Presse

Presse | Theaterverlag Hofmann-Paul

Presse - Die letzte Zigarre von Bengt Ahlfors

Presse nach Stücken

Presse nach Autoren

Weitere Informationen

Die letzte Zigarre
Die letzte Zigarre
Ragnar ist pensionierter Lehrer und hat Angst, die Träume des Lebens nicht gelebt zu haben. Seine Frau Annelie scheint zufriedener, doch sie hat ein Geheimnis und der Freund Helge auch.

Leseexemplar jetzt bestellen

Für Bestellung vormerken

Kategorien

Schauspiel
Komödien

Autor

Übersetzer

Alle Presseartikel

Presseartikel nach Stücke

Presse - Die letzte Zigarre von Bengt Ahlfors

Zahme Vögel fliegen nicht – Badische Zeitung

19. Januar 2015

Rundum gelungene Premiere von "Die letzte Zigarre" auf der Emmendinger Maja-Bühne.

 

Von Georg Voss

 

Emmendingen. Man wühlt nicht in anderer Leute Schränke. Dies trifft auch auf das Leben zu. Was gibt es dort zu entdecken? Viel Doppelbödiges, viele Geheimnisse, die der Lebenspartner dem anderen vorenthalten hat. Doch auf jeden Fall liegt etwas anderes hinter der Fassade verborgen. Vielleicht auch Träume, die nie gelebt wurden. Das Leben ist nicht so, wie es scheint oder wie man es den anderen vorspielt. Und plötzlich ergibt sich eine Chance, genau dann, wenn der Arzt einem nur noch drei Wochen zu leben gibt und man sein Gnadenbrot, das bisher verwehrt wurde, bekommt.

 

Genau dorthin in die Schränke, in das Leben schaut der finnisch-schwedische Dramatiker Bengt Ahlfors mit seinem Theaterstück "Die letzte Zigarre", die das Theater im Steinbruch nun auf der Maja-Bühne vor ausverkauftem Haus aufführte. Und die Premiere ist rundum gelungen. Ragnar, bravourös gespielt von Roland Seidl, ist pensionierter Schuldirektor und kommt nach Hause. Er legt seinen Feldstecher ab und schaut nochmal zum Fenster heraus, von wo er die Schule gut sehen kann. Es ist letzter Schultag.
 

"Welch wunderbares Gefühl von Freiheit", kommt ihm über die Lippen. Zudem beobachtet er gerne die fliegenden Vögel und möchte am liebsten hinterher. Doch sein Leben ist weniger von Freiheit geprägt. Er will zwar noch eine Zigarre rauchen. Aber dann kommt seine Frau Anneli – wunderbar gespielt von Simone Allweyer − nach Hause. Er drückt seine Zigarre aus, da er nicht rauchen darf, sei es, dass er krank ist, sei es, dass es seine Frau ihm verbietet. Mit Anneli ist er mehr als 35 Jahre mehr oder weniger unglücklich verheiratet. Sie streiten sich über belanglose Dinge, wegen eines Zahnstochers. Er versucht seine Dinge vor ihr zu verheimlichen und wünscht sich nichts Sehnlicheres als zu rauchen, zu trinken und einen Schweinebraten mit Kartoffeln aber ohne Gemüse.

 

Dahinter steckt die Sehnsucht nach Freiheit, der Wunsch, das Leben noch einmal von vorne zu beginnen. Er sinniert über sein Leben, muss an seine frühere Schulfreundin Regina denken und schwärmt von ihr. Das Leben hätte auch ganz anders verlaufen können. Er hätte Seemann werden können, die ganze Welt wäre ihm offengestanden. Sein jetziges Leben hat er so satt.

 

Doch Ragnar hat auch um sich eine Fassade aufgebaut, die aber nach und nach eingerissen wird. So kommt die Meldung des Arztes, dass er nur noch wenige Zeit zu leben hat, sehr entgegen. Die vermeintlichen Bücher im Regal entpuppen sich als Behältnisse für Zigarren und Cognac. Anneli riecht den Qualm, wühlt auch im Kleiderschrank und findet zudem einen Revolver und dann auch einen Karton mit Pornoheften. Aber nicht nur Ragnar führt ein Doppelleben. Auch Anneli. Sie wirkt zufrieden, regelt den Haushalt und hat dennoch ein Geheimnis. Nur dass Ragnar ihre Schränke nicht durchwühlt.

Dann kommt Ragnars bester Freund zu Besuch. "Born to be Wild" von Steppenwolf ertönt und Helge, unnachahmlich gespielt von Christian Fuhrmann, kommt in Motorradkluft vorbei. Ragnar bittet Helge um Hilfe. Er will, dass Helge für ihn Zigarren besorgt, weil er nicht mit dem Rauchen aufhören will. Und so langsam resümiert Ragnar sein Leben und gesteht Helge, der auch Priester ist, dass er oft phantasiert, dass Anneli tot ist. Die Phantasie sei angenehm. Doch Helge warnt ihn: "Phantasie kann gefährlich werden."

 

Helges Tochter Monika (Christina Menner) kommt ebenfalls zu Besuch und unterhält sich mit Anneli. Sie bringt ebenfalls ein Paket mit, da auch sie im Kleiderschrank gewühlt hat. Darin liegt eine rote Peitsche. Wer gräbt, wird immer fündig. Hinter der biederen Fassade lauern das wahre und wilde Leben, die Sehnsüchte, die Phantasien und Träume. Das macht auch den Reiz dieser Komödie aus, die mit diesem doppelbödigen Witz spielt und Lachen provoziert. Es ist nie zu spät, sein Leben in die Hand zu nehmen. Denn nur die zahmen Vögel verspüren Sehnsucht. Die wilden fliegen.

 

Die letzte Zigarre - nicht trinken, nicht rauchen – Therapie: Das Lifestylemagazin

27. Mai 2014

Wenn Beziehungen in die Jahre kommen, ist nicht immer alles eiteler Sonnenschein. So auch bei Ragnar und Anneli, die sich nicht mehr viel zu sagen haben. Joachim Meurer und Ingrid Wanske spielen das alternde Ehepaar im Düsseldorfer Theater an der Luegallee. Wie so oft im Leben ist auch in diese Beziehung nicht alles so, wie es auf den ersten Blick scheint. Das führt zu tragischen und komischen Momenten und ermöglicht den Gästen einen interessanten Theaterabend, der für Gesprächsstoff sorgt.

Rauchen – nur heimlich. Alkohol – wird versteckt. Ragnar fühlt sich von seiner Frau kontrolliert und bevormundet. Die will eigentlich nur das Beste für ihn und vergnügt sich doch heimlich mit seinem besten Freund. Der ist der Priester der Kleinstadt und zugleich sein Ansprechpartner für die wichtigen Fragen des Lebens. Als er von einer Untersuchung mit der Botschaft zurückkommt, dass er nur noch drei Wochen zu leben hat, setzt er damit einiges in Gang. Während seine Frau sich auf die neue Freiheit freut, will sein bester Freund nicht mehr mit der Heimlichkeit leben und ihm alles sagen. Und auch der Sterbenskranke genießt die neue Freiheit. Plötzlich darf er rauchen und trinken und bekommt sogar seinen geliebten Schweinebraten. Zudem erfährt er die Wahrheit über seine Frau und seinen besten Freund. Doch wie geht ein Sterbenskranker damit um, dem kein irdisches Gericht mehr zur Rechenschaft ziehen kann? Der Schulleiter im Ruhestand findet seinen ganz eigenen, ungewöhnlichen Weg, mit der Situation umzugehen. Und überrascht damit nicht nur seine Frau, sondern auch das Publikum, das zum Ende des Abends eine interessante Wendung erfährt. Die hat nicht nur damit zu tun, dass plötzlich eine geladene Pistole im Spiel ist.

 

Gefeierte Premiere: "Die letzte Zigarre" – Mühlhäuser Allgemeine

20. Januar 2014

Ein schwarzhumoriges Stück über eine vertrocknete Ehe, über Leidenschaft und Peinlichkeit auf der 3K-Bühne

von Iris Henning

Mühlhausen. Da steht er am Fenster, raucht heimlich seine dicke Zigarre und jammert den verpassten Gelgenheiten hinterher: Ragnar (Thomas Döring), der pensionierte Schuldirektor, wollte sich eigentlich auf sein Schulfrei freuen. So wie damals. Als er Schüler war und die Ferien ihm jedes Mal das Gefühl der großen Freiheit gaben. Zum Beispiel diesem „Affenkäfig“, der Kleinstadt, zu entfliehen.

„Die letzte Zigarre“ ist ein wundervoll humorvolles Gewirr aus Egoismus, Rücksicht, Pflichtbewusstsein und einem vermeintlich nahen Tod, in dem pikant und charmant bewiesen wird, dass es auch im 60-plus-Alter nie zu spät sein kann, sein Leben in die Hand zu nehmen. Ragnars Biologen-Motto bewahrheitet sich: „Nur die zahmen Vögel verspüren die Sehnsucht. Die wilden – fliegen“.

„Die letzte Zigarre“ zeigt auf großartige Weise und mit gehörigem schwarzen Humor ein Stück Lebenswirklichkeit, wie sie vor allem den Beziehungserfahrenen nicht fremd sein dürfte. In keiner Szene wirkt das Stück peinlich oder gar moralisierend. Es ist ein sich steigerndes Vergnügen, mit dem Abstand des Zuschauers diese Balance zwischen menschlicher Komödie und Tragödie zu beobachten. Irgendwie sind all die Situationen auch nicht fremd.

Solche Konflikt könnten sowohl hinter der verschlossenen Tür des Nachbarn ausgetragen werden als auch in der eigenen Wohnstube – was man natürlich niemals zugeben würde.

„Da gibt es Dinge, von denen wohl jeder sagen könnte: 'Ja, so ist das. Das stimmt'“, ist die Ansicht von Spielleiter Bernhard Ohnesorge über das Kammerstück des schwedischen Autors Bengt Ahlfors.

 


Zum Seitenanfang