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Presse Aktuell

aKT ́29 die kölner theaterzeitung

30. Januar 2012

Die Kölner Premieren des vergangenen Monats


MASCHINE SEIN

„CHINA" VON ERIK UDDENBERG VOM D.a.S. THEATER IN DER BÜHNE DER KULTUREN


“China" vom D.a.S. Theater in der Bühne der Kulturen erzählt mit einfachen Mitteln und in Form einer schlichten Lesung die Geschichte einer Kindersoldatin: Ein brutales Stück Menschheitsrealität für Kinder ab dreizehn.

Wie viel Schrecken darf man Kindern in der Kunst zumuten? Sollte man sie mit grausamer Realität konfrontieren - oder ihnen die Welt lieber verzaubert vorlügen? Eine radikale Antwort bietet das Stück "China", das Regisseur Klaus Roth vom D.a.S Theater und die Schauspielerin Karin Punitzer in der Bühne der Kulturen zur deutschen Erstaufführung bringen. "China" ist eine Kindersoldatin, das Stück wurde von der Autobiografie der Uganderin China Keitetsi inspiriert und ist freigegeben ab dreizehn. China war acht Jahre alt, als sie zu kämpfen begann. Erst mehr als 20 Jahre später gelang ihr die Flucht nach Dänemark. Karin Punitzer ist auf der Bühne das bewusste Gegenbild zu einem Kind aus Uganda: eine blonde Frau mit rosa Kleid. Sie sitzt mit Textbuch auf einem Stuhl, hinter einem Tisch sitzt Klaus Roth als "Boxer", ihr bester Freund - wobei man nie weiß, ob es nicht auch ihr Vergewaltiger ist. Manchmal wird er auch zum Chef oder zum Verhörer der UN-Hilfstruppen. In heiterem Tonfall lesen sie abwechselnd aus Chinas Sicht aus dem Alltag einer Kindersoldatin. Das skizzenhafte Andeuten der Szenerie ist ein probates Mittel der Distanzierung.

Nach und nach zieht sich Punitzer Kriegsstiefel und Waffengurt an. Sie erzählen: dass die Kalaschnikow zuerst größer ist als die Achtjährige. Dass die eigene Waffe "Mutter" genannt wird: sie schützt. Dass ein gleichaltriger Freund nach dem anderen stirbt. Wie man Gefangene ihre eigenen Gräber ausschaufeln sieht. Immer Hunger hat. Zur Maschine wird. Wie ein Hund beobachten muss, was der Chef tut. Wie man pro Getötetem in der Hierarchie aufsteigt. Subtil wird die stetige Abstumpfung und Gehirnwäsche angedeutet, wenn etwa nach Kampfeinsatz ein fröhliches "Wir haben gewonnen" wie beim Kinderspiel geschmettert wird. Manche Szenen stellen sie nach, etwa die, als China denn ersten erschießen muss. Immer wieder wird Musik eingespielt oder Bilder von afrikanischen Kindern mit unbedarften Gesichtern auf die Rückwand projiziert - nie jedoch Bilder von Kampfhandlungen oder Toten. Trotzdem wird es immer unerträglicher, sich Chinas Weg zur Tötungsmaschine anzuhören. Zumal sie älter wird und zum Morden und Plündern das Vergewaltigt- und Schwangerwerden tritt.

Es stimmt versöhnlich, als China die Flucht geschafft hat, eine Therapie beginnt und ihr Buch schreibt. Mit schlichten Mitteln ist hier spärliches, aber eindringliches Theater gelungen.

Presse zu China: "Maschine sein" - akt'29 die kölner theaterzeitung jan'12

"Der Betze brennt" (Wechselfieber-Fassung für Kaiserslautern) – Rheinpfalz

04. Oktober 2011

Steilvorlage und - Tooor!
Die Schauspielsaison im Großen Haus des Pfalztheaters Kaiserslautern beginnt mit der Fußball-Komödie "Der Betze brennt!" von Fabian R. Lovisa
In schöner Regelmäßigkeit nähern sich Kaiserslauterns Kulturschaffende dem "heiligen Pfälzer Berg", dem Betzenberg, an. Nicht alle Verrsuche, den Ball dabei ins künstlerische Tor zu bekommen, gelingen. Doch die Komödienproduktion "Der Betze brennt!", mit der die Schauspielsaison am Samstagabend im Großen Haus des Pfalztheaters eingeläutet wurde, punktet mit Spielwitz und einer Mannschaft in glänzender Spiellaune.
Was hat das Westpfälzer Publikum in Sachen Fußball und Kunst nicht schon alles erlebt: Das Fußballmusical "Im Stadion ist der Teufel los", das 1999, auf dem Betzenberg inszeniert, leider nicht den gewünschten Erfolg eines Crossovers von Fußball- und Kulturpublikum erzielte. Oder das Schauspiel "Die Helden von Bern" zum 50. Jahrestag des Sieges der deutschen Nationalkicker in Bern gegen Ungarn.
Auch Kaiserslauterns größtes Museum, die Pfalzgalerie, beschäftigt sich gern mal mit dem "runden Leder". Eine der ersten Ausstellungen bundesweit zu dem Thema hieß 1989 noch schlicht "Fußball und die Kunst". [...]
Dass es auf dem "Betze" derzeit tatsächlich brennt, bewies ganz aktuell die traurige Niederlage vom Vortag. Und auch in der Komödienproduktion kracht es mächtig im Vereinsgebälk. Ausgerechnet Dragan Popisola, liebevoll Popo genannt, will den Verein verlassen. Und ausgerechnet zum Erzrivalen Mainz '05 soll es für den serbischen Fußballsöldner gehen. Dass dies die Vereinsführung auf handfest-pfälzische Art verhindern will, liegt nahe: Beim Kidnappen des Stürmers geht dieser allerdings vermeindlich hops. Und für Trainer Wilkens und Vereinsboss Brinkötter beginnen Irrungen und Wirrungen.
Eine Leiche, möglichst viele Türen, durch die das Personal in raschem Wechsel auf- und abtreten kannm sowie noch mehr Telefone, die regelmäßig Terror machen: Das sind die Erfolgsgaranten auch dieses 2010 in Koblenz uraufgeführten Stückes, das in einer auf Kaiserslautern zugeschnittenen Neufassung am Pfälzer Musentempel zu sehen ist. Regisseur Thomas Krauß, Schauspieldirektor am Haus, nutzt die Steilvorlagen meist konsequent aus. Allein in der zweiten Halbzeit hätte seine Mannschaft mehr Druck machen können.
Spielführer sind dabei eindeutig Henning Kohne als Vereinspräsident und Dominique Bals als Trainer. Letzterer sieht im Dreitagebart und Stoppelhaar sogar dem aktuellen Coach Marco Kurz recht ähnlich. Und doch ist es vor allem der komödiantische Mutwillen, mit dem nicht nur diese Doppelspitze, sondern auch die "Hintermannschaft" punktet. Die tapfere Antje Weiser etwa als zickige Präsidentengattin, die trotz hörbarer Heiserkeit ihrer Figur bis zum Schluss köstliches Profil verleiht. Oder Reinhard Karow als Taxifahrer, der zunehmend Spaß am Trubel in der Präsidentenvilla findet. Auch "Kollege" Markus Kloster als RHEINPFALZ-Journalist Stahnke ist eine herrliche Type - so war wie das Klischee, das bekanntlich von der Realität nicht selten überholt wird.
Zusammen mit den vielen lokalen Spitzen im Stück also ein unterhaltsamer Theaterspaß und nicht nur für Kulturfreunde empfehlenswert."

"Der Betze brennt" (Wechselfieber-Fassung für Kaiserslautern) – INSIDER online

02. Oktober 2011

Zur Inszenierung des Stückes am Pfalztheater Kaiserslautern, 01.10.2011

Turbulente Komödie über die wahren Hintergründe von König Fußball
Den schlechtesten Saisonstart aller Zeiten legte der 1. FCK mit seiner Niederlage tags zuvor gegen den VfB Stuttgart hin. Mit einem brillanten Start konterte das Schauspiel-Ensemble des Pfalztheaters am Samstagabend. Premiere hatte das Stück „Der Betze brennt" und im Gegensatz zum wahren Fußballleben gab es hier richtig viel zum Lachen. Für das Pfalztheater Kaiserslautern hat Autor Jörg Menke-Peitzmeyer das Stück auf die Lauterer Verhältnisse und den 1. FCK umgeschrieben!
Manfred Brinkötter, Präsident des 1. FCK (Henning Kohne) und Tom Wilkens, Trainer des 1. FCK (Dominique Bals) haben ein Problem: Ihr bester Spieler Dragan Popisola (Markus Penne) will zum Erzrivalen Mainz 05 wechseln. Geld für ein besseres Angebot, um den Spieler zu halten, hat der Verein nicht. Also beschließen beide, den Fußballprofis zu kidnappen, damit er am nächsten Tag den Vertrag in Mainz nicht unterschreiben kann. Doch anstatt den Kofferraumdecke des Autos zwecks Luftzufuhr geöffnet zu lassen, ist er geschlossen und der Fußballprofi nur noch eine vermeintliche Leiche, die in der Präsidentenvilla irgendwie vor allerlei Anwohnern und Besuchern verborgen werden muss. Da ist die Präsidentengattin (Antje Weiser), die ein Verhältnis mit dem Trainer hat, die Präsidententochter und ehemalige Weinprinzessin (Elif Esmen), die sich schon als wohlhabende und berühmte Spielerfrau sieht sowie der Spielervermittler Niksa Eterovic (Jan Henning Kraus), der verzweifelt seinen Schützling sucht. Dazu kommen der Journalist Stahnke (Markus Kloster), der eine „Story" wittert und der Taxifahrer Gottschlich (Reinhard Karow), der kurzerhand zum Spielervater ernannt wird und als jahrzehntelanger FCK-Fan zunehmend Gefallen an der Fußballscheinwelt findet....
Das Stück hat alles, was zu einer guten Boulevardkomödie gehört. Tür auf, Tür zu, Leiche von A nach B und vor allem ein tolles Ensemble, das mit viel Spielfreude und Elan das Thema Fußball von allen Seiten beleuchtet. Da haben nicht nur Kulturfreunde sondern auch Fußballfans jede Menge Spaß und Unterhaltung. Am kommenden Mittwoch werden sich FCK-Trainer Marco Kurz sowie die Spieler Martin Amedick, Leon Jessen, Mathias Abel und Oliver Kirch die Komödie ansehen. Zu diesem Heimspiel bietet das Pfalztheater Kaiserslautern eine spontane Fan-Ermäßigung: Alle FCK-Dauerkarteninhaber erhalten für diese Aufführung am Mittwoch an der Theaterkasse zwei Eintrittskarten zum Preis von einer. Von Petra Rödler

"SWR 4", 30.09.2011
Schriftfassung zum Beitrag zu "Der Betze brennt!" von Jörg Menke-Peitzmeyer, Pfalztheater Kaiserslautern

O-Ton:
Pass doch auf, Mensch! - Seit wann duzen wir uns eigentlich? - Seit wir unseren besten Spieler kidnappen!

Tja, so was schweißt zusammen. FCK-Präsident Manfred Brinkötter und Trainer Tom Wilkens legen im wahrsten Sinne des Wortes gemeinsam Hand an, um für ihren Verein die Katastrophe zu verhindern: den Wechsel des besten Kickers der Roten Teufel zum Erzrivalen Mainz. Und deshalb wird Dragan Popisola, kurz „Popo" genannt, außer Gefecht gesetzt und im Kofferraum in die Clubpräsidenten-Villa geschleppt. Das Problem: Der Starspieler gibt kein Lebenszeichen mehr von sich, aber auch da wissen FCK-Trainer und Präsident Rat: Das schieben wir alles den 05ern in die Fußballschuhe und das Pfälzer Fußballherz schlägt schnell wieder höher.

O-Ton:
Dann ziehen wir denen sämtliche Punkte ab! Die reichen wir durch bis in die Kreisklasse! - Ihr seid nur ein Karnevalsverein, Karnevalsverein, Karnevalsverein...Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht, denn ein hartnäckiger, schmieriger serbischer Spielervermittler, ein Taxifahrer und die untreue Präsidentengattin sorgen für viel Verwirrung, aberwitzige Szenen und schnelle Aktionen. „Der Betze brennt!" hat alles, was eine Boulevardkomödie so braucht: Große Gesten, derbe Komik und vor allem: Tempo. Eine Parallele zum Fußball, sagt Dominique Bals, der den FCK-Trainer Tom Wilkens verkörpert: „Generell Komödie, weil es sehr, sehr schnell geht, hat immer ein sehr hohes Energielevel. Das ist dann durchweg immer recht anstrengend und mit einem Spiel von 90 Minuten durchaus zu vergleichen."
Trainer und Starkicker Popo stecken übrigens in echten FCK-Trikots - der Verein hat gerne ausgeholfen und Clubchef Stefan Kuntz hat auch schon zugesagt, sich die Komödie im Pfalztheater einmal anzusehen. Bleibt nur zu hoffen, dass er sich den Präsidenten im Stück, Manfred Brinkötter, nicht zum Vorbild nimmt. Der feiste Anzugträger wird dargestellt von Henning Kohne: „Er lügt die ganze Zeit und da muss man unheimlich aufpassen - das macht Spaß. Eine Lüge muss mit der nächsten Lüge gleich verbessert werden und man muss die Übersicht behalten, wem man welche Lüge erzählt hat. Das ist der Witz."
Es sei vorweg genommen: Starspieler Popo bleibt am Betze. Aber trotz aller Mühe sind es weder Trainer noch der Präsident, die ihn halten können, sondern die Tochter des Clubchefs.

O-Ton:
Natalie! Ich bleibe Rote Teufel!

Von Frank Krones

"Der Betze brennt" (Wechselfieber-Fassung für Kaiserslautern) – SWR 4

30. September 2011

Schriftfassung zum Beitrag zu "Der Betze brennt!" von Jörg Menke-Peitzmeyer, Pfalztheater Kaiserslautern

O-Ton:
Pass doch auf, Mensch! - Seit wann duzen wir uns eigentlich? - Seit wir unseren besten Spieler kidnappen!

Tja, so was schweißt zusammen. FCK-Präsident Manfred Brinkötter und Trainer Tom Wilkens legen im wahrsten Sinne des Wortes gemeinsam Hand an, um für ihren Verein die Katastrophe zu verhindern: den Wechsel des besten Kickers der Roten Teufel zum Erzrivalen Mainz. Und deshalb wird Dragan Popisola, kurz „Popo" genannt, außer Gefecht gesetzt und im Kofferraum in die Clubpräsidenten-Villa geschleppt. Das Problem: Der Starspieler gibt kein Lebenszeichen mehr von sich, aber auch da wissen FCK-Trainer und Präsident Rat: Das schieben wir alles den 05ern in die Fußballschuhe und das Pfälzer Fußballherz schlägt schnell wieder höher.

O-Ton:
Dann ziehen wir denen sämtliche Punkte ab! Die reichen wir durch bis in die Kreisklasse! - Ihr seid nur ein Karnevalsverein, Karnevalsverein, Karnevalsverein...Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht, denn ein hartnäckiger, schmieriger serbischer Spielervermittler, ein Taxifahrer und die untreue Präsidentengattin sorgen für viel Verwirrung, aberwitzige Szenen und schnelle Aktionen. „Der Betze brennt!" hat alles, was eine Boulevardkomödie so braucht: Große Gesten, derbe Komik und vor allem: Tempo. Eine Parallele zum Fußball, sagt Dominique Bals, der den FCK-Trainer Tom Wilkens verkörpert: „Generell Komödie, weil es sehr, sehr schnell geht, hat immer ein sehr hohes Energielevel. Das ist dann durchweg immer recht anstrengend und mit einem Spiel von 90 Minuten durchaus zu vergleichen."
Trainer und Starkicker Popo stecken übrigens in echten FCK-Trikots - der Verein hat gerne ausgeholfen und Clubchef Stefan Kuntz hat auch schon zugesagt, sich die Komödie im Pfalztheater einmal anzusehen. Bleibt nur zu hoffen, dass er sich den Präsidenten im Stück, Manfred Brinkötter, nicht zum Vorbild nimmt. Der feiste Anzugträger wird dargestellt von Henning Kohne: „Er lügt die ganze Zeit und da muss man unheimlich aufpassen - das macht Spaß. Eine Lüge muss mit der nächsten Lüge gleich verbessert werden und man muss die Übersicht behalten, wem man welche Lüge erzählt hat. Das ist der Witz."
Es sei vorweg genommen: Starspieler Popo bleibt am Betze. Aber trotz aller Mühe sind es weder Trainer noch der Präsident, die ihn halten können, sondern die Tochter des Clubchefs.

O-Ton:
Natalie! Ich bleibe Rote Teufel!

Von Frank Krones

www.a3kultur.de

22. Juli 2011

Zur Uraufführung am S'ensemble Theater, Sommertheater Jakoberwallturm, Augsburg

(UA: 16.7.2011; R: Jörg Schur; D: Florian Fisch, Daniela Nering)

1:0

Barbie, schieß doch! Die Sommerproduktion des S'ensemble Theaters steht im Endspiel.   

Als einer der beachtenswerteren Beiträge zum kulturellen Rahmenprogramm der Frauenfußball- WM in der eigenen Stadt dürfte uns das herrliche Stück »Barbie, schieß doch!« in Erinnerung bleiben. Dies hat nur bedingt mit dem wunderbaren Sommerabend zu tun, in den hinein uns das S’ensemble Theater die Uraufführung inszeniert hat. Der Text von Sebastian Seidel ist schlichtweg gelungen und die schauspielerische Leistung von Daniela Nering und Florian Fisch auf der kleinen, zum Sommer- Open-Theater improvisierten Bühne am Jakoberwallturm wurde von Regisseur Jörg Schur zu 110 Prozent auf den Punkt gebracht.

Nering und Fischer spielen das Ehepaar Drill. Papa Drill lebt für den Verein und wünscht sich nichts mehr, als dass Barbie seine geplatzten Träume von der eigenen Karriere als Fußballstar zu einem späten Happy End bringt. Mama Drill ist in der Halbzeitpause für Kaffee und Kuchen verantwortlich und hält ansonsten den Kontakt zur Außenwelt. Denn eines ist klar, nur hier auf dem Sportplatz spielt für den unglücklichen Metzgermeister Drill das echte Leben.

Ihr Töchterlein Bärbel aka Barbie hat Spaß am Fußball und genügend Talent, um in der Jungenmannschaft mitzumischen. Ein letztes Mal noch soll sie dort aushelfen. Es geht um den Aufstieg und die Drills verfolgen natürlich auch dieses Match vom Spielfeldrand aus.

Doch diesmal ist irgendetwas anders. Ab einem gewissen Punkt können die aufgestauten Frustrationen der beiden nicht mehr gelenkt werden. Die Kampfbahn des Stadions verwandelt sich zusehends zum Schlachtfeld in eigener Sache. Pläne werden vernichtet, Positionen zertrümmert und Träume zerstört. Dabei wird allerdings so wunderbar überzogen agiert, dass noch die platteste Attitüde das nötige Quantum an Spannkraft hält. Wie leicht hätte der Regisseur das einem Minenfeld gleiche Stück an nicht nur einer Stelle in die Luft jagen können. Doch das war an diesem Premierenabend weder mit Daniela Nering als kurzsichtige, sexy Cheerleader-Mami noch mit Florian Fisch zu machen. Dieser agierte irgendwo zwischen dem nicht mehr ganz jungen Jean-Paul Belmondo und einem gut aufgelegten Louis de Funès. Und das ist doch einiges mehr, als so manch anderer von seiner Rolle behaupten kann.

Der Fußball spielte an diesem Abend zum Glück keine tragende Rolle. Er war Staffage. Austauschbar. Genau genommen ebenso wie bei »City of Peace«, dem kulturellen Rahmenprogramm zur WM. (kaj)

Augsburger Zeitung

18. Juli 2011

Zur Uraufführung am S'ensemble Theater, Sommertheater Jakoberwallturm, Augsburg

(UA: 16.7.2011; R: Jörg Schur; D: Florian Fisch, Daniela Nering)

Wenn Eltern von Stars träumen

„Barbie, schieß doch!“ am Jakoberwallturm Von Katharina Maier

Barbie, alias Bärbel, spielt leidenschaftlich Fußball, aber Bruder Konstantin, der sich selbstironisch den Spitznamen „Ken“ gegeben hat, verbringt seine Zeit lieber mit Freund Roland – und angeblich vor dem Spiegel. So ändern sich die Zeiten und die Rollenbilder, wie der fußballfanatische Vater (Florian Fisch) und die mädchenhafte Mutter (Daniela Nering) in Sebastian Seidels neuestem Stück erkennen müssen. Am Samstagabend feierte „Barbie, schieß doch!“, das begleitend zur Frauenfußball-WM entstanden ist, im Sommertheater am Jakoberwallturm seine offizielle Premiere.

Beachtliches Maß an Energie auf der Bühne

Anders als bei der Preview im wohl schlichtweg zu großen Kulturstadion auf dem Rathausplatz, bei der Alois Knoller noch den Mangel an Tempo und Emotion beklagte, gelang es Fisch und Nering in der familiären Atmosphäre des Sommertheaters am Jakoberwallturm, den ganzen Abend über ein beachtliches Maß an Energie auf die Bühne zu bringen.

„Barbie, schieß doch!“ ist ein kleines, feines Familiendrama, das fast ausschließlich über den Dialog der Eltern am Rande des Fußballfelds vermittelt wird. Barbie spielt nämlich gerade mit der Jungenmannschaft um den Aufstieg und, laut Vater Bernd, um ihre Zukunft. Doch geht es hier tatsächlich um Barbies Träume oder nicht doch um die seinen? Der Schmerz um die eigene verpasste Fußballkarriere begleitet den ehemaligen „Bernadonna“ in Form einer Knieverletzung, die im Laufe des Stückes immer ausgeprägter wird. Er verwandelt ihn von einem nur leicht überzeichneten, überenthusiastischen Fußballvater in eine mitleiderregende, fast tragikomische Figur.

Die Dramatik findet zwischen den Zeilen statt

Mutter Claudia dagegen bleibt stets in der Schwebe zwischen ihren rosaroten Träumen von einer Ballett tanzenden Tochter und zahlreichen Enkelkindern und der Einsicht, dass ihre Kinder ihre eigenen Vorstellungen vom Leben haben.

„Barbie, schieß doch!“ ist ein Familienstück zum Schmunzeln. Die große Dramatik findet fast ausschließlich zwischen den Zeilen statt. Ob man das dem Stück als Stärke oder Schwäche auslegen will, liegt im Auge des Betrachters. Jedenfalls führen uns Autor Sebastian Seidel, Regisseur Jörg Schur und die Schauspieler Fisch und Nering einen teils amüsanten, teils anrührenden Ausschnitt des alltäglichen Dramas um Kinder und vor allem Eltern vor Augen.

Weststadt Online

15. Juli 2011

Zur Uraufführung durch das Theater Baal Novo, Reithalle Offenburg
(UA: 19.04.2011; R: Edzard Schoppmann)

Mauern überwinden

Da wird gekämpft, gestritten, gelitten, nach Nähe gesucht und Aggressionen entwickelt – das Recht des Stärkeren gilt halt unter Strassenkötern, wie sich diese Randgruppen-Kids mit Migrationshintergrund in ihrem Ghetto, das sie Mauerland nennen, selbst begreifen. Ohne Wurzeln, ohne Hoffnung, im Hamsterrad des Unterprivilegiertseins gefangen, sich selbst über­lassen, so hat die transkontinentale Migration des 20. und 21. Jhdts. eben die Kulturen durcheinander gebracht, ohne auch nur ansatzweise Lösungen für den sich aufbauenden gesellschaftlichen Dampf­druckkessel zu entwickeln. Was die einen dabei als Multikulti-Chance vertraten, galt bei anderen als das Horrorszenario von Parallelgesellschaften zur existierenden bürgerlichen Welt. An diesen betonierten Positionen der Schwätzer und Rechthaber entwickelte sich tatsächlich dabei ein schmutziger Rand um die heile weiße Welt der bürgerlichen aufgeklärten Besserwisser.

Nur – was ist seitdem passiert? Was machen die Betroffenen? Davon handelt “Die Mauersegler“ des Baal novo – Theaters aus Offenburg unter der Leitung von Edzard Schoppmann, der das zweisprachig inszenierte Theaterstück auch geschrieben hat. Ob die gezeigte Situation dabei in Frankreich oder in Deutschland spielt ist egal, es spielt überall dort, wo sich Migranten massenhaft eingefunden haben, weil sie sich ein besseres Leben erhofft haben oder dort hinein geboren wurden, um dann festzustellen, dass sie gar nicht akzeptiert sind. Wie Strassenköter eben in Spanien, Marokko und sonstwo. In diesem kulturellen, geistigen und materiellen Nirwana entwickeln politische Entscheider scheinbar keine neuen Ideen, ausser Härte zu fordern, dabei finden die Underdogs ihre eigenen Auswege, Umgangsformen und Moral.

Inspiriert durch die ursprünglich französische Trendsportart Parkour schrieb Schoppmann das Theaterstück.

"Parkour ist eine Sportart, die in den 80er Jahren in den Betonwüsten der Pariser Vorstädte entstanden ist. Ziel ist es mittels eigener Kreativität und mit dem geringsten Kraftaufwand den kürzesten Weg von einem Punkt zum anderen zu finden. Parkour zeigt Jugendlichen einen Weg mit dem bestehenden Umfeld zu Recht zu kommen. Es geht nicht darum andere durch sein eigenes Können zu beeindrucken, sondern um einen respektvollen Umgang miteinander. Parkour ist mehr als ein Sport, es stärkt den Geist, ist gleichzeitig Kultur und Lebenseinstellung. Diese Philosophie wird den Jugendlichen im BAAL novo Workshop vermittelt. Neben deutschen und französischen Schauspielern, stehen diesmal auch Schauspieler türkischer und arabischer Herkunft auf der Bühne. Das Stück erzählt davon, wie junge Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, vom Leben vergessen wurden, sich befreien, und einen eigenen Weg ins Leben finden. Da sie sich ausgegrenzt fühlen, haben sie in und um sich herum Mauern gebaut. Parkour ist für sie ein Ausweg aus ihrer Perspektivlosigkeit in Mauerland." [Text aus: Badische Zeitung, Offenburg]

Das Theaterstück endet mit dem Überwinden der äusseren wie inneren Mauern und gibt daher auch ein Vor-Bild für das junge Theater-Publikum ab.
Der ganzen Theatertruppe Baal novo muss für die überzeugende Darstellung und Umsetzung von Sprache, Tanz, Akrobatik, Musik und Multimedia grösste Anerkennung gegeben werden, genauso wie dem Autor und Spielleiter Edzard Schoppmann und der Technik-Crew, die eine lebendige moderne Aufführung zeigten. Vergessen habe ich bisher zu erwähnen , dass Mauersegler eine Koproduktion von BAALnovo mit dem UnterwegsTheater Heidelberg ist. Jai Gonzales und Bernhard Fauser haben die Körperarbeit und Bewegungschoreoraphien übernommen und zum Bühnenbild, bestehend aus illuminierten Wasserfässern, inspiriert. Man kann  sich wünschen, diese gute Zusammenarbeit möge weiter bestehen. Solche Projekte erzeugen unverschlüsselte Botschaften für die Zuschauer, die viel authentischer, eindringlicher und wegweisender für ein gemeinsames Zusammenleben sind als viele politische Sonntagsreden und kryptisches pseudo-soziales Wortgedrechsel.

DieStadtredaktion.de

15. Juli 2011

Baal Novo - Mauersegler in der Hebel Halle

von Nils Herbstrieth

In einer Zeit nach oder vor der Zeit irgendwo im nirgendwo und doch überall. Junge Lebewesen, Menschenrudel oder Hundegang, leben in einer Art Endzeitszenario hinter Mauern unter der Brücke neben dem Schrottplatz. Ein Ort den es heute in  jeder Stadt irgendwo gibt.

Die Protagonisten durchleben alles, was junge Hunde so durchleben müssen. Rudelbildung, Anführerschaft, männliche Eitelkeit und Verletzbarkeit, weiblich nuttige Klischees, starke Frauen, Identitätskrisen, Migrationsschwierigkeiten, Gewalt, Liebe – et tout cela. Während sich die sechs mit ihren tierisch menschlichen Problemen herumplagen werden sie immer wieder überrascht durch Wesen die irgendwie anders sind, die leicht und geschickt alle Hindernisse überwinden. Mauersegler, Überflieger, Privilegierte? Man weiß es nicht. Sie verursachen bei den Endzeitbewohnern einerseits Angst um ihren wenn auch unwirtlichen aber immerhin Lebensraum. Andererseits auch Neid oder die Ahnung, dass das Leben auch anders sein könnte, irgendwie besser.

Eindrücklich und intensiv in Szene gesetzt wird das Stück von Edzard Schoppmann, dem Theaterleiter des BAAL novo aus Offenburg. BAAL novo ist ein grenzübergreifendes Theaterprojekt, das sich um deutsch-französischen Kulturaustausch bemüht. Eine Art ARTE en realité. Demenstprechend ist Mauersegler auch eine bilinguale Koproduktion mit dem französischen Parkour-Verein Association strasbourgeoise de Parkour et acrobaties, die zusammen mit Bernhard Fauser und Jai Gonzales die Bewegung ins Spiel bringen.

Über eine Stunde mehr als Unterhaltung – die Zuschauer waren begeistert über dieses multikulti, multinationale und interdisziplinäre Jugendtheaterstück. Merci beaucoup.

Absurdes im XOX-Theater - Pressestimmen zur Uraufführung im XOX-Theater, Kleve – RP-online

24. Mai 2011

VON MATTHIAS GRASS

Kleve (RPO). Wolfgang Paterok traute sich mit der Uraufführung von Ute Bergiens Hotel am Meer an schwere Kost – das absurd-abstruse Stück verlangte den Schauspielern des ambitionierten Laientheaters alles ab. Ein Lehrstück über Ost und West und die Abhängigkeit von Menschen.

Absurd: Da lassen sich Menschen freiwillig zum Narren machen, ordnen sich unter bis zur Selbstaufgabe. Da werfen andere Menschen ihre Zivilisation über Bord und mutieren zu faschistoiden Folterknechten, die auch noch von besserer Rasse faseln und von den anderen als "Neger - nur nicht schwarz" reden. Ute Bergien serviert in ihrem Stück ein Menü in drei Gängen über menschliches Verhalten – "Hotel am Meer" titelt das Stück, das im Klever XOX-Theater jetzt uraufgeführt wurde.

Stoff für den Restabend

Es ist hartes Stück, das Wolfgang Paterok oben in der alten XOX-Fabrik im kleinen Theater am lauen Samstagabend den Besuchern servierte. Ein Stück mit Diskussionstoff für den Restabend: Warum unterwirft sich das eine Pärchen aus "Nord-Nord-Ost" (wunderbar verhuscht: Dagmar Fischer und Gerd Walther) im Hotel am Meer dem anderen Paar (herrisch-überheblich Agnes Bröker und Klaus Gerritzen) aus Süd-Süd-West? Nur weil es eingeladen ist? Weil die anderen vielleicht die Zeche bezahlen? Weil sie bestimmt Anweisungen geben, gegen die man sich nicht wehrt? Oder einfach, weil man wie immer das tut, was einem gesagt wird? Antworten gibt Bergien in ihrem Stück, das sich zunächst wie eine Parabel auf die Wiedervereinigung liest, nicht. Die muss der Besucher dann selber suchen. Gut so.

Da halten die Menschen aus Süd-Süd-West zum übertriebenen Wassertrinken an, was die anderen nicht kennen: "Wir trinken nicht zum Essen", heißt es zaghaft. Nach der Anweisung: "Trinken sie, es ist gesund, sonst trocknen sie aus", trinken sie. Widersprüche werden im Keim erstickt oder gar nicht erst zugelassen. Nord-Nord-Ost versucht nicht einmal ernsthaft, sich zu wehren: "Essen sie ohne Besteck!" - "Aber sie essen ja mit den Fingern, nehmen sie kein Besteck?", und so werden sie brutal vorgeführt, nachdem man zuvor brav Floskeln ausgetauscht hat. Das Stück eskaliert, wird abstrus-absurd. Das verhuschte Ost-Pärchen findet sich (fast) nackt und preisgegeben im Käfig. Sie werden mit Petit fours gestopft, erniedrigt, mit Bananen beworfen. Während ihre "Gastgeber" hysterisch lachend ausflippen (großartig: Agnes Bröker) – und fürchterlich Angst im Dunkeln haben.

Es sei ein Spiel, sagt der Kellner. Ein Spiel von der Unterwerfung von Menschen, die sich anderen Menschen unterlegen fühlen, mehr als ein Stück Geschichte der Wiedervereinigung. Es ist ein ewiges Spiel, wie der Kellner (prima: Peter Eckart) unmissverständlich klar macht – auch wenn am Ende des Stücks ein Pärchen aussteigen will.

Bergien serviert die Groteske in drei Gängen bis zum Nachtisch im Käfig. Paterok hat die Tische und Stühle des Restaurants für das schräge Menu auf schiefe, unsichere Ebenen gestellt. Alles kann kippen. Auch die Macht der Mächtigen wie sich am Ende herausstellt. Während das Ensemble zu Beginn den Rhythmus der sich wie ein Canon wiederholenden Floskeln nicht so richtig findet, kommt es von Gang zu Gang immer besser zusammen – bis beim furiosen Ende alle überzeugen.

Zur Inszenierung des Landestheaters Detmold (P: 19.05.2011; R: Valentin Stroh; D: Anna Katharina Schwabroh) – Lippische Landes-Zeitung

20. Mai 2011

„Lucie verbreitet Spaß“ Premiere im "Kaschlupp!" hat eine mitreißende Wirkung auf die kleinen Zuschauer von Andreas Beckschäfer

Lucie segelt davon! Wohin? Direkt in die Fantasie der Kinder. Denn die helfen ihr als eifrige Wolkenpuster dabei, ihre spannenden Abenteuer zu bestehen. Die Premiere kam gut an.

Detmold. "Was war das?", fragen die Kinder aufgeregt, als eine große Holzkiste auf der Bühne des "Kaschlupp!" plötzlich ein seltsames Eigenleben entwickelt. Es rappelt, es klopft und plötzlich schaut die kleine Lucie mit verschlafenen Augen aus ihrem ungewöhnlichen Schlafgemach heraus. So beginnt ein Tag im Leben eines Mädchens, das sich fürchterlich langweilt, weil all ihre Freunde in den Urlaub gefahren sind. Doch als Lucie beschließt, nun wie ihre Spielgefährten auch einen Tag am Meer verbringen zu wollen, verwandelt sich ihr Kinderzimmer in einen wilden Ozean. Und überhaupt ist wirklich nichts mehr das, was es eigentlich zu sein schien: Die Stehlampe wird zur gleißenden Sonne, ihre hölzerne Kiste zu einem Boot, das selbst den mächtigsten Wellen trotzt. Und was eben noch eine Wolke am Horizont war, ist auf einmal ein lautstark schnarchendes Schaf. Ihre überbordende Fantasie lässt die mutige Lucie ein aufregendes Abenteuer erleben, indem sie einen Paradiesvogel rettet, das Fliegen lernt und tatsächlich über Bord geht... Die Vorlage des Stücks ist eigentlich ein Puppenspiel von Tim Sandweg. Die Übersetzung ins EinPersonenTheater gelingt ausgezeichnet, was neben der reduzierten und doch atmosphärisch großartigen Ausstattung von TessaVeronika Janus vor allem der Darstellerleistung von Anna Katharina Schwabroh zu verdanken ist. Die 31Jährige spielt das kleine Mädchen mit so überragend kindlichem Gestus, dass die kleinen Zuschauer wachen Auges mit ihr träumen, staunen und lachen. Regisseur Valentin Stroh baut mit seiner lebendigen Inszenierung ein dankbares Gerüst für ihre wahrlich stürmische Spielweise und zaubert mit unzähligen kleinen kreativen Einfällen (etwa einem Papierheft, das unversehens zur pupsenden SonnencremeTube umfunktioniert wird) faszinierende Bilder in die Köpfe der Kleinen. Die wiederum pusten mit aller Kraft den wolkenverhangenen Himmel frei und dürfen sich am Ende gar verantwortlich dafür fühlen, dass Lucie sicher wieder nach Hause findet. Eine tolle Premiere im "Kaschlupp!", der Jugendbühne des Detmolder Landestheaters, mit einer mitreißenden Wirkung auf die kleinen Zuschauer. Der dreijährige JanLouis aus Lemgo beschrieb dies nach dem Stück in nur zwei Worten: "Noch mal!".


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