und doch nicht auseinander gehen mögen. Und er erzählt über die Liebe im Alter.
Die vier Protagonisten des Theaters der Altmark (Rainer Karsitz als Ragnar, Kathrin Becker als Anneli, Reinhard Riecke als Helge und Raphaela Crossey als seine Tochter Monika) haben Ahlfors' Stück eindrucksvolle Gesichter gegeben. Kein Charakter bleibt eingleisig, in jedem Tun ist das Für und Wider zu spüren.
Da ist Ragnar, der wegen seiner Krankheit nicht rauchen soll, von seinen geliebten Zigarren jedoch nicht lassen möchte. Der all den verpassten Gelegenheiten seiner Jugendzeit nach-trauert, aber - anstatt sie als Antrieb zur Veränderung zu nehmen - darüber in Frustration versinkt.
Und seine Frau Anneli, die mit schauerlichem Spürsinn alle mit List und Tücke versteckten Zigarren auffindet, ihren Mann als personifizierter Vorwurf malträtiert - und nicht zögert, ihre Leidenschaften auszuleben. Und schließlich Freund Helge, der Pfarrer, der zwar jede Menge pastoralen Sermon absondert, aber ansonsten recht menschlich ist. Dazwischen agiert Tochter Monika, die über der Beziehungskiste der Alten ganz eigene Erkenntnisse gewinnt.
Mit Lust und Können - das minimalistische Bühnenbild steigert die Wirkung des Geschehens noch - hat das Theater der Altmark auf Einladung des Kulturvereins Bevensen für ein eindrucksvolles Theatererlebnis gesorgt.

 

Die Spielfreude wird belohnt – Altmark Zeitung

19. Januar 2009

Zur Premiere am Theater der Altmark, Stendal, 17.01.2009


Die Spielfreude wird belohnt. Viel Beifall für Autor und Ensemble in der Premiere „Die letzte Zigarre“


Sichtlich bewegt nahm der Autor des Stücks "Die letzte Zigarre", Bengt Ahlford am Sonnabendabend im Kleinen Haus des TdA den herzlichen Dankesapplaus im Kreis des Darstellerensembles zum Schluss der Premiere seines Stückes entgegen.
Es war der Abend des Rainer Karsitz, es war der Abend eines spielfreudig aufeinander abgestimmten Ensembles mit Katharina Becker als Gattin des pensionierten Schuldirektors Ragnar, mit Reinhard Riecke als Freund und Pfarrer und dessen Tochter Monika, von Raphaela Crossey dargestellt. Die Regie führte Eberhard Köhler.
In Zeiten, wo recht häufig in der Theatersphäre Konflikte in den Stücken oberflächlich auf äußere Effekte abgestellt und ebenso oft unter der Gürtellinie ablaufenden Ereignissen basieren, wirkt Ahlfords Stück ausgewogen, erheiternd und zugleich auch nachdenkenswert und durchaus nicht immer leichtlebig im Wortsinn.
Ragnar - Karsitz lebt sein Pensionärsleben, überdurchschnittlich beobachtet und überwacht durch seine nörgelnde Frau. Sie tut das "nur aus Sorge um seine Gesundheit". Er darf weder rauchen - das tut er heimlich - oder Kognak trinken oder gar an Liebesstunden denken.
Seinem Freund gesteht er sogar mitunter wünschte er sich, seine Frau wäre tot - theoretisch nur, natürlich. Aber kann man mit über 60 noch ein neues Leben anfangen?
Hier weiß er noch nicht, dass eben dieser Freund, Pfarrer Helge, ihn seit sechs Jahren mit seiner Frau betrügt. Die Liebesszene zwischen Pfarrer und Geliebter wird lebensecht von zwei alternden aber liebenden Persönlichkeiten ohne jede Peinlichkeit gestaltet. So geht der Alltag im Stück dahin, er nörgelt, sie bewacht und betrügt ihn zugleich, der Freund geht in der Familie ein und aus. Bis - ja, bis Ragnar eines Tages mit triumphierend ausgestreckten Armen in der Tür steht und siegesfreudig verkündet: "Alles ist aus. In drei Wochen bin ich ein toter Mann. Jetzt will ich leben. Frau: Einen Kognak!" Hier haben Spielweise der Darsteller und Stückvorlage etwas von der Tiefe der Religionsphilosophie eines Kierkegaard: "Durch Furcht und Zittern zur Erlösung!" Was nun folgt, ist ein furioses Presto-Finale: Der Freund gesteht die Liebe zur Frau des Freundes. Der will beide erschießen, dann bloßstellen. Ereignisse überstürzen sich.
Die Zuschauer sind unmittelbar einbezogen in die Konflikte der Bühnenfiguren auf nunmehr schwankendem Untergrund. (Ein spielförderlicher Einfall von Dirk-Steffen Göpfert in dessen mitunter auch spielhinderlichem halb abstrakten halb realen Bühnenbild). Das Ganze löst sich komödiantisch auf.


Die Darsteller um Rainer Karsitz haben mit Spielwitz ihrem Kollegen einen würdigen Abschied vom aktiven Bühnenleben geschenkt.

„Die letzte Zigarre“ im Theater der Altmark – Stendaler Volksstimme

12. Januar 2009

 Finnischer Autor zu Gast bei der Premiere -  (Vorankündigung)


„Die letzte Zigarre“ hat am Sonnabend, 17. Januar, um 19.30 Uhr im Kleinen Haus des Theaters der Altmark Premiere.

Das Stück des finnischen Autors Bengt Ahlfors dreht sich um den pensionierten Schulrektor Ragnar. Am geöffneten Fenster stehend, genüsslich eine Zigarre rauchend, den Kindern auf der Straße zuschauend, in dieser Situation erscheint ihm sein Leben nahezu perfekt.
Aber da sind noch seine nörgelnde Ehefrau, der neue Schulrektor und sein bester Freund, der auch privat den Pfarrer nicht ablegen kann. Dieses Beziehungsgeflecht nimmt ihm die Luft zum Atmen. Aber es ist nie zu spät, sein Leben in die Hand zu nehmen. Ragnar bietet eine Paraderolle für den Schauspieler Rainer Karsitz. Seit zehn Jahren steht er im Theater der Altmark auf der Bühne. Nach „Die letzte Zigarre“ verabschiedet sich der beliebte Schauspieler in den Ruhestand.
Premierenabende sind ohnehin etwas Besonderes, der am 17. Januar wird durch den Besuch von Bengt Ahlfors zusätzlich „geadelt". Der Autor von „Die letzte Zigarre" sieht sich die Premiere in Stendal gemeinsam mit dem altmärkischen Publikum an. Zwei Tage zuvor, am Donnerstag, 15. Januar, stellt er um 19.30 Uhr im TdA sein neuestes Stück „Der Liftverweigerer" in einer Lesung vor. Auch darin geht es um Sehnsüchte und Einsamkeit im Alter. Seit sein Hund gestorben ist, redet ein alter Mann mit dem Lift, während er sieben Stockwerke hinauf fährt. Selbstironisch erzählt er von der Suche nach neuen Begegnungen und Gesprächspartnern bei Computerkursen in der Volkshochschule, Beerdigungen und Hochzeiten Bengt Ahlfors' Stück ist ein witzig-skurriler Monolog über die Einsamkeit des Alters und die Anonymität des modernen Großstadtlebens.